Tom Novy Sound of Munich #17: Heimatverbundener Globetrotter und Familienmensch

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Geboren in Kaufbeuren hat Tom Novy sein halbes musikalisches Leben in München verbracht. Seinen internationalen Durchbruch erlebte er 1996 mit dem Titel “Superstar”. Er produzierte für Größen wie die Backstreet Boys, Moonbootica oder Justin Timberlake. Aber auch als Moderator war Novy bei MTV Germany und Pro Sieben zu sehen, im Radio ist er jeden Donnerstag auf 95.5 Charivari mit seiner eigenen Show zu hören. Ein musikalischer Allrounder aus unserer Lieblingsstadt also –  da blieb uns natürlich nichts anderes übrig, als mal genauer nachzuhaken…

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Jeden Donnerstag "Die Tom Novy Show", 20 bis 22 Uhr und danach "Der Tom Novy Mix" 22-24 Uhr auf Charivari 95.5.
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Familie vor Karriere

„Es gab immer wieder Zeiten, da hatte ich die Schnauze voll und wollte weg. Hab ich dann auch gemacht – aber München ist meine Heimatstadt“, erklärt Novy mit ernstem Gesichtsausdruck, die Arme verschränkt. Es fühlt sich fast wie eine Hassliebe an, von der Novy erzählt. Und die kann nur jemand haben, der alle Höhen und Tiefen in einer Stadt erlebt hat. Er sei hier verwurzelt, sagt Tom. „Meine Mama ist hier, meine Schwester auch, ich bin Doppelopa bei meiner Tochter und alleinerziehender Papa bei meinem Sohn“, erzählt er. Dazu ist Tom Novy glücklich verlobt. Jetzt geht er nicht mehr weg aus München, stellt er lachend klar. Über seine Rolle als alleinerziehender Vater sagt er, dass man sich vielleicht beruflich ein bisschen einschränken muss. Mal am Wochenende nach Brasilien oder Asien fliegen, das ginge nicht mehr. Aber er ist glücklich mit der Entscheidung, sieht seine Berufung jetzt woanders und so langsam hat  es ihn auch gestört, 20 Jahre aus dem Koffer zu leben.

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Von München in die Welt

Und sogar auf mehr als 20 Jahre Karriere kann Tom Novy mittlerweile zurückblicken. Aufgewachsen ist er bei seiner Mutter. Als sie hörte, dass er DJ werden will, war sie sehr besorgt. „Damals war DJ sein ein Hobby“, schmunzelt Novy. Mit 19 Jahren machte er dann seinen ersten Plattenladen in der Münchener Ehrengutstraße auf, das Startkapital kam trotz allem von seiner Mutter. Und die ist heute sehr stolz, erzählt er. Und stolz ist er auch auf seine eigenen Kinder – auch wenn er oft für sie kämpfen musste. Seine schwere Scheidung und die Zeit in der Schweiz habe ihn sehr verändert. Heute sagt er, dass man eben nicht aus Siegen, sondern aus Niederlagen im Leben lernt. Und das Leben lernen, das musste er überall. Ob auf Ibiza, in den USA oder in England – Novy hat seine Erfahrungen gemacht und ist sich heute sicher: Deutschland ist eine Neidgesellschaft. In England würde man in den Himmel gehoben. Nach dem Motto: Schau mal einer von uns hat so viel Erfolg. „Hier bist du immer gleich ein Kommerz-Kasper. Du läufst im Radio, du bist scheiße“. Das sei spätestens so gewesen, als seine Single „Superstar“ 1996 in 18 Ländern in die Top Ten der Charts gegangen ist. 

„Man darf sich nicht verbiegen und muss tun, was man von sich erwartet“

Sein Stil prägte sich schon früh. Er war immer der „housige, souligere,  poppigere“, wie Novy sagt. Aber als Kind wurde dann doch gerne mal „I Was Made For Loving You“ von Kiss mitgesungen. Und für sein Können hat er hart gearbeitet: Als er sich endlich die legendären Technics Plattenspieler leisten konnte, übte er drei Stunden am Tag mixen und scratchen. Einen ähnlichen Eifer würde er sich auch bei der heutigen Generation wünschen. Die hängen seiner Meinung nach zu oft zu Hause oder am Handy rum. „Youtube-, Instagram oder TikTok – statt rauszugehen und zu tanzen“ – ärgert er sich. Wenn es um Werte geht, dann ist Tom Novy traditionell eingestellt. Er schätzt Ehrlichkeit, Direktheit, mag keine Pauschal-Urteil – auch nicht in der Musik. „Ich habe das Schubladendenken so satt, der eine ist nur Techno, der andere ist nur Elektronika – Musik ist Musik.“ Er sei sich sicher, dass der eine oder andere internationale Techno-DJ schon mal im Auto zu einer Nummer von David Guetta mitgesummt hat. Aber das würde nicht in die Maskerade passen, schmunzelt Novy. Überhaupt findet er, dass sich die Technoszene in den letzten Jahren kaum entwickelt hat. Es gäbe mehr weibliche DJs und das sei auch gut so. Aber ihm fehlt der Wiedererkennungswert der Künstler. „Das ist alles ein bisschen Banane geworden“, kritisiert er und sieht Parallelen zur EDM-Szene. „Jetzt müssen sie auch alle mit einem Privatjet fliegen und brauchen einen großen Auftritt.“ Aber dafür sei Techno nicht entstanden. Seine Musik hat Novy immer nur dann verändert, wenn er etwas Neues machen wollte. Klar habe es auch Leute gegeben, die seinen Stil verändern wollten. „Aber man darf sich nicht verbiegen und muss das tun, was man von sich erwartet.“ Nur das mache einen Künstler glaubhaft, nicht etwa sich ständig nach einem Trend in der Musik zu richten.

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„Pandemie Pop“ – statt Lockdown Langeweile

Kein neuer Trend, sondern eher die einzige Möglichkeit sind seit Corona Livestreams. Am Anfang hat Novy dabei sehr viel ausprobiert, gleichzeitig „gings aber auch oft ins Studio“. Und so entstand dann ein neues Album unter dem Arbeitstitel „Pandemie-Pop“. Es sei alles „viel weniger melodiös und weniger clubaffin“ geworden. Und so setzte er sich ans Songwriting, schrieb Balladen, machte einen Remix von den Sugarbabes. Novy Fans können sich vermutlich bald auf das poppige Album freuen. Gleichzeitig erschien vergangenen Sommer auch ein Remake von seinem Song „Superstar“, produziert von DJ Antoine. Eigentlich sei er kein Freund davon, „sein altes Zeug zu feiern“, sagt er lachend. Aber Konrad (DJ Antoine) und er seien schon lange befreundet. „Er wollte den Track unbedingt machen, ich fand es eigentlich zu schade, das ging zwei Jahre hin und her.“ Dann schickte DJ Antoine ihm ein neues Layout mit einer neuen Sängerin, Novy war einverstanden und machte dazu einen „deeperen Mix“ im Novy-Stil. Der Titel startete international richtig durch, vor allem in Italien war er wochenlang in den Top Ten der Charts. Brandneu erschienen ist auch der Remix von Tom Novy und Dan Le Blonde – „Let’s Dance“. 

Einer, der gerne arbeitet – keiner, der sich oft beklagt

Tom Novy jammert nicht, obwohl ihm wie allen Künstlern im Moment fast alles fehlt, was seinen Beruf ausmacht. Im Gegenteil, er hilft an anderer Stelle. Seine Verlobte Bella Colak hat ein Golfrestaurant, das Bella Mondo in Höslwang. Novy verbringt durch Corona noch mehr Zeit dort, arbeitet als Kellner. Und wie er scherzt, hat er es mittlerweile zum Oberkellner gebracht. „Momentan arbeite ich daran, mich zur Geschäftsführung hochzuschlafen“, lacht er. Er erzählt glücklich von einem wunderschönen Sommer im Restaurant, fern von all den Zukunftssorgen in der Musikbranche. Aber einen Appell hat er dann doch noch: Er wünscht sich, dass mehr Menschen auf die Not der vielen Künstler in der Krise aufmerksam machen. „Die elektronische Musikszene hält sich außen vor. Leute, die Reichweite haben, könnten damit mobilisieren – ein Statement ist angebracht!“

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