Mathilde Westend

Mathilde WestendDas zauberhaft-winzigste Theater Münchens

Ganz großes Theater braucht nicht viel. 15 Quadratmeter und 17 Klappstühle reichen locker. Das zeigt das Zimmertheater Mathilde Westend in der Gollierstrasse seit über vier Jahren. Allerdings braucht es dafür auch eine Frau wie Theresa Hanich, die als Theater und Filmschauspielerin den Theaterbetrieb komplett in die Hand nimmt - und natürlich eine Menge Mut. Entstanden ist so ein Unikat -  jenseits von Prunk und Protz - wo Theater einfach wunderbar menschelt und ans Herz geht.

Mathilde Westend, Geheimtipp München, Theater

Theresa Hanich in ihrem winzigen Theater © Geheimtipp München

Aus der Not wurde eine Tugend

Entweder man sitzt im Theater Mathilde in der ersten oder in der zweiten Reihe. In der ersten ist Vorsicht geboten - muss man doch darauf achten, den Schauspielern kein Bein zu stellen. Aber so ist das eben in einem Theater, das in Sachen räumliche Größe von den meisten WG-Zimmern in die Tasche gesteckt wird. Dafür erlebt jeder Besucher in dieser besonderen Location das Theaterspiel aber wortwörtlich hautnah. Das alles war so eigentlich nie geplant, sondern ist eher eine klassische Tugend, die Theresa Hanich aus der Not gemacht hat. Und zwar als sich ihre Tourneetheatergruppe vor einigen Jahren trennt und sie auf einmal mit einem unbenutzten Raum im Westend dasteht.

Kinly Boys, Menage Bar, Glockenbachviertel, München, Geheimtipp München

Hier dürfen alle in der 1. und 2. Reihe sitzen © Geheimtipp München

Erfolgreiches Multitalent

Aus der Not heraus entwickelte sie ihre eigene Mini-Bühne innerhalb weniger Jahre zu einer festen Institution der Münchner Theaterszene. Stolz kann Theresa nun berichten, dass Ihr Theater eine Auslastung von 98 Prozent hat – also eigentlich immer ausgebucht ist.  Dafür musste sie neben all den Theater- auch in andere Berufsrollen wachsen: Heute ist sie nicht nur Schauspielerin, sondern auch Regisseurin, Bühnenbildnerin, Maskenbildern, Intendantin sowie Marketing- und Pressefrau in einem - und irgendwie auch noch viel, viel mehr. Aber genau das mache für sie den Reiz aus, erzählt uns Theresa mit glänzenden Augen. 

Theaterstücke von Frauen geschrieben

Und so sucht sie auch immer die passenden Stücke aus. Alle Stücke eint, dass sie von Frauen geschrieben wurden. Das Ensemble besteht meist aus Theresa. Punkt. Aber manchmal auch noch aus einer zusätzlichen Person. Trotzdem können die Stücke dieses weiblichen Literaturtheaters nicht groß genug sein. Aktuell steht Jane Eyre auf dem Programm. Nur eben in einer Zwei-Personen-Adaption. Und die funktioniert wunderbar, wie wir an einem besonderen und unterhaltsamen Abend in Münchens kleinstem Theater erleben dürfen.

Mathilde Westend, Theater, Geheimtipp München

Jane Eyre in einer Zwei-Personen-Adaption © Geheimtipp München

Intim, emotional und zauberhaft

Es offenbart sich uns der Charme vom Mathilde-Westend: Wenn nämlich der 700-Seiten-Roman in 90 Minuten mit zwei Personen auf wenigen Quadratmetern Bühne inszeniert wird, muss vieles anders laufen als in "typischen" Theatern. Da fungiert die Haustür als Requisite, der Kostümwechsel passiert ein paar Zentimeter vom Zuschauer entfernt. Es ist alles eben viel intimer - die Emotionen der Schauspieler berühren viel direkter und selbst auch die der anderen Zuschauer nimmt man unmittelbar mit auf. Im Mathilde Westend schauen sich die Zuschauer nämlich auch an. Ach, es ist uns ein wenig magisch zumute, als wir da so in der ersten Reihe sitzen... Diese kleine Reise in diese ganz besondere Kulturlocation können wir euch also einfach nur empfehlen. Es gibt so wenig Räume in München, die grundsätzlich "nur" aus den zwei Hauptzutaten erbaut wurden: Phantasie und Kreativität. Und diese Rezeptur trifft uns eben immer direkt ins Herz. 

Mathilde Westend, Theater, Geheimtipp München

Die inspirierende Powerfrau in ihrem winzigen Reich © Geheimtipp München

Mathilde Westend, Theater, Geheimtipp München

Kleines Schild, großartige Inszenierung © Geheimtipp München

Mathilde Westend, Theater, Geheimtipp München

Das Motto des Theaters © Geheimtipp München

Bilder von Frank Achim Schmid für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Henrike Hegner

Lebe Dein Ändern! Henrike hat es irgendwann aufgegeben, „nie“ zu sagen. Immer dann, wenn etwas unbekannt, irritierend oder anders ist, ist das Nordlicht mit vollem Herzen dabei – oft zu ihrer eigenen Überraschung. Feinste Künste und letzter Trash können sie gleichermaßen begeistern. Nervös wird sie nur, wenn die Flasche Cola nicht in Griffweite ist.