In einer so großen Stadt wie München ist es selbstverständlich, dass wir auf unterschiedliche kulinarische Besonderheiten treffen. Egal, ob thailändisch, italienisch oder indisch – Hier gibt es alles, was das hungrige Herz begehrt und die Auswahl oft erschwert. Anders ist es bei der orientalischen Küche. Denn hier kommt uns sofort nur eines in den Sinn: das Kismet in der Löwengrube. Nicht nur die Getränke- und Menükarte, sondern auch das geschmackvolle Ambiente katapultieren uns in die weitreichende Kultur des Morgenlandes, und das vollkommen vegetarisch. Dabei interpretiert das Kismet die orientalische Küche auf modernen Wegen.

Früher Backstube, heute Ort des Zusammenkommens und Genießens in sinnlicher Atmosphäre © Geheimtipp München

Im Kismet werden herbe Gewürze mit leckeren Drinks kombiniert und neu interpretiert © Geheimtipp München

Das Kismet eignet sich hervorragend für ein originelles Date bei romantischem Kerzenschein © Geheimtipp München

Nicht nur das Auge isst hier mit

Als wir das Kismet in der Löwengrube direkt in der Altstadt Münchens entdecken, verschlägt es uns gedanklich sofort in den schönsten orientalischen Traum. Die Sitzplätze draußen sowie die Atmosphäre der Umgebung erinnern ein bisschen an das bunte Straßentreiben in Beirut oder Marrakesch. Es ist warm und sonnig, und wir entscheiden uns draußen Platz zu nehmen. Die Fenster sind geöffnet und ermöglichen einen Blick nach innen. Ein dunkler Türkiston an den Wänden, gediegenes Kerzenlicht und Oriental Downtempo Musik sorgen für eine warme, gemütliche und zwanglose Stimmung, die wir auch durch die geöffneten Fenster direkt bemerken.

Experiment: Modernität

Wir werden herzlich bedient und bekommen zur Begrüßung ein Erfrischungstuch und einen kalten Eistee. Bei der Getränkewahl wollen wir uns überraschen lassen und fragen nach der Empfehlung des Hauses. Die Getränkekarte kommt wohlüberlegt und experimentell daher – dank interessanter Mixturen aus Spirituosen, Früchten und fernöstlichen Gewürzen. Erlesene, vegane Weine vervollständigen das vielseitige Repertoire an Erfrischungen. Wir entscheiden uns für einen Marrakesch Mule, also einen Longdrink aus Ayurveda-Gin, Limette, Kardamom, Zimt und Ginger Beer, sowie für einen Orient Express, der aus Früchten und feinherbem Lillet besteht. Wir sind jetzt schon hin und weg, und gespannt auf das Essen.

Fluffig und unglaublich cremig – Im Kismet erreicht der Hummus ein völlig neues Geschmackslevel © Geheimtipp München

Hummus: next level

Auch bei der Vorspeise, die in der orientalischen Küche übrigens Mezze genannt wird, wollen wir das volle Programm. Uns erwartet eine Variation aus Kichererbsen- und Rote-Bete-Mousse sowie Karottensalat mit Ingwer. Wer jetzt meint, Kichererbsen und Rote Bete seien doch typisch für Hummus, liegt richtig. Doch ist dieser bei Kismet extrem fluffig und streichzart, zum Reinlegen. Dazu gibt es einen frisch frittierten Sigara Börek mit Dill-Ziegenkäse-Füllung, der in Kombination mit der Mousse und einer Gurken-Raita unsere Geschmacksknospen mehr als verwöhnt.

Schon der türkisfarbene Leuchtschriftzug verrät etwas über die Exklusivität des Kismets © Geheimtipp München

Wenn Leidenschaft auf Einzigartigkeit trifft

Zwischen Vorspeise und Hauptgang wollen wir mehr über das Kismet erfahren und sprechen mit der Eigentümerin Sandra Forster. Sandra ist in der Münchner Gastroszene wahrlich eine Koryphäe, denn neben dem Kismet zählen der Blitz Club sowie das dazugehörige Restaurant, das Charlie, als auch das Ausbildungsrestaurant Roecklplatz, zu ihren Herzensprojekten. Bemerkenswert ist ihr Gespür für das Einzigartige. Sie erzählt uns, dass sie ein konkretes Konzept für das Kismet schon in der Tasche hatte, ohne überhaupt eine Lokalität in Aussicht zu haben. Dann stieß Sandra auf die ehemalige Bäckerei in der Löwengrube. In der früheren Backstube, in einem Saal mit Glasdach, sitzt man gemeinsam nahe beieinander. Und genau das spiegelt einen wesentlichen Charakterzug der orientalischen Küche wider: Das Gemeinschaftliche. Genau das fehlt der deutschen Küche manchmal etwas, davon sind Sandra und auch wir felsenfest überzeugt. Sie hat ihre Leidenschaft für den Orient durch das Reisen entdeckt und verfolgte schnell die Vision, die dort beheimatete Küche in ihrer Heimat München neu zu interpretieren. Gar nicht so einfach, denn der Orient erstreckt sich von der Türkei bis nach Marokko und beherbergt somit einen mannigfaltigen Schatz an Kulturen. Hinzu kommt, dass Sandra vollkommen auf Fleisch in ihrer Gastronomie verzichten möchte. Doch egal, wie herausfordernd diese Situationen waren, letztendlich genießt das Kismet mit seinem modernen Touch seither in München einen Status der Alleinstellung. Davon zeugen nicht nur die zahlreichen Gäste, wir schmecken es auch an den liebevoll zubereiteten Speisen.

Das Thali mit seinen drei verschiedenen Curries nimmt einen auf eine gustatorische Reise ins Morgenland © Geheimtipp München

So etwas wie Schicksal?

Mehr als gesättigt und zufrieden genießen wir das Ambiente. Uns fällt auf, dass wir uns trotz der üppigen Größe der Gerichte nicht zu voll fühlen. Eine typische Qualität der orientalischen Küche, aber auch die des Kismets, da schließlich nur vegetarische Gerichte serviert werden. Apropos, was bedeutet der Name Kismet eigentlich? Wir fragen nach und erfahren, dass der Begriff tatsächlich aus dem Arabischen kommt und so viel bedeutet wie: „Dem Menschen von Gott zugeteiltes Los, dem er nicht entgehen kann.“ Es war also das Schicksal, das uns hierhergeführt hat und dafür sind wir dem Universum unfassbar dankbar. Mal wieder bestätigt sich unsere Philosophie, dass alles im Leben einen Sinn hat.

Das Blitz Restaurant

Vegetarische Tacos und Zuckerrohr-flavoured Speedy Gonzales

Bilder von Thomas Tomski für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Paul Harhausen

Temporärer „Zuagroaßter“ - so würden wohl waschechte Münchener Paul bezeichnen. Auf der To-Do-Liste des eigentlichen Wahl-Weimarers und geborenen „Jong“ von der Waterkant stand schon immer, irgendwann mal in der südlichsten Großstadt Deutschlands zu leben. Die grandiose Lebensqualität, das beständige Wetter, aber auch die Sehnsucht zu den Bergen, das alles hat Paul nach München gelockt. Mit jedem Tritt in die Pedale seines Rennrads und den Blick auf die Isar gerichtet, spürt er nämlich genau das: Lebensqualität. Darauf ein Prosit!