Faces of Minga #10 Mit Hieronymus Josh im Hofgarten

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Die Zigarette zwischen die Lippen geklemmt, die Augen zusammengekniffen vom Rauch, der sie stört. Ungeduldig dreht Hieronymus Josh mit beiden Händen an den goldenen Rädchen seines Aktenkoffers rum. Raus holt er nicht etwa einen fancy Füllfederhalter mit Gravur. Nein, es ist seine Fotokamera – das liebste Instrument und Werkzeug. Als er sie endlich in den Händen hält, beginnt Josh zu strahlen. Gorden-Gekko-Outfit hin oder her – dieser junge Mann, den wir da an einem Dienstagvormittag im Hofgarten treffen, hat wohl wenig gemeinsam mit den kalten Typen von der Wallstreet. Vielmehr hat er dem „Officeleben“ vor einiger Zeit erst den Rücken gekehrt. Und folgt seit jeher nur der kreativen Ader, die ihn schon als kleiner Stöpsel angetrieben hat. Und diesem Hunger – das neue Leben zu entdecken und seine Erfahrungen in abgefahrene Fotokunst zu gießen.

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Das ganze Interview gibt´s auch in unserem Podcast

Vom Büro-Dude zum Fotogangster

Drei Jahre im Immobilienbusiness, viel gearbeitet, wenig gefühlt. „Das war eine harte Zeit, da war ich irgendwann total rock bottom. Ich wusste, ich kann nicht mehr.“ Josh zieht damals die Reisleine. Nach den Fragen „Was mach ich hier eigentlich? Was kommt jetzt?“ entscheidet sich der junge Münchner für ein Kommunikations- und Design-Studium. Bevor es losgeht, fliegt er nach San Francisco. Im Gepäck seine Polaroid Kamera. Die Bilder sind übrigens bei Instagram zu sehen. Für sein neues Buch „Hieronymus Josh – The Golden State fliegt er diesen Sommer wieder an die Westküste. Natürlich wieder mit Kamera. Mit ihr hält er die Momente fest, die besonderen Bilder und die fremden Menschen, die er trifft. Die Entscheidung, die inneren Kreativität wieder zum Lebensmittelpunkt zu machen, sie ist geglückt.

Hands on & ab in den Kreativ-Modus

Zurück in der Heimat beginnt wieder der Uni-Alltag. Nebenher geht Josh seiner Fotoleidenschaft nach – arbeitet neben dem Studium als Fotoassistent, fliegt für seinen Job sogar Nach Mailand und London, bringt aber vor allem spannende, eigenen Projekte an den Start. Offline kann man seine Arbeit zum Beispiel in Ausstellungen in wechselnden Münchner Locations, aber auch bei populären Events wie der PhotoMünchen und bald auch im eigenen Fotobuch sehen. „Ist selbst produziert und finanziert. Aber so ist das halt am Anfang, ich möchte einfach was in der Hand haben, bei dem ich sagen kann, das hab ich komplett alleine gemacht.“

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Der Mann, der sich in einen Anzug zwängt…

Hands on und mutig, so erleben wir Josh im Gespräch. Ein echt inspirierender Typ. Der sich selber aber ganz ungern als Künstler bezeichnet. Bescheiden. Vielleicht, weil man sich mit „jungen 23 Jahren“ noch nicht so ernst nimmt? Vielleicht, stimmt uns Josh zu. Dabei ist das, was er da macht, für uns nichts anderes als ernstzunehmende, weil zu uns sprechende Kunst. Seine Fotokollagen, Animationen und Co., die man unter anderem auch online in seinem Instagram Kanal sehen kann, sind bunt und skurril, zeugen aber beim zweiten Blick von einer erstaunlichen Lebenserfahrung, die man wohl dann bekommt, wenn man mit Anfang 20 seinen Lebensentwurf schon einmal komplett umwerfen musste. Der Mann, der sich jeden Tag in einen Anzug zwängt und sich nach Feierabend in andere Welten träumt, ggf. mit Hilfsmitteln – solche Hieronymus-Josh-Motive sind zum Einen unterhaltsam und spannend, zum anderen steckt darin vielleicht aber auch ein kleines Stück Leidenswegerfahrung, den der ein oder andere moderne Großstädter nachvollziehen kann.

Treffen mit dem inneren Kind

So schlecht wie es Josh damals ging, bevor seine kreative Ader ihn wiederfand, so lebenslustig, glücklich und frei wirkt er heute. „Als es mir richtig dreckig ging, hatte ich einen Traum. Da hab ich mein inneres Kind vor mir gesehen, das hat geweint. Jetzt weiß ich: Das was ich heute tue, das würde mein inner child einfach feiern. Kinder denken nicht viel nach und machen einfach. Auch wenn es nicht vernünftig ist, es ist meistens richtig.“ Und wenn Hieronymus Josh das sagt, dann lächelt er nicht einfach nur. Er grinst über das ganze Gesicht. Das innere Kind, der Schalk, lacht uns direkt an. Und wir können nicht anders, als uns mit ihm freuen. Darüber, dass er seinen Weg gefunden hat. Und das mit 23 Jahren! Manche suchen ihr halbes Leben danach. Und dann fehlt ihnen noch der Mut, ihn einfach mal zu gehen…

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Dem Uropa ein Tribut zollen

Wie war das eigentlich mit dem Namen, wollen wir abschließend noch wissen. Hieronymus Bosh… war das nicht ein Maler? Stimmt. Josh klärt uns auf: „Ein niederländischer Maler der Renaissance. Aber verwandt bin ich mit dem nicht. Das ist ein Künstlername, mit dem ich auf gewisse Weise an meinem verstorbenen Uropa erinnern möchte. Bevor er starb hatte er immer meinen Namen vergessen – er war Demenz – und hat mich dann immer Hieronymus genannt. Das fand ich cool und hab gedacht: Mensch da muss noch was dazu. Und so wurde halt Hieronymus Josh draus. Mit dem eigentlichen Maler hat meine Arbeit zwar nichts gemeinsam, aber ich finde seine Werke natürlich auch extrem spannend, also passt es.“ Er zwinkert und zieht noch einmal an seiner Zigarette. Wie sein eigentlicher Name ist? Das möchte dieser junge Mann dann doch nicht sagen, der uns eben noch ganz offen über die Höhen und Tiefen des eigenen Lebens berichtet hat. Aber irgendwie auch cool… Ein bisschen geheimnisvoll. So müssen sie eben sein, so Künstler. Auch die, die noch ganz am Anfang stehen und sich selber gar nicht gerne so nennen. Es gibt halt Menschen, die sind für etwas Besonderes gemacht. Und das merkt man ihnen selbst dann schon an, wenn man nur ein Stündchen mit ihnen auf einer Parkbank abhängt. Und dieser Hieronymus Josh… tja, für uns gehört der definitiv dazu.

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Das ganze Interview könnt ihr euch auch ganz entspannt auf allen bekannten Kanälen anhören.

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