Top 7 Kunstspaziergänge in München Freiluft-Tickets zur Kunst

Wenn wir uns mit Kunst beschäftigen, fällt uns schnell auf, dass diese nicht bloß auf Leinwänden, eingeschlossen in Rahmen oder in schicken Ateliers stattfindet. Oft gleicht das Gebäude einem standhaften Kunstwerk oder die Installation, in der jenes Bild seinen Platz wiederfindet; oft begegnen wir der Kunst auch mehr auf subtiler Ebene, zum Beispiel bei einem Spaziergang durch die Münchner Straßen. Sobald wir unsere Augen dafür öffnen, fliegen uns die Kunstobjekte quasi wie von selbst entgegen – beim Kaffee trinken, auf dem Weg zur Stabi und beim Radeln zum Flaucher. Fotografien, Malereien, Skulpturen und weitere Installationen schmücken Schaufenster und Wände und laden uns ein, stehen zu bleiben, zu warten, inne zu halten und die kreativen Werke wirken zu lassen. Klingt sehenswert? Dann folgt uns auf der Tour zu sieben Freiluft-Kunstschauen in unserer Lieblingsstadt.

© no depression room
© no depression room
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Dachauerstraße 157

no depression room

Kontakt Dachauer Straße 157, 80636 München
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Zwischen Betonklotz und Betonklotz entdecken unsere geschulten Kunst-Augen einen Farbtupfer: Die Schaufenstergalerie no depression room sorgt seit Ende vergangenen Jahres für stillen Applaus an der Dachauerstraße 157. Die Kunstpädagogik-Studentin Marlene Meier entwickelte das Projekt für junge Künstler*innen aus München, die (unter anderem) bis dato keine Fläche für ihre Werke besaßen. Um den begeisterten Publikum und Nachbarn ein abwechslungsreiches und buntes Angebot zu liefern, wechseln die Kunstschauen im Wochen-Rhythmus. Wie es zu dem Namen kam? Für Marlene ist es ein “Aufruf, Abwechslung in den lahmen Corona Alltag zu bringen” – und natürlich der Kunstszene jene Aufmerksamkeit zu schenken, die sie insgeheim dringend nötig hat.

© wunderland media GmbH
Vom Deutschen Museum zum Tierpark Hellabrunn

Planetenweg

Kontakt Museumsinsel 1, 80538 München
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Habt ihr euch schon mal gefragt, wie lange ein Spaziergang zur Venus wohl dauert? Nein? Wir auch nicht. Interessant ist die Planetenwanderung vom Deutschen Museum zum Tierpark Hellabrunn trotzdem. Auf einer Gesamtlänge von 4,5 Kilometer passieren wir die neun zentralen Planeten unseres Sonnensystems – im Maßstab 1:1,29 Milliarden. Startpunkt ist im Innenhof des Deutschen Museums: Hier leuchtet eine große goldene Kugel, die Sonne. Weiter geht es über die Zenneckbrücke und entlang der Isar immer Richtung Süden; es folgen Merkur, Venus, Mond, Erde, Jupiter, Saturn, Uranus und schlussendlich Neptun. Die einzelnen Säulen am Wegrand verraten Wissenswertes über den jeweiligen Planeten und über das Sonnensystem im Allgemeinen. Ein interessanter Streifzug bis zum Tierpark Hellabrunn, dessen besonderes Ziel es ist, uns ein Gespür für Distanzen im All zu vermitteln. 

© Feierwerk
© Matt Wiegele
Farbenladen

Mach, dass es wieder wird

Kontakt Hansastraße 31, 81373 München farbenladen@feierwerk.de
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Bis zum 16. Mai tauchen Betrachter*innen der Rauminstallation “Mach, dass es wieder wird” von Matt Wiegele in ein goldenes Meer ein, das mit seinen Bewegungen auf die unruhigen Zeiten hinweisen und zugleich eine leuchtende Zukunft symbolisieren soll. In der Abenddämmerung schimmern die Rettungsfolien besonders schön und spiegeln einen “warmen, heimeligen, fast schon sakralen Ort, vor dem man einfach mal stehen bleiben und den man auf sich wirken lassen kann” – so der Münchner Artist, der zu einem der Gründungsmitglieder und kreativen Köpfe von unitedskateboardartists/USBA zählt. Zu sehen ist sein Licht-Kunstwerk im Farbenladen, ein Projekt von Feierwerk, das jungen Kunstschaffenden ein Schaufenster, Forum und eine Verkaufsfläche bietet. Junge Kreative aus allen Bereichen sind vertreten: Bildhauerei, Malerei, Fotografie, Videokunst, Digital Art, Streetart und Modedesign.

© wunderland media GmbH
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Maxvorstadt

Lost Weekend

Kontakt Schellingstraße 3, 80779 München
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An der Fensterfassade des beliebten Uni-Treffpunkts sind seit geraumer Zeit regelmäßig wechselnde Kunstobjekte zu bewundern. Aktuell sind vier unterschiedliche Werke ausgestellt, die Namen der Künstler*innen stehen gedruckt links in der unteren Ecke der Scheibe. Angepasst an die Umstände hat sich das Lost Weekend kurzerhand in eine Corona-Schnelltest-Station verwandelt. Auf schaumigen Hafermilch-Cappuccino, das Stöbern durch ausgefallene Magazine und prickelnden Aperol Spritz – also all die Dinge, die es im Normalbetrieb hier gibt – müssen wir wohl erst mal verzichten.

© Urbane Gärten
Petuelpark

Facettenreiche Skulpturenkunst

Kontakt Klopstockstraße 10, 80804 München

Abseits des Stadtdschungels – zwischen den Vierteln Milbertshofen und Schwabing – liegt der Petuelpark, eine 7,4 Hektar große Fläche mit bunten Gärten, gemütlichen Holzbänken und vielerlei Kunstobjekten. 2005 begann das Kunst- und Kulturprojekt als Gemeinschaftsarbeit der Landschaftsarchitekten Jühling & Bertram, dem städtischen Baureferat, der Kunstkommission und dem Künstler Stephan Huber. Mittlerweile sind 13 Werke auf dem Gelände zu besichtigen; darunter ein Periskop von Bogomir Ecker, sieben singende Stühle von Rodney Graham, ein in grünes Glas getauchtes Gebilde von Raimund Kummers und ein Lichtkunstkonzept von Dietmar Tanterl, in dem der Künstler 70 Edelstahlstehlen mit integrierten Autoscheinwerfern verbaute. Neben dem Skulpturen-Parcours beheimatet der Park einen Wasserspielplatz, Kinderspielplätze, verschiedene Themengärten – darunter der Generationengarten des Münchner Architekten Uwe Kiessler – und das künstlerische Petuelcafé.

© Marlene Thiele
All Over Minga

MUCA on tour

Kontakt Hotterstraße 12, 80331 München
Öffnungszeiten Mo:10:00-20:00 Di:Geschlossen Mi-So:10:00-20:00
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Das MUCA zählt zu einem der herausragenden Orte, an dem wir urbane und zeitgenössische Kunst beobachten können. Kreative Gestaltungen finden aber nicht nur in den künstlerischen Räumen in der Hotterstraße statt: Das Museum befürwortet die Devise, die “Kunst dorthin zu bringen, wo sie nicht erwartet wird”. Sprich: Wir entdecken zahlreiche Kunstobjekte auch an einzelnen Orten der Stadt. Gefördert wird die freie Straßenkunst durch das Projekt MUCA on tour, das im Jahr 2013 startete. Zum Beispiel haben die Künstler*innen L.E.T, Herakut, Case, RONE und die Kreativen von Klebebande Berlin die Brückensäulen am Candidplatz mit ihren gesprayten Illustrationen signiert. Des Weiteren tragen die Fassaden des Le Méridien (Bayerstraße 41), des BOLD Hotels (Lindwurmstraße 70A) und des Süddeutsche Zeitung Verlags (Hultschiner Straße 8) bunte und ausgefallene  Motive des MUCA.

Für mehr Informationen zu MUCA on tour und eine gesammelte Übersicht aller Standorte schau mal auf die MUCA Website.

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All Over Minga

Graffiti Kunst

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Die größte Freiluft-Kunstschau ist ohne Zweifel die Street Art mit ihren verspielten Graffiti-Elementen, plakativen Bold-Schriften und leuchtenden Farben. Bereits in den 1970er-Jahren entdecken schaulustige Passanten die ersten Spray-Werke in München, Tendenz steigend. Einige unserer liebsten Stationen “residieren” in den Unterführungen am Isarufer (Luitpoldbrücke beim Friedensengel, Brudermühlbrücke), an den Außenwänden am Schlachthof (Gelände entlang der Tumblinger- und Zenettistraße) und an den Studentenbungalows im Olympiadorf. Außerdem glänzen das gesamte Areal des Bahnwärter Thiel, des Werksviertels und die Anlage gegenüber des Giesinger Grünspitz in kunterbunten Motiven und Farben. Unverkennbar ist auch das 13 mal 15 Meter große Motiv von Shepard Fairey in der Landshuter Allee 54, der mit seiner Kunst eine klare politische Botschaft an die Ölindustrie sendet sowie der gemalte Specht des Künstlers Ericailane an der Tulbeckstraße im Westend. Einen tieferen Einblick in diesen Entstehungsprozess sowie eine gesammelte Übersicht aller Street Art Hotspots liefert die Map von Positive Propaganda. Damit beenden wir (vorerst) unseren Kunstspaziergang durch München; bis uns das nächste Gestaltungs-Werk entgegen lächelt, dauert es bestimmt nicht lange – unseres offenen Blicks und den eifrigen Künstler*innen sei Dank!

Mehr Kunst und Kultur in München entdecken? Here you go!