Kultplaces to be #8

Kultplaces to be #8Der Gärtnerplatz

Bei entsprechender Wetterlage offenbart sich die Sommerseele Münchens an kaum einem Ort so derart süßlebig, wie am Gärtnerplatz. Er ist das gefühlte, gelebte und auch faktische Zentrum eines nach ihm benannten Stadtteils. Ein Blumenmeer und Glücksrondell, das tagsüber spießig schön die Floristen und des abends den Bieristen beglückt. Zeit für eine Ode an den besten Kreisverkehr der Welt!

An wohl keinem Ort Münchens ist die Aufwertung eines ganzen Stadtviertels so schnell vorangeschritten wie im Gärtnerplatzviertel. Das eigentliche Viertel ist dabei nicht gerade das größte der Stadt und auch Verwechslungen zum "Glockenbachviertel" sind an der Tagesordnung. Aber kaum einem dürfte wohl bewusst sein, dass hier noch bis kurz vor der Jahrtausendwende alles recht heruntergekommen war, also vor nicht einmal 20 Jahren.

Der Einzug des Szenelebens wurde wohl mehr oder minder gefördert durch die Erfindung des Gärtnerplatzfestes vor 25 Jahren. Diese Mordsgaudi direkt am Gärtnerplatz musste aber just in diesem Jahr das erste Mal wegen krasser Überfüllungsgefahr ausgesetzt werden. Nachdem letztes Jahr mehr Menschen als zu einer Bayern-Meisterfeier das schönste Blumenbeet der Innenstadt besuchten, wurde von Seiten der Veranstalter entschieden, dass erstmals ein Sicherheitskonzept her muss, um dem potenziellen Todtreten zu begegnen. Nächstes Jahr soll allerdings alles in neuer, alter Frische weitergehen.

Am Gärtnerplatz kommt halt alles zusammen, was im Rest der Stadt doch eher wie die Nadel im Heuhaufen gesucht werden muss: Schwulen- und Lesbenzentrum mit allen bunten Dazugehörigkeiten, skurrile Vögel en masse, eine geile Bar neben der anderen, Läden und Hinterhof-Werkstätte, die dem Einzelhandelssterben einfach nur den Mittelfinger zeigen. Kein Wunder also, dass sich des nachts gerade hier Mama Afrika herumtreibt, um der trockenen Kehle Nachschub zu liefern.

Wenn dann als Mittelpunkt des bunten Treibens noch ein derart schöner Kreisverkehr mit Picknickflair dient, wundert’s nicht, dass daraus ein Dolce-Vita-Magnet der Turbostufe 8.000 entsteht. Da hat der städtische Entwicklungsplan ganze Arbeit geleistet, der den Gärtnerplatz 2006 zur alten Schönheit verholfen hat. Ja genau! Gerade einmal vor 12 Jahren wurde die Urschönheit, wie sie einst zu ehren Friedrichs von Gärtners konzipiert wurde, nach einem hundertjährigen Dornröschenschlaf wieder hergestellt.

Egal ob Schwarzseher in den Schlund der Gentrifikation, homophober Depp, trunkener Nachtschwärmer oder alteingesessener Einwohner: am Charme dieses Münchner Kultplatzes kommt keiner vorbei! Na, jetzt mal wieder Lust bekommen auf eine Nacht im Dunstkreis des schönsten Kreisverkehres der Welt?! Here we go: Unser "How to Essen, Trinken und Versacken" am Gärtnerplatz...

Lecker und launig @Deutsche Eiche

Der wohl deutscheste aller Bäume, die starke unverwundbare prächtige Eiche. Zuviel National Pathos? Tja, ist aber die Ursprungsidee des Ur-Lokals am Gärtnerplatz. Allzu erzkonservativ oder national verbohrt dürfte es in diesen 4 Wänden allerdings selten zugehen. Den die deutsche Eiche gillt als eine der älltesten Begegnungszentrun schuler Subkultur und Mainstream. Wer sich also für Weltoffen und tolerant hält sollte sich hier nur zu wohl fühlen. Eine der Besten Dachterassen gibt’s noch on Top

Drink with style @Salon Pitzelberger

199 Personen fasst der Salon Pitzelnberger, den ihr entweder durch den Haupteingang des Theaters und ein paar Stufen hinab, oder aber durch die Tür rechts davon, gekennzeichnet durch zwei rote-goldene Seile erreicht. Hört sich nach einer großräumigen Sache an und weniger nach Gemütlichkeit. Doch genau das Gegenteil ist der Fall - durch viele Sessel, kubusförmig angelegte Sitzgelegenheiten und Nischen habt ihr selbst bei vollem Haus immer das Gefühl von Privatsphäre - der heimeligen Trinkstimmung absolut förderlich!

Versacken @Holy Home

Hol(l)y Holmes ist nicht nur eine der erfolgreichsten Mixed-Martial-Arts Kämpferinnen aller Zeiten sondern auch eine der Stilechtesten und Unprätentiösesten Bars der Stadt. Auf die Schnauze bekommt ihr hier also nicht. Es sei denn natürlich ihr verliert die Kontrolle über euren Gin-Tonic Konsum und unterschätzt die Wirkung frischer Luft auf dem kurzen Rückweg zum Gärtnerplatz. Aber das ist dann eure eigene Schuld

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.