Unser Besuch im Tierheim München Von neuen Chancen & einem Zuhause für immer

Geheimtipp München Tierheim 43 – ©wunderland media GmbH

Der 4. Oktober steht ganz im Zeichen des Tierschutzes – der Welttierschutztag soll die Aufmerksamkeit gerade auf die tierischen Erdbewohner lenken, die nicht das Glück einer liebenden Familie, eines artgerechten Zuhauses und einem glücklichen Leben haben. Und davon gibt es erschreckenderweise immer noch unzählige! Wir wollten diesen Tag als Anlass nehmen (obwohl der Tierschutz an den anderen 364 Tagen im Jahr natürlich genauso relevant ist) und haben Kristina im Münchner Tierheim besucht. Sie hat uns nicht nur das großzügig angelegte Gelände gezeigt, sondern auch die Geschichte zu jedem ihrer Findelkinder erzählt…

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Unser erster – aber sicher nicht letzter – Besuch im Tierheim in Riem.
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Kleiner Überblick über die Artenvielfalt? Check!
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Geheimtipp München Tierheim 28 – ©wunderland media GmbH
Idyllische Anlage, die sehr liebevoll gepflegt wird.
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Das Problem und seine Auswirkungen

Schon seit über 70 Jahren gibt es das Gelände des Tierheims, – ausgebaut wird es aber nach wie vor. Gerade entsteht ein neues Hundehaus. Die, die bereits da sind, reichen einfach nicht aus – zurzeit sind circa 1050 Tiere in der Obhut des tollen Teams, das aus rund 60 Tierpflegern und 60 direkten Tierheim Mitarbeitern (TierärztInnen, Hausmeister, VerwaltungsmitarbeiterInnen, WäschereimitarbeiterInnen etc.) besteht. Viele davon natürlich auch ehrenamtlich. Wenn wir von 1050 Tieren sprechen, geht es natürlich nicht nur um die Vierbeiner, die wir gerne zu unseren besten Freunden machen, – also Hunde. Auch wenn das vielleicht das Erste ist, was einem in den Sinn kommen mag, wenn man so ans Tierheim denkt. Darunter sind natürlich genauso Kaninchen, Mäuse, Hofbewohner wie Hähne oder Ziegen, Katzen, Vögel, Igel… die Liste ist lang. Und die Geschichten teils schwer zu glauben. Neben der Tatsache, dass der Sommer anscheinend der Monat ist, in dem am meisten Tiere ausgesetzt werden (müssen ja auch viele in den Urlaub fahren), werden auch am wenigsten aufgenommen. Corona hat auch da jetzt nicht unbedingt geholfen: Der illegale Welpenhandel boomt, – die Quarantänestation, die an die hauseigene Tierarztpraxis angeschlossen ist, ist eigentlich schon überfüllt. Und die Polizei liefert regelmäßigen Nachschub. Allerdings nicht nur aus dem Ausland, sondern auch aus dem Inland. Seltsame Fälle wie der von den 400 Mäusen, die in einer Privatwohnung sichergestellt wurden. Verrückte Welt.

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Kleine Freunde, große Freude

Zuerst zeigt uns Kristina, die bereits seit sechs Jahren im Team ist, die Kleintiere. Die flauschigen Kaninchen, die frechen Meerschweinchen, die kunterbunten Vögel, niedliche Degus und mehr haben hier ein liebevolles Übergangszuhause gefunden – die großen Gehege und Käfige sind ausgestattet mit allerhand Spielmöglichkeiten und Abwechslung. Es herrscht reges Treiben, aus jeder Ecke gucken uns große, neugierige Kulleraugen an. Rund 160 Kaninchen und 40 Meerschweinchen warten hier aktuell auf eine Chance auf einen glücklichen Neustart. Und am liebsten würden wir sie alle einpacken… 

Wie könnt ihr helfen? Ihr seid gefragt, liebe Münchner*innen!

Wir haben natürlich auch gefragt, wie wir und ihr dem Tierheim jetzt und in Zukunft etwas Gutes tun könnt – damit all die Tiere die Möglichkeit auf ein erfülltes Leben haben, auch wenn sie noch kein Zuhause gefunden haben. Kristina hat uns folgendes mit auf den Weg gegeben:

  • Regelmäßige Spendengelder per Mitgliedschaft oder Patenschaft: Ist ein No-Brainer – aber so wichtig. Wem das zu unemotional ist, der hat auch die Möglichkeit Patenschaften zu übernehmen – entweder für Tiergruppen oder sogar für einzelne Tiere.
  • Sachspenden: Euer Haustier hat genug Spielkrams, Futter ist ausreichend da und auch eine Leine habt ihr noch übrig? Dann wäre hier eine Anlaufstelle, die sich über eure aussortieren, aber gut erhalten Sachspenden riesig freut.
  • Ehrenamt: Ihr müsst kein*e ausgebildete*r Tierpfleger*in sein, um hier anzupacken. Auch bei Tätigkeiten wie bei der allgemeinen Versorgung, der Reinigung, beim Gassigehen oder als Unterstützung bei einem Tierheimfest freut man sich über helfende Hände. Außerdem gebraucht: Katzenstreichler. Kein Scherz – gerade Katzen brauchen viel Ansprache und Kuscheleinheiten. Wenn ihr also nachmittags nichts vor habt, schnappt euch ein Buch und kuschelt euch mit einer Pflegekatze in ihrem Zimmerchen ein.
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Das ist Turco – der aufgeweckte Mischling ist leider schon seit 6 Jahren Dauergast. Er sucht einen Hundekenner, der sich mit anspruchsvollen Hunden auskennt und ihm Konsequent und Liebe entgegen bringt.
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Wochenendbesucher und Dauergäste

Weiter geht es für uns in eins der Hundehäuser. Auch hier ist die Neugierde groß, wer die Fremden sind, die sich ungefragt eingeladen haben. Teils schüchtern, teils aufgeregt gucken uns die überwiegend größeren Hunde an, bellen oder wedeln mit dem Schwanz. „Das Problem ist, dass die Anfänger-Hunde immer gleich weg sind – und der Rest oft und leider zum Dauersitzer wird. Viele haben einfach schon eine Vorgeschichte und die Hunde kommen zu uns, wenn die Fehler schon passiert sind.“ Wobei mal wieder festzustellen ist, dass kein Hund einen bösen Charakter hat – es sind die Menschen am anderen Ende der Leine, die dem Wesen dieser feinfühligen Tiere einen Knacks verpassen. Kristina würde sich wünschen, dass die Interessenten sich mehr zutrauen und auch Verantwortung übernehmen wollen für ein Tier, das Zeit, Erziehung und Bestimmtheit braucht. Genau wie Verständnis und Liebe. Ein Tier, egal ob Hund, Katze oder Kaninchen, das Mäkel hat und nicht perfekt ist. Besucher, die sich im Tierheim nach einem neuen Mitbewohner umschauen, können an den Karten an den Glastüren Abgabegrund und Bedingungen für die Haltung nachlesen. Ist das Tier verträglich mit Kindern? Braucht es viel Freilauf? Warum wollten es die Vorbesitzer nicht mehr? Aber mindestens genauso wichtig wie das Lesen ist das Fragen. Denn wer die einzelnen Geschichten hört, der liest nicht mehr einfach nur „Abgabegrund: Hat gebissen“, sondern sieht eventuell auch, dass das Tier misshandelt wurde und aus Überforderung gebissen hat. Wo wir wieder beim anderen Ende der Leine wären… 

Was wir noch nicht wussten

Zum Tierheim gehört außerdem ein eigener Gnadenhof, der Platz für alle diejenigen hat, für die man wenig Hoffnung auf ein neues Heim hat, die aber ihre letzten Tage in schönst möglicher Atmosphäre verbringen dürfen. Auch hier gibt es aber nach wie vor noch die Möglichkeit auf Vermittlung.

Aktuell und dank Corona müssen Interessenten einen Termin vereinbaren, wenn sie sich für einen der tierischen Bewohner interessieren. Eure passenden Ansprechpartner findet ihr auf der Website.

Ihr findet nachts einen Streuner auf der Straße? Und könnt das Tier alleine nicht handeln oder habt keine Möglichkeit, es erst mal mit nach Hause zu nehmen? Die Polizei hilft: Einmal gerufen gibt es für sie einen eigenen Raum im Tierheim, zu dem sie auch nachts Zugang haben und in dem sie die Tiere beruhigt lassen können, damit sie in Sicherheit sind.

Sogar Tauben haben wir bei unserem Rundgang entdeckt. Kristina hat uns erklärt, dass sich das Tierheim dem Augsburger Stadttaubenkonzept angenommen hat und einen eigenen Taubenschlag hat. Das Augsburger Modell ist ein tierschutzgerechtes Konzept zur Regulierung und Reduzierung der Stadttauben zum Wohle von Mensch und Tier. Außerdem landen Tauben mit Verletzungen oder ähnlichen zur Versorgung im Tierheim.

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Das ist unser neuer Freund Aron. Er benutzt uns auch gerne als Kratzbaum.
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Sorgenkind Sony und seine Kolleg*innen

An hübschen Hähnen und einem verschmusten Aron vorbei, statten wir auch dem modernen Katzenhaus noch einen Besuch ab. Dasselbe Spiel. Zwischen Neuankömmlingen, die eine realistische Chance auf eine baldige Weitervermittlung haben, warten Sorgenkinder teilweise schon jahrelang auf familiären Anschluss. Kristinas persönliches Sorgenkind ist Sony (s. untere Bildreihe ganz links). Der Europäische Kurzhaar-Kater ist bereits 11 Jahre alt und eigentlich wahnsinnig anschmiegsam, menschenbezogen und verspielt. Aber er hat eben einen eigenen Kopf – und das weiß er auch zu zeigen. Im Idealfall findet ein*e Katzenliebhaber*in, die/ der noch keine anderen Tiere und auch keine Kinder hat, Gefallen an dem lieben, aber eigenwilligen Kater und schenkt ihm noch ein paar schöne Jahre in einem ruhigen Zuhause, das in verkehrsarmer Gegend liegt, damit der Hübsche seine Freiheit zurückbekommt. Also falls das hier jemand liest, der sich schon lange einen männlichen Mitbewohner wünscht, der keine Widerworte gibt – ihr habt ihn soeben gefunden!

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Vor dem Katzenhaus, das erst vor fünf Jahren gebaut wurde.
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Gerade erst eingezogen, schon auf der Suche nach ganz viel Kuscheleinheiten.
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Na, ist's bequem?
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Happy End? Hoffentlich!

Unsere letzte Station sind die (durchaus geruchsintensiven, aber ziemlich goldigen) Igel. Aktuell ist Igel-Saison und da haben wir uns natürlich direkt ein paar Profi-Tipps für den richtigen Umgang beim Igelfund eingeholt, die ihr im Anschluss an diesen Absatz nicht nur lesen, sondern verinnerlichen dürft. Das Ende unserer ausführlichen Führung durch das Tierheim stimmt uns nachdenklich und wir gehen mit gemischten Gefühlen. Die Schicksale der wehrlosen Erdbewohner machen uns traurig und lassen uns ehrlicherweise auch ein kleines Stück weit an dem Gewissen der Menschen zweifeln – auf der anderen Seite ist es unheimlich schön zu sehen, mit wie viel ehrlicher Zuneigung, geduldiger Freude und endloser Mühe sich hier um die Tiere gekümmert wird. Wir können uns Kristinas Appell eigentlich nur anschließen und euch bitten, ihn zu teilen: Bevor ihr euch ein Tier zulegt, überlegt euch, ob ihr wirklich genug Zeit, Kraft, finanzielle Mittel und Geduld habt, um es zu erziehen und ihm das Leben zu ermöglichen, dass es verdient hat. Seid ihr euch dessen sicher, dann bucht euch erst einmal einen Termin beim Tierheim und lernt die Tiere kennen, bevor ihr euch nach Züchtern umschaut. Und wenn ihr euch ins eins davon verliebt, dann gebt euch beiden die Zeit, euch gegenseitig an die Macken des anderen zu gewöhnen. Ist auch nichts anderes wie in einer Beziehung, von der man sich wünscht, das sie ein Leben lang hält. Ihr werdet sehen: Wenn euer neuer Kompagnon erst mal aufblüht, die Unsicherheit abfällt und er oder sie Vertrauen gewinnt, dann wartet eine Zeit voller wunderbarer Überraschungen auf euch. Und vielleicht seid es ja dann ihr die die (Leidens)Geschichte eines dieser Tiere umschreibt und sie mit einem Happy End krönt. Denn manchmal ist man eben doch selbst verantwortlich für die schönsten Geschichten im Leben…

Igel-Wissen to go! Was ihr in der Igel-Zeit wissen müsst

Wenn ihr einen kleinen Igel in eurem Garten, im Wald oder im Park findet und ihr Sorge habt, das mit ihm etwas nicht stimmt, gibt es folgende Tipps:

  • 1. Schritt: Setzt ihn auf eine Waage und guckt erst mal wie viel er wiegt. Alles ab 200 Gramm und einem gesunden Erscheinungsbild (also Tropfenform und nicht auf der Seite liegend) nabelt sich gerade von Mama ab und ist eigentlich fit genug, für sich selbst zu sorgen.
  • Wenn ihr in tagsüber findet und er macht einen verwirrten Eindruck, dann setzt in bis zum Einbruch in eine offene Kiste, deckt sie vorsichtig und luftdurchlässig mit einem Handtuch ab und stellt dem kleinen Fratz ein bisschen Katzenfutter hin. Das essen sie gerne und vertragen sie auch! Igel Trockenfutter aus der Tierhandlung ist eher Marketing-Gag als wirklich nützlich.
  • Wenn ihr euch wirklich unsicher seid, ruft kurz im Tierheim an, bringt ihn vorbei und lasst ihn von den Experten untersuchen. Die wissen nach nur wenigen Handgriffen ganz genau ob der Igel beispielsweise eine Wunde hat oder anderweitig krank oder verletzt ist.
  • Eigene Auswilderung: Wenn ihr einen Garten habt, dann könnt ihr den Igel bei der Auswilderung auch durchaus unterstützen. Ihr könnt ihn in einem kleinen Gehege im Garten aufnehmen, ihn 2-3 Wochen füttern und tut nicht nur für den stacheligen Naturburschen etwas, sondern auch für Mutter Erde. Für nähere Infos wie das geht und was ihr braucht, findet ihr ebenfalls im Tierheim direkt Rat.
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Eingemummelt und bereit für den Winterschlaf.
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Wo wir gerade bei Geschichten sind… Mehr davon aus München findet ihr bei uns!

Geheimtipp Muenchen Hotel Joyn Apartments7 – ©wunderland media GmbH

JOYN Serviced Living Wo stylisch auf gemütlich trifft

Kurzfristig eine anständige Wohnung für einen Aufenthalt von wenigen Monaten in München zu finden, war bisher ungefähr so wahrscheinlich wie ein Einhornritt bei Mondschein oder die Existenz von veganen Vampiren. Doch irgendein kluges Köpfchen hat die Hilferufe verzweifelter Probezeitler und hotelgenervter Projektarbeiter gehört und für des Rätsels Lösung gesorgt: Die…