Das Zentraltheater

Das ZentraltheaterJunger Zeitgeist auf der Nachwuchsbühne

Theater ist Hochkultur, ohne Frage. Aber muss es sich auch immer so anfühlen? Elitär und steif, beschlipst statt beschwipst, ein kulturelles Wichtiggetue statt einfach ein Abend mit Herz und Bühnenverstand?! Das Zentraltheater in Hauptbahnhofsnähe beweist: nee, muss es nicht. Zwischen Internetcafés, schangeligen Imbissbuden und asiatischen Souvenirshops hat die Nachwuchsbühne im Januar 2017 ihre erste Vorstellung in eigenen Räumlichkeiten an den Start gebracht. Und überrascht seither gleich auf zwei Arten: 1. weil wir Hochkultur an dieser Stelle in München niemals erwartet hätten. Und 2. weil Hochkultur wiedererwartend auch jugendlich frisch und frei sein kann. Ein Abend an dem man sich erst den Döner um die Ecke schmecken lässt und dann bei einem Bierchen ganz lässig mit Freunden ins Theater zieht. Um Stücke anzuschauen, deren Inhalt einen als jungen Menschen wirklich betreffen. 

Die Vision er Macher: Kultur wieder zugänglich machen und speziell junge Leute wieder ins Theater ziehen. Um sie damit zu überraschen, wie aufregend ein solcher Abend sein kann. Kommen sollen auch die, die bisher noch nie im Theater waren, dabei denken die Macher zum Beispiel an die Menschen aus dem näheren Umfeld des Theaters, dem Bahnhofsviertel. Schauspielkunst als Integration, auch das ist ein Hintergedanke des Zentraltheaters. An den Start gebracht hat das Ganze der Geschäftsführer der Schauspielschule Zerboni, in dessen Gebäude die Bühne zuhause ist. Los legte der Verein, der besonders die Nachwuchstalente fördern möchte, im vergangenen Jahr leider selber komplett ohne finanziellen Support. "Leider haben wir noch keine Theaterförderung und kämpfen deshalb gerade darum ab Januar 2019 die Spielstättenförderung zu erhalten", erklärt uns Carolin Klema, die u.a. für die Kommunikation zuständig ist. "Das würde weiterhin tolle Aufführungen mit noch tolleren Schauspielern bedeuten. Positive Resonanz und ganz viel Aufmerksamkeit hilft uns sehr, unserem großen Ziel ein Stück näher zu kommen."

 

Da sind wir doch dabei! Und stiefeln an einem herbstlichen Abend unter der Woche ins Zentraltheater. Das siebte Stück der Zentraltheater Crew wird vorgeführt: Immer nie am Meer, eine tragisch-komische Geschichte von drei jungen Männern, die - wo sie doch unterschiedlicher nicht sein können - durch einen kleinen Unfall tagelang im Auto gefangen sind. Es folgen die skurrilsten Gespräche, schwankend zwischen witzigen Hysterie-Ausbrüchen und todesängstlicher Verzweiflung. Und das Publikum? Nun, wir können hier nur für uns sprechen. Aber so nah waren wir sohl noch nie an Schauspielern dran. Zusammen mit dem Bühnenbild - klar und schlicht, ohne Schnickschnack - vermitteln sie uns ein unheimlich authentisches Stück, das ohne auch nur durch ein kleines Detail abzulenken ganz nah an den Figuren bleibt. Und damit von den Schauspielern umso mehr Talent abverlangt.

 

Wer als Zuschauer so nah dran ist, der hat am Ende des Abends, wenn sich die Darsteller verbeugen, wirklich das Gefühl, die Jungs und Mädels persönlich zu kennen. Selbst wenn er sie nie zuvor gesehen hat. Sich so zu öffnen, vor komplett fremden Menschen, das ist eine echte Kunst, resümieren wir. Und ziehen den Hut vor den Nachwuchstalenten, die auf der Zentraltheater-Bühne stehen.

Maja ist nicht tot. Wenn Maja gestorben wäre, hätte sie mir davor Bescheid gesagt. Solche Dinge haben wir immer abgesprochen.

Nora - Hauptfigur "Wir kommen"

Freitickets für das neue Stück!

Titel: "Wir kommen"

Solltet ihr euch selber ein Urteil machen wollen, können wir euch nur wärmstens das neue Stück „Wir kommen“ ans Herz legen, das am 20. November ab 19:30h Premiere feiert. Der Inhalt: Noras beste Freundin aus Kindheitstagen stirbt. Die Clique droht auseinanderzubrechen und dann fährt auch noch ihre Therapeut in Urlaub. Nora beschließt also Tagebuch zu schreiben. Und berichtet darin von der Reise mit ihren Freunden ans Meer - auf der Suche nach ihrer alten Freundschaft. Und mit der Idee, einen Mord zu begehen. 1x2 Tickets für die Premiere sind in unserem Lostopf! Schreibt uns bis zum 18.11. 10h eine Mail mit dem Betreff "Wir kommen!" und seid mit etwas Glück bald selber Gast im Zentralteather.

Pics Bühnenbereich by Manuel Nawrot. Pics Foyer by Thomas Tomski.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.