Stefanie Raschke Sound of Munich #16: Elektronische Sounds mit ganz viel Gefühl

Was hört ein DJ eigentlich privat? So ganz ohne Turntables, zu Hause auf der Couch oder unterwegs in der Bahn? Die Antwort: Noch viel mehr Musik als ihr eigentlich denkt. Zumindest ist es bei Stefanie Raschke so: Das Multitalent ist DJ, Model und Geschäftsfrau – und hat uns aus ihrem facettenreichen Leben erzählt.

Stefanie in Action!

„Eigentlich bin ich gar nicht Techno“

Schon früh kommt die gebürtige Rheinländerin mit Musik in Berührung, als Kind lernt sie Klavier und eifert damit ihrem musikalischen Elternhaus nach. In ihrer Jugend hört sie bereits Hits aus dem elektronischen Bereich, damals aber noch eher „Snap!“ mit „Rhythm is a Dancer“, wie sie erzählt. Später hat sie dann eine French-Pop Phase mit Bands wie „Justice“. Was sie schon immer sehr gerne hört: Filmmusik. Denn „die kann die Gefühle so richtig transportieren“, sagt sie. Und dieses Leitmotiv hat sie von Anfang an auch in ihrer Form von Kunst aufgegriffen – ihre Mission ist es, Gefühle, Stimmungen und Atmosphäre zu transportieren. Und so ist ihre Musik manchmal düster und sphärisch, kann aber auch kraftvoll und energetisch sein. Wie man das dann ganz genau nennt, schwer zu sagen, meint sie. „Eigentlich bin ich gar nicht Techno“, aber Beschreibungen zwischen „Progressive House“ und „Melodic Techno“ würden schon hinkommen, auch wenn ihr selbst die Kategorie nicht so wichtig ist.

Der Sprung ins kalte Wasser wird zum Karrierstart

Dass sie einmal beruflich hinter „den Decks“ steht, hat sie am Anfang aber auch nicht gedacht. Gegen Ende ihres Studiums beginnt sie mit 23-Jahren mit dem Dj-ing, wird schnell besser und dann plötzlich ins kalte Wasser geworfen. Beim sogenannten „Wannda-Zirkus“ darf sie auftreten, eine Veranstaltungsreihe, die von Münchnern gegründet wurde, um nach eigener Aussage „Offenheit gegenüber jeglicher Form von Kunst“ zu ermöglichen. Es wird das Sprungbrett für sie und öffnet Tür und Tor – erst in München, dann in Augsburg und Wien und schließlich deutschland- und europaweit. Erst als sie merkt, dass „sie davon leben kann“, macht sie die Musik zu ihrem Beruf. Heute ist Stefanie Raschke eine der Residents des Harry Klein und wird in vielen Ländern dieser Welt gebucht. Eine ihrer Reisen brachte sie unter anderem nach Bogota. 2018 machte sie dort halt auf ihrer kleinen Kolumbien-Tour und war direkt begeistert, wie sie empfangen wird. „Die Menschen dort lieben Tech-House und da passt man sich dann ein bisschen an“, sagt sie. Überhaupt feiern die Leute dort „eher ausgelassen“. Mehr Fan-Charakter sei dabei und man müsse auch für das ein oder andere Foto extra zur Verfügung stehen. Aber die Herzlichkeit und die Energie auf der Tanzfläche wird sie wohl nie vergessen. Dabei entstanden ist unter anderem ein Set, dass bis heute auf Soundcloud zur Verfügung steht.

Corona stellt auch ihr Leben auf den Kopf

Wie für viele hat die Corona-Pandemie auch Stefanie Raschkes Leben auf den Kopf gestellt. Ausbleibende Aufträge, die Sorge um die Zukunft und die quälende Frage, wann sie ihrem Beruf wieder in vollem Umfang nachgehen kann. Natürlich hat auch sie in diesem Jahr viel Musik produziert, sagt sie, sei aber einfach dabei „ein bisschen perfektionistisch veranlagt“. Und so habe sie nicht ganz so viel veröffentlicht – kommt aber bald, beruhigt sie. Und für neue Kooperationen auf musikalischer Ebene ist sie außerdem jederzeit offen.

Die Flucht nach vorne: Ein Start-Up

Durch Corona konnte sie sich aber auch anderen Projekten widmen und ihre freie Zeit anderweitig investieren: Sie wird Startup-Gründerin. Mit einem guten Bekannten, von dem auch die Idee kam, betreibt sie nun einen Online-Store mit nachhaltiger Mode und Artikeln für zu Hause. „saubableim.de“ heißt die Plattform und setzt sich neben Fairness und Nachhaltigkeit für Artenschutz- oder Naturschutzprojekte in der Alpenregion ein. Eine Projekt, in dem sie ihre Kreativität mit ihren Fähigkeiten verbinden kann. Stefanie zeichnet und designt gerne, das Know-How für den Online-Shop hat sie aus ihrem Studium „International Management“.

Mode von Sauba Bleim.
© Sauba Bleim

Bye Munich, hey Berlin

Nach München kam Stefanie durch ihr Studium, ist aber mittlerweile nach Berlin weitergezogen – nicht ohne ihrer alten Heimat immer wieder einen Besuch abzustatten, egal ob beruflich oder privat. Warum es sie nach Berlin gezogen hat? – Weil „die Szene eben dort größer ist“, erklärt Stefanie. „Es gibt einfach viele Kreative: Produzenten, Djs, Künstler“ – ohne dass sie dabei München hinten anstellen will. Aber in der bayerischen Metropole sei die Szene doch einfach kleiner. Was nicht heißt, dass Stefanie nicht auch in Zukunft wieder ihren Lebensmittelpunkt nach München verlegen könnte, „denn wie die aussieht“, sagt sie mit einem Lächeln, weiß „im Moment sowieso niemand“.

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