Die Gorilla Bar

Die Gorilla BarZufluchtsort für Neuhausener Nachteulen

Gorillas leben bekanntlich im Dschungel. Die Gorilla Bar auch, sie lebt im Häuserdschungel Neuhausens. Unscheinbar versteckt sie sich zwischen den schönen Bauten der vorletzten Jahrhundertwende und fällt dem zufällig Vorbeilaufendem eigentlich nur dann auf, wenn die Musik mal ein bisschen lauter ist und somit womöglich das eine oder andere Gitarrenriff von Jimmy Hendrix auf den Bürgersteig schwappt. Das passiert dann, wenn Ahmet gut drauf ist. Denn er bestimmt über die Lautstärke der Musik. Glücklicherweise ist Ahmet meistens gut drauf.

Ahmet ist der Besitzer der Gorilla Bar, Barkeeper und Seele des Ladens. Zu ihm kommen die Leute, zu ihm und zu dem, was er geschaffen hat – seine Version eines Wohnzimmer. Von den Wänden grüßen Plakate verschiedenster Musiker, Postkarten aus aller Welt, von Gästen verschickt, die die Gorilla Bar in ihren Herzen in die Welt mitnahmen. Ein Astronauten-Ensemble beschützt die Bar von der Decke herab, ebenso wie Karl Marx und Lenin in Keramik-Büsten-Form vom Tresen her. Auf eine Wand werden Filmausschnitte projiziert. Es gibt eine Art Diskokugel in einem Regal, die ihre Lichtkegel über das Poster von Michael Jackson wandern lässt und eine kubanische Flagge hängt am Himmel über der Bar. Durchgeplanter Style geht anders – Stil geht genau so! 

Ein Wohnzimmer ist in der Regel nicht allzu groß. Gemütlich finden hier knapp 50 Nachbarn, Freunde oder nun-gar-nicht-mehr-fremde Menschen auf Barhockern, Bänken und ein, zwei Sofas in einem Nebenraum Platz. Kuschlig wird’s, wenn mal wieder 100 oder mehr Leute ihren Weg hierher gefunden haben. Dies geschieht vor allem dann, wenn im Rest Neuhausens die Bürgersteige hochgeklappt werden. Dann kommen die, die nicht nach Hause wollen. 

Und wer will schon nach Hause, wenn er statt dessen auch in den sicheren Hafen der Gastlichkeit der Gorilla Bar eingelaufen kann. Irgendwie scheint das manchmal sogar die bessere Version von Daheim zu sein. Denn wer hat im Wohnzimmerschrank schon leckeres Hacker vom Fass, zahlreiche Gin'N'Tonic Sorten oder einen mild-süffigen Whisky-Sour mit Orangenzeste? Die Getränkekarte ist zwar nicht übermäßig umfangreich, doch vollkommen ausreichend. Und Ahmet serviert dir deinen Drink mit einem Lächeln und viel Charme. Frei nach dem Motto: wir machen zwar nicht viel, doch das machen wir sehr gut.

Von Zeit zu Zeit kommen Bands vorbei. Dann werden die Playlisten, die der Chef höchstpersönlich in oft tagelanger Arbeit zusammenstellt, vorübergehend abgeschaltet, und der Barboden wird zur wabernden Tanzfläche. Dann werden die intensiven Gespräche, die diese Bar-Boazn sonst so prägen, vorübergehend auf geschrieene Sprachfetzen reduziert und stattdessen wird mit schwingenden Hüften kommuniziert. Dann wird die Gorilla Bar zu dem, was wir in unserem gepflegten Leben unbewusst und unterschwellig immer vermisst haben und wahrscheinlich immer vermissen werden– zum Partykeller, in dem wir als 18-jährige mit unseren besten Freunden so gefeiert haben, als würde es kein Morgen geben. 

Doch aus Rücksicht auf die Nachbarn, die zu nächtlicher Stunde (unverständlicherweise) manchmal schlafen möchten, hält sich die Anzahl der Partynächte in Grenzen. Dann bleibt die Gorilla Bar einfach das, was sie ist – eine der gemütlichsten Bars Münchens. Dann ist und bleibt sie ein Ort des Gesprächs, der Musik und der einzig sichere Zufluchtsort der Nachteulen Neuhausens. 

Frank Achim Schmidt

Achim, Querdenker und vormals Taxilenker, ist südlich von München groß geworden. Im Grunde in Indien sozialisiert und im Herzen immer noch Weltreisender, durchkämmt er mit seiner Kamera die bajuwarische Landeshauptstadt, auf der Suche nach spannenden Geschichten und Aussichten.