7 Buchempfehlungen von Münchner Autor:innen Buchtipps von den Expert:innen

Was kann man nie genug haben, regt die Fantasie an und wird nie langweilig? Genau, Bücher! Wir lieben es, uns mit dem neuen Lieblingsroman oder einem spannenden Krimi auf die Couch zu legen und in andere Welten zu tauchen. Doch nach diesem Jahr haben wir wirklich jedes Buch in unserem Regal schon gelesen. Was nun? Wir haben uns für Buchempfehlungen mal an die absoluten Expert:innen gewandt: Münchner Autorinnen und Autoren. Die haben uns ihre Lieblingsbücher verraten und nebenbei auch gleich ihre eigenen vorgestellt. Also macht Platz in den Bücherregalen, denn den werdet ihr bei so vielen spannenden Tipps sicherlich brauchen.

Anika Landsteiner – „So wie du mich kennst“

Wir haben Anika letztes Jahr in Marys Coffee Club getroffen.
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Anika Landsteiner ist eine unserer absoluten Lieblingsautorinnen und Podcasterinnen. Früher lasen wir fleißig ihren Reiseblog, nun lesen wir ihre Bücher und hören ihren Podcast „ÜberFrauen“. Mit ihrem Romandebüt „Mein italienischer Vater“ schrieb sie sich sofort in unsere Herzen. Vor allem für Italienliebhaber ein Muss! Anika schafft es, ihre großartigen Beobachtungsgabe mit wunderbaren Wörtern zu vereinen. Im April 2021 erscheint nun ihr neuer Roman „So wie du mich kennst“. Obwohl wir nur den folgenden Klappentext kennen, sind wir uns sicher, dass das Platz machen im Bücherregal sich lohnt: „Karlas Leben ist stehen geblieben. Sie trägt eine Urne nach Hause, darin die Asche ihrer Schwester Marie. Und plötzlich ist nichts mehr so, wie es einmal war. Marie war Karlas Seelenverwandte, ihr Kompass in diesem Chaos, das sich Leben nennt. Und während sich dieses Chaos um sie herum einfach weiterdreht, reist Karla nach New York, um dort die Wohnung ihrer Schwester aufzulösen. Als sie Fotos findet, die so verstörend wie alltäglich sind, fragt sie sich, wie gut sie Marie wirklich kannte. Die Schwester, die so ganz anders lebte als sie. Die erfolgreich und selbstbewusst war. Was Karla auf den Bildern sieht, verändert ihren Blick auf Marie, ihren Blick auf sich selbst und auf das ganze Leben vor ihr.

Anikas Buchtipp: „Lovers & Writers“ von Lily King

Lily King ist US-amerikanische Autorin und Hochschullehrerin.
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Lily Kings Buch war das absolute Lese-Highlight für Anika Landsteiner.
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Anika: „Ich lese wenige Romane zweimal, aber auf diesen werde ich auf jeden Fall noch mal zurückgreifen: „Lovers & Writers“ war mein absolutes Lese-Highlight in diesem Jahr, vielleicht auch, weil ich wenig Erwartungen hatte. Casey, die ihre Mutter verloren hat, von ihrem Freund verlassen wurde und einen riesigen Schuldenberg aus dem Studium mit sich herumschleppt, kämpft sich Tag für Tag durch ihr chaotisches Leben. Eigentlich ist sie Autorin, sie schreibt an einem Roman, doch ihr Alltag holt sie immer wieder ein, wie beispielsweise ihr Job im Restaurant, mit dem sie sich über Wasser hält. 
Was ich an diesem Roman so liebe ist, wie schnell ich Casey nahe war und wie sehr ich ihr alles Glück der Welt wünschte, weil ich ihren Schmerz und ihre Leidenschaft so gut spüren konnte. „Lovers & Writers“ ist aber nicht nur traurig, sondern kann auch wahnsinnig gut unterhalten, beispielsweise sind alle Szenen im Restaurant mit ihren Servicekolleg*innen total temporeich und detailverliebt. Liebe, Freundschaft, Verletzung und die ganz großen Träume vom Schreiben – das alles geht ineinander über auf 319 Seiten, die viel zu schnell zu Ende gelesen waren.“

Tanja Kinkel – „Die Gefängnisärztin“

Tanja fühlt sich in der Welt der Bücher Zuhause.
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Tausendsassar Tanja Kinkel ist so vielschichtig interessiert, dass es kaum ein Thema gibt, über das sie noch nicht geschrieben hat: historische Romane, Gegenwartsliteratur, Fantasy, Krimi, Thriller, Drama, Liebesgeschichten, Kinderbücher und Religion. Bei der großen Bandbreite ist sicherlich für jede Art von Buchfan etwas dabei. Sogar für Lesefaule hat Tanja das Passende im Gepäck, denn ihre neueste Erscheinung ist eine Hörbuch-Serie. Wer gerne vorgelesen bekommt, der ist mit Tanjas Krimireihe „Die Gefängnisärztin“ an der richtigen Adresse. Je eine Stunde pro Folge könnt ihr die Gefängnisärztin Dani Peters bei ihrer Arbeit begleiten. Denn nach deren Eheaus hat sie sowohl Mann, Freundeskreis und berufliche Perspektiven verloren. Sie entscheidet sich, ins Gefängnis zu gehen. Freiwillig. 10 Stunden spannendes Hörvergnügen für die Ohren.

Tanjas Buchtipp #1: „Erika und Therese“ von Gunna Wendt

Zwei Frauen, ein Buch.
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Tanja: „In Gunna Wendts hinreißender Doppelbiografie der Schauspielerin Therese Giehse und des Multitalents Erika Mann gibt es eine Szene, die nicht nur die kreative und romantische Partnerschaft der beiden, sondern auch die Zeit, in der sie lebten, wunderbar zusammenfasst: Samstag, 14. Januar 1933, Maximilianstraße: kurz nach 21 Uhr verlässt Therese Giehse die Kammerspiele, wo sie in Hauptmanns „Ratten“ brilliert, läuft zur „Bonbonniere“ in der Neuturmstraße, tritt dort in einer der ersten Nummern des Cabarets „Pfeffermühle“ auf, das von ihr und Erika Mann gegründet wurde, rezitiert Erika Manns Text, kehrt danach umgehend in die Kammerspiele zurück und schafft es nach dem Ende des Hauptmann-Stücks gerade noch rechtzeitig in die „Bonbonniere“, um dort mit den übrigen Cabaret-Mitgliedern den Schlussapplaus entgegenzunehmen. Gunna Wendt ist eine Biografin, der es gelingt, nicht nur ihre beiden Hauptfiguren, sondern auch die atemlose Zeit, in der sie lebten, komplex und vielschichtig zum Leben zu erwecken.“

Tanjas Buchtipp #2: „Unorthodox“ von Deborah Feldmann

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Tanja: „In der chassidischen Satmar-Gemeinde in Williamsburg, New York, herrschen die strengsten Regeln für ultraorthodoxe Juden weltweit. Deborah Feldmann schildert in ihrem Bericht ihre Kindheit und Jugend in der Gemeinschaft, schildert die Fragen, die sie von Kind auf begleiteten, und den schrittweisen inneren Loslösungsprozess, bis sie mit dreiundzwanzig die Satmar verließ und sich gemeinsam mit ihrem Sohn ein neues Leben aufbaute. Packend und lebhaft erzählt; gleichzeitig eine der überzeugendsten Liebeserklärungen an das Lesen als Überlebenshilfe, die mir vor Augen gekommen sind, seit Bastian Balthasar Bux die „Unendliche Geschichte“ vom alten Antiquar Karl Konrad Koreander stahl. Das Buch inspirierte übrigens die gleichnamige Netflix-Serie.“

Pierre Jarawan – „Ein Lied für die Vermissten“

Unsere Redakteurin ist großer Fan von Pierres Büchern.
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Pierre Caravan ist Autor, Bühnenliterat, Moderator und freier Fotograf.
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Pierre entführt uns in seinen Büchern „Am Ende bleiben die Zedern“ und „Ein Lied für die Vermissten“ nach Beirut. Er erzählt so einfühlsam und detailliert das Leben der Menschen vor und nach dem Krieg, dass wir uns gleich bei den ersten Worten mit ihm auf Reisen begeben. Der Drang, selbst durch die Straßen Beiruts spazieren zu wollen, steigt mit jedem seiner wunderschön geschriebenen Sätze. Wir selbst stecken gerade mitten im zweiten Roman und können ihn gar nicht mehr weglegen. In „Ein Lied für die Vermissten“ schreibt im Jahr 2011 Amin seine Erinnerungen aus dem Jahr 1994 nieder. Als Jugendlicher kehrte er mit seiner Großmutter von Deutschland in den Libanon zurück – 12 Jahre nach dem Tod seiner Eltern. Zusammen mit seinem Freund Jafar durchstreifte er damals die verschwiegene Nachkriegswelt. Amin erkennt in dieser Zeit, dass es in diesem Land nie Gewissheit geben wird  – weder über die Vergangenheit seines Freundes Jafar noch über die Geschichte seiner Familie. 

Pierres Buchtipps

Autor Pierre teilt seine Buchschätze mit uns
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Pierre hat nicht nur einen Buchtipp für euch, sondern gleich fünf! Aber mal ehrlich, bei so viel Lockdowns und zu Hause bleiben, können wir jede literarische Empfehlung gebrauchen. 

In Charlotte McConaghys Buch „Zugvögel“, beschließt eine Ornithologin den letzten Küstenschwalben zu folgen, als diese zu verschwinden beginnen. 

Autor Abbas Khider erzählt in „Palast der Miserablen“ die Geschichte von Shams, der mit seiner Familie in einen Slum von Bagdad zieht. Dort versucht sich der Junge mit vielen Arbeiten über Wasser zu halten. Seine Leidenschaft sind jedoch Bücher. In einer Zeit, in der ein falsches Wort den Tod bedeuten kann.

Column McCann schreibt in „Apeirogon“ über die beiden Freunde Rami und Bassam. Rami ist Israeli, Bassam ist Palästinenser. Ihr Leben ist vollkommen asymmetrisch und doch haben sie Parallelen. Der Roman über den Palästinakonflikt stellt die Frage: Wie leben wir weiter, wenn das Liebste verloren ist? Und: Wie kann der Mensch Frieden finden? Mit sich selbst, mit anderen.

In Marieke Lucas Rijneveld „Was man sät“ wünscht sich die zwölfjährige Jas, dass nicht ihr Kaninchen dem Weihnachtsessen zum Opfer fallen soll. Stattdessen soll Gott doch lieber ihren älteren Bruder zu sich nehmen. Am selben Tag ertrinkt ihr Bruder beim Schlittschuhlaufen. Alle Familienmitglieder glauben selbst schuld an der Tragödie zu sein. Jas flieht daraufhin mit ihren Geschwistern ins Niemandsland zwischen Kindheit und Erwachsenensein. Ein Buch erzählt wie man anderen beistehen kann, wenn man selbst mit den eigenen Dämonen zu kämpfen hat. 

Das Sachbuch von Peter Frankopan „Licht aus dem Osten. Eine neue Geschichte der Welt.“ wirft einen neuen Blick auf die Geschichte und lehrt uns diese neu zu sehen. Und zwar mit dem Nahen und Mittleren Osten als Ausgangspunkt – nicht Europa. Neben allen drei monotheistischen Weltreligionen standen nämlich hier die ersten Hochkulturen und ein Reichtum an Gütern, Kultur und Wissen.

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