Dreißig Grad, ein Donnerstag im Juni und die Türen des Goldenen Reiters sind noch geschlossen. Davor wartet Alba – gut gelaunt und mit einem Lächeln. Für die Münchner DJ ist der Club weit mehr als nur ein Veranstaltungsort: Hier hat sie schon viele emotionale Momente erlebt. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Weg in die Clubszene, den Herausforderungen des DJ-Alltags und davon, warum München oft unterschätzt wird.
Musik war schon immer ein reisiger Teil von mir. Ich war schon immer die Person, die Playlisten erstellt und auf Partys mit Spotify Skip and Repeat , Übergänge gemacht hat . Mein bester Freund war damals schon DJ und meinte irgendwann: „Du musst das unbedingt ausprobieren.“ Er hat mir den letzten Schubs gegeben. Ich hatte wahnsinnig schnell Spaß daran – und seitdem hat mich das Auflegen nicht mehr losgelassen. Mittlerweile mache ich das seit acht Jahren.
Mein Künstlername ist tatsächlich Alba. Quacksalba ist nur mein Instagram-Name. Der ist auf einem Festival entstanden. Ich hatte erzählt, dass ich einen neuen Accountnamen suche, und jemand meinte: „Es gibt doch das Wort Quacksalber.“ Also jemand, der viel Unsinn erzählt. Ich musste lachen und dachte: Passt eigentlich ganz gut zu mir – manchmal rede ich wirklich ein bisschen Stuss.
Als DJ heiße ich aber Alba. Das musste ich auch schon öfter klarstellen, weil Veranstalter aus Versehen „Quacksalba“ auf Flyer geschrieben haben. Alba ist ein Name, den ich nicht oft höre. Ich fand ihn besonders genug und irgendwann war er einfach überall etabliert.
Ich glaube, die Leute fanden es gar nicht unbedingt kritisch – sie haben es nur oft nicht als richtigen Beruf gesehen. Ich arbeite ja zusätzlich noch als Popjournalistin, DJing ist also nicht mein einziger Job. Trotzdem gab es immer wieder Gespräche, in denen gefragt wurde: „Das ist doch eigentlich nur ein Hobby. Warum ist dir das so wichtig?“ Gerade am Anfang kamen auch mal spöttische Kommentare wie: „Die Alba ist jetzt DJ.“ Inzwischen hat sich das aber komplett verändert. Heute nimmt mein Umfeld das ernst und sieht, dass das mehr ist als nur ein Hobby.
Weil ich das gar nicht möchte. Natürlich bekomme ich regelmäßig Anfragen, aber man muss ehrlich sein: Wenn man nicht zu den ganz Großen gehört, steckt im Club-DJing einfach nicht besonders viel Geld.
Ich sage das auch immer in meinen Workshops. Das Geld verdient man eher bei Markenveranstaltungen oder Hochzeiten als in Clubs. Viele Clubs haben momentan schlicht nicht die finanziellen Möglichkeiten.
Außerdem liebe ich meinen Job als Journalistin. Er gibt mir Sicherheit – und die Freiheit, Gigs auch mal abzulehnen, wenn sie nicht zu meinen Werten passen oder ich einfach keine Lust darauf habe.
Ja, grundsätzlich schon. Trotzdem wägt man jedes Angebot ab. Es gibt Gigs, die kaum Geld bringen, aber wichtig für Netzwerke, Kontakte oder Reichweite sind. Man überlegt also immer: Warum lohnt sich dieser Auftritt für mich?
Die gibt es tatsächlich zwei- bis dreimal im Jahr. Ich glaube, das kennen viele Menschen, die kreativ arbeiten. Man zweifelt immer wieder an sich.
Social Media macht das nicht leichter. Man vergleicht sich ständig und vergisst dabei, was man selbst schon erreicht hat. Dann sieht man jemanden, der durch ein virales Video plötzlich weltweit gebucht wird, während man selbst seit Jahren dafür arbeitet.
Deshalb muss ich mich immer wieder daran erinnern: Jeder Weg ist anders. Man muss nicht jede Woche drei Gigs spielen, um erfolgreich zu sein. „Slow but steady“ – das ist etwas, das ich mir selbst immer wieder sage.
Die Entscheidung hatte ursprünglich gar nichts mit dem DJing zu tun – sie hat meiner Karriere aber im Nachhinein sehr gutgetan. Auch weil es nicht so viele DJs in der Szene gibt, die so spielen wie ich. Aber die Entscheidung war eine ganz banale: mein Bruder ist aus seiner Wohnung ausgezogen und meinte, ich könnte einziehen. Gleichzeitig war mein Job beim Bayerischen Rundfunk ohnehin in München. Vorher bin ich immer von Nürnberg aus gependelt. So hat sich alles perfekt ergeben. Heute bin ich seit fünf Jahren hier, habe meine Agentin kennengelernt und konnte mir mit dem Kollektiv ,,Goodies“ ein richtig gutes Standbein aufbauen.
Ich finde schon, dass München feiern kann. Die Art zu feiern hat sich nur verändert. Gerade die Gen Z trinkt oft weniger oder geht seltener aus – auch, weil vieles einfach zu teuer geworden ist. Das ist eine Herausforderung für die Clubkultur.
Mit unserem Kollektiv ,,Goodies“ veranstalten wir hier im Goldenen Reiter regelmäßig Partys. Da merke ich jedes Mal, wie groß das Bedürfnis ist, loszulassen und den Alltag für ein paar Stunden zu vergessen. Viele behaupten, die Münchner Crowd sei schwierig oder tot. Das habe ich so nicht erlebt. Es kommt total darauf an, wen man erreicht und wie man eine Party gestaltet.
Ich finde, München macht den Einstieg vergleichsweise leicht. Es gibt Kollektive wie WUT oder Clubs wie die Rote Sonne, die gezielt Newcomer*innen fördern. Auch wir bei Goodies geben Workshops und versuchen, jungen DJs Möglichkeiten zu bieten.
Als ich nach München gekommen bin, hatte ich gerade einmal drei Jahre aufgelegt und Goodies erst gestartet. Trotzdem hatte ich das Gefühl, offene Türen einzurennen. Ich habe hier viel Unterstützung erlebt und konnte mir Schritt für Schritt etwas aufbauen.
Eigentlich ist jede Goodies-Veranstaltung emotional für mich. Ich kann bis heute kaum glauben, dass ich Menschen zusammenbringe und ihnen genau die Musik zeigen darf, die ich liebe.
Besonders schön ist, dass ich das inzwischen gemeinsam mit meiner besten Freundin Toni mache. Sie ist vor ein paar Jahren eingestiegen und wir organisieren Goodies zusammen.
Ein Moment ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Gegen Ende des Abends spielen wir oft R’n’B und Love Songs, um die Nacht langsam ausklingen zu lassen. Vor ein paar Monaten standen dann drei Paare direkt vor dem Pult, die einfach gottlos rumgeknutscht haben. Das war so ein schöner Augenblick. Toni und ich haben uns angeschaut und waren total gerührt. Da dachte ich: Wie verrückt, dass Musik, Licht und Atmosphäre so etwas entstehen lassen können. Das war für mich ein echter Glücksmoment.
Ich würde sagen, dass ich mich bei ihr ziemlich wohl fühle. Sie strahlt – im wahrsten Sinne des Wortes, weil hier so oft die Sonne scheint. Gleichzeitig kann man unglaublich viel in ihr entdecken.
Klar, manchmal ist sie etwas teuer und macht es nicht jedem leicht, all ihre Seiten kennenzulernen. Aber insgesamt ist sie eine wirklich schöne Stadt mit vielen tollen Eigenschaften.
DJing ist die Liebe meines Lebens. Hinter dem Pult zu stehen, gibt mir eine wahnsinnige Freude, Befriedigung und macht mich ganz stolz.