Die Küche im Kraftwerk

Die Küche im KraftwerkUrbaner Genießergeheimtipp im Möbelhaus

Ein altes Heizkraftwerk in Obersendling. Bereits vom Südpark aus sehen wir die gewaltigen Türme emporragen. Für viele Münchner ist der Ort vor allem Anlaufpunkt für eine Interieur-Shoppingtour, denn mittlerweile werden hier Möbel in einzigartiger Kulisse verkauft. Was die meisten aber nicht wissen: Auch kulinarisch bekommt man im Kraftwerk einiges geboten. Im vierten Stock gelangen wir in die Küche im Kraftwerk - ein Restaurant, das uns schon beim Betreten durch seinen industriellen Charme und den Imposanten Blick auf der riesigen Dachterrasse ins Staunen versetzt.

In der Küche im Kraftwerk wird geshoppt... © Geheimtipp München

... und geschlemmt. © Geheimtipp München

Fast Food? Nicht hier! © Geheimtipp München

Gemütliche Atmosphäre inklusive entspannte Dachterrasse. © Geheimtipp München

Gerade am Anfang hatten wir mit Klischees zu kämpfen. Die Leute haben ein typisches Möbelhaus-Restaurant erwartet... aber nicht bekommen.

Stefan Scheib, Geschäftsführer der Küche im Kraftwerk

Entgegen aller Klischees

Beim Gedanken an ein Restaurant im Möbelhaus denken wir zuerst an günstige, schnelle Küche  - macht zügig satt, aber eben auch nicht mehr. Vor fünf Jahren eröffnete die Möbelkette Kare ihr fünfstöckiges Einkaufsparadies in dem alten Heizkraftwerk mit dazugehörigem Restaurant, dessen kulinarische Leitung Stefan Scheib und Gerald Fraidl unter ihre Fittiche nahmen. "Gerade am Anfang hatten wir mit Klischees zu kämpfen", erinnert sich Stefan. "Die Leute haben ein typisches Möbelhaus-Restaurant erwartet... und nicht bekommen. Da gab es tatsächlich Leute, die sich darüber aufgeregt haben, dass wir für ein Stück Kuchen drei Euro verlangen. Da wir natürlich hier selber Backen, komplett ohne Fertigprodukte, kann ich das nun wirklich nicht nachvollziehen." Von Anfang an sei für die Macher klar gewesen: Die Küche im Kraftwerk soll mehr sein. Ein Ort zum Wohlfühlen, an dem man qualitativ gutes und zu jedem Zeitpunkt frisch zubereitetes Essen genießen kann. Aber hallo, jetzt wollen wir natürlich probieren! 

Arbeit kann auch Spaß machen. Bestes Beispiel: Restaurantchefs Stefan und Gerald. © Geheimtipp München

Von Dry Ager bis Veggie Dinner

Beim Blick in die Karte fällt uns auf: In der Küche im Kraftwerk liegt der Fokus auf saisonalen und regionalen Gerichten. Un die gibt's zu fairen Preisen. Vom Frühstück, über die täglich wechselnde Mittagsküche bis zu den selbst gebackenen Kuchen und zu feinen à la carte Abendangeboten. Das Dunkelbiergulasch vom Rind mit hausgemachten Spätzle bekommt ihr für knapp 16€. Die Ravioli mit Waldpilz-Füllung und Nussbutter für 15€. Mit ihrer Karte schafft das Team einen guten Twist zwischen hochwertigen Fleischgerichten, die neuerdings übrigens auch aus dem Dry Ager kommen, hin zu vegetarischen Optionen. Sogar ein kompletten Veggie Menü können wir bestellen. Die Gerichte glänzen zudem durch ihre moderne Umsetzung und nicht zuletzt durch die optisch schöne Präsentation auf dem Teller. Dazu könnt ihr euch einen guten Wein aus dem doch recht üppigen Angebot schmecken lassen. Kulinarische Beratung zu den liquiden Köstlichkeiten natürlich inklusive. Erste Erwartungen von wegen massentaugliche Schnellküche dürften also bei jedem Gast schnell und allem radikal übertroffen werden.

Kampf der Fritteuse!

Die Arbeit verbindet die beiden Restaurantchefs nicht erst seit der Küche im Kraftwerk. Sie lernten sich bereits vorher über ihre Jobs kennen. Stefan hatte schon mehrere gastronomische Projekte für Kare verwirklicht, Gerald arbeitete damals für den Lieferant dieser Gastronomien. Wann immer sich die beiden beruflich trafen, wurden die Gespräche länger. Bald sprachen sie auch generell über die Branche,  darüber was sie gerne anders machen würden und wie das eigene Traumlokal aussehen sollte. Warum nicht einfach die eigenen Ideen auf Papier bringen? Gesagt getan: Das gemeinsame Restaurant wollten die beiden Wahlmünchner großzügig gestalten, mit einer geräumigen, offenen Küche und mit Wohnzimmer-Feeling im Gastbereich. Das Essen: Qualität statt Quantität. Gute Produkte standen auf der Liste der Prioritäten für die beiden gelernten Köche von Anfang an an erster Stelle. "Wir haben zu Beginn den ein oder anderen Kampf mit Küchenkollegen, die es gewohnt sind mit Fritteuse und Co. zu arbeiten", erinnert sich Stefan. "Aber sowas wird's bei uns nie geben."

Schön angerichtet, ist halb gewonnen! © Geheimtipp München

Auf eine passende Weinbegleitung... © Geheimtipp München

... müsst ihr natürlich nicht verzichten. © Geheimtipp München

Wer sich mal richtig was gönnen will: Qualitätsfleisch aus dem Dry Ager. © Geheimtipp München

Jedes Gericht gleicht einem kleinen Kunstwerk. © Geheimtipp München

Zufriedene Mitarbeiter = zufriedene Gäste

Eine Aufgabe, die bei den Machern der Küche im Kraftwerk ebenfalls immer im Vordergrund stand, war es, den Beruf des Kochs wieder attraktiver zu machen - gerade für junge Menschen. Stefan erzählt: "Ich habe am eigenen Leib erlebt, was es heißt in der Gastronomie zu lernen und zu arbeiten." Zwölf bis Fünfzehn-Stunden-Schichten waren für ihn keine Seltenheit. Und auch an Feiertagen habe er sich in der Regel nicht auf eine entspannte Zeit mit family und friends freuen dürfen. "Wir sind einfach davon überzeugt, dass das völlig falsch ist. Wir sind im Jahr 2019 und es geht nicht, dass man heute noch Mitarbeiter drangsaliert oder sie wie ein Schwamm auswringt." Deswegen gibt's für die Angestellten und Azubis in der Küche im Kraftwerk faire Arbeitszeiten, Feiertags hat das Restaurant sogar geschlossen. Schade für uns Gäste, aber wenn's dann beim nächsten Besuch umso leckerer schmeckt, weil der Koch gerne am Herd steht, dann ist uns das wohl auch recht, oder?!

Wir wollen den Leuten da draußen zeigen, was wir für einen geilen Job haben. Es macht unglaublich Spaß als Koch zu arbeiten.

Stefan Scheib, Geschäftsführer der Küche im Kraftwerk

Von Käseträumen und Weihnachtshamsterkäufen

Ausruhen ist beim Kraftwerk-Team aber wirklich nur an den freien Tagen angesagt. Sobald die kreative Küchencrew zusammenkommt, wird ein ordentlicher Pace an den Tag gelegt. Denn: Die Küche im Kraftwerk will sich immer wieder neu erfinden. Gemeinsam entwickeln Stefan, Gerald und Co. neue Ansätze und Ideen. Künftig wollen sie sogar einen eigenen Mozzarella herstellen. "Wir sind eigentlich total gaga und machen einfach worauf wir richtig Lust haben. Das merkt man auch daran, wie wir hier mit der Arbeit umgehen." Gerade weil sie wissen, dass viele Gastronomie Nachwuchsprobleme haben, freuen sich Stefan und Gerald besonders darüber, dass im Kraftwerk alle Spaß bei der Arbeit haben. Und dass jeder Interesse für gute Produkte zeigt. Mittlerweile gibt es sogar einige Partner, auf deren Produkte das Team so sehr schwört, dass sie sie im eigenen, kleinen Restaurant-Store zum Verkauf anbieten. Na, der kommt uns gerade gelegen! Denn mit Omas hausgemachtem Eierlikör, leckeren Gewürzmischungen oder guten Ölen können wir bei unserem Schlemmerbesuch noch schnell die Weihnachtsgeschenkeliste abarbeiten. Fazit: Der Weg nach Sendling hat sich königlich gelohnt - nicht nur für unser eigenes Bäuchlein.

Bilder von Miles Köhler & Thomas Tomski für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt, hat mehr Platz zum Tanzen.