Wohnwelt Vindue

Wohnwelt VindueIndividuelle Lieblingsstücke made in Minga

„My home is my castle“ - ziemlich ausgelutschtes Motto, aber trotzdem zeitlos, weil wahr. Besonders uns Münchnern ist unsere Wohnung heilig - sollte man meinen - denn wir zahlen ja immerhin ein Heidengeld dafür. Umso weniger bleibt meistens für das Innenleben übrig. Da freut man sich doch, wenn der Discounter gegenüber mal wieder günstige Dekokissen im Angebot hat. Oder einen bezahlbaren Duschvorhang, bei dem man nicht das Gefühl hat, man kauft arabischen Damast ein, um ihn danach in der fensterlose Nasszelle vergammeln zu lassen, die man als Münchner liebevoll als „mein Badezimmer“ bezeichnet. Die Produkte des schwedischen Möbelgoliaths kann man ohnehin schon alle - wenn auch nicht mit Handschlag - zumindest mit Namen begrüßen. Denn sie stehen nicht nur in der eigenen Bude, sondern auch in denen von ALLEN Menschen, die man in seinem Leben bisher so kennengelernt hat. Individuell - das wollen wir alle sein. Und wir wollen auch so wohnen.

Diesen Gedanken hat eine Clique aus vier jungen Münchnern weitergedacht, alle ihre Kompetenzen in Sachen Interieur-, Möbel- und Stoffdesign zusammengetragen und einen Shop eröffnet. In ihrem Laden Vindue in der Kazmairstraße bieten die Vier Möbelstücke und Wohnaccessoires an, die individuell sind, aber bezahlbar. Von Vasen und Lampen, über Kissen, Decken und Vorhänge, bis hin zu Klein- und Sitzmöbeln - jedes Teil das bei Phaedra Richter, Anastasia von Spreti, Leo Weber und Sabrina Haugg im Laden steht, hat großes Potential ein Lieblingsstück zu werden. Ein Großteil der Produkte sind es jetzt schon, Lieblingsstücke - nämlich von den Machern selber. „Wenn du einen alten Sessel überarbeitest, aufwertest und neu polsterst, dann fühlst du am Ende doch schon ein Bisschen Abschiedsschmerz, wenn er dann verkauft wird“, erzählt Phaedra, die als einzige im Bunde keine Urmünchnerin, sondern Griechin ist. Ein Zeichen dafür, wie viel Liebe und Mühe das Team in die Stücke steckt.

Skandinavisch und puristisch. Aber mit einer gewissen Wilderess - so beschreiben die Vier Wohnkreativen den Stil von Vindue. „Unsere Muster sind oft clean. Aber dadurch dass wir so viel mit Dekostoffen arbeiten, geht es auch in die bohamian-vintage Richtung“, beschreibt Phaedra. Eine Fusion aus „unaufgeregt“ und „lebensfroh“ also - einn Bisschen so wie die Macher selber. Alle Vier verbindet eine jahrelange Freundschaft. Die sie mit Vindue nun um die berufliche Partnerschaft erweitert haben. „Wir hatten nicht mehr so richtig Lust auf unseren alten Jobs“, erzählt Phaedra, die Grafikerin ist und sich im Team jetzt um die Stoffdesigns kümmert. „Also haben wir überlegt, wie wir unsere Kompetenzen zusammenlegen können, um was eigenes draus zu machen.“

Ob eigene alte Möbel hinbringen und aufarbeiten lassen, oder sich von den Stücken im Laden inspirieren lassen, denen Phaedra und ihre Partner bereits neues Leben eingehaucht haben - beides geht bei Vindue. Dabei sind den Teilen in Sachen Individualität keine Grenzen gesetzt. Die Stoffe - rund 50 an der Zahl - von Baumwolle bis Samt - werden in Farbekombi und Muster von Phaedra entworfen. Möbeldesigner Leo und Sabrina arbeiten die Möbel auf, verändern und kreieren neu - alles mit heimischen Hölzern aus der Region. Anastasia verpasst ihnen mit der passenden Polsterung das I-Tüpfelchen und steht den Kunden als Raumausstatterin bei der Qual der Wahl beratend zur Seite. Dabei ist den Vieren nicht nur die Individualität, der Charakter und die Qualität der Stücke sehr wichtig. Sondern auch die Preisleistung.

Hört sich zwar alles ziemlich teuer an, ist es aber nicht, betont Phaedra. „Es hat uns viel Zeit und noch mehr Mühe gekostet, aber wir haben es geschafft, einen sehr fairen Deal mit unserer Stoffproduktion auszuhandeln.“ Das teuerste Stück, was die Vier derzeit im Laden haben, ist ein wunderschöner Vintage-Sessel für 400 Euro. Eine hübsch aufgearbeitete 1,20 Meter-Bank gibt es für 200 Euro. Bei Wohnaccessoires greifen die Vier auf angesagte Brands, wie Cocoon oder Anatolia Designs zurück. Kissen gibt es ab 50 Euro, Aufbewahrungsmöglichkeiten schon ab 20 Euro. Klar, das sind keine Möbeldiscouterpreise - aber statt 30 Kerzenhalter rumstehen zu haben, kauft man dann vielleicht auch nur den, der es einem so richtig angetan hat, macht ihn zum Hingucker und verpasst dem Wohnzimmer damit eine besondere Atmosphäre. Überhaupt sagt Phaedra, kann man auch mit kleinem Budget in Sachen Wohndesign große Wirkung erzielen. „Man muss nur klug planen. Zum Beispiel eine Farbe herausgreifen, die eh schon im Raum vorhanden ist und die dann an anderen Stellen ebenso platzieren - in den Vorhängen oder Kissen vielleicht. Oder ich verpass dem Sessel eine neue Polsterung und spare mir so ein neues Möbelstück.“ Das gehört übrigens auch zum Service von Vindue - auf Wunsch kommt die Raumausstatterin des Teams auch gerne ins eigene Zuhause und überlegt mit euch gemeinsam, was man mit eurem individuellen Budget so anstellen kann, um den Raum neu beleben.

Und letztlich ist es mit dem Wohnen so wie mit dem Anziehen: Stil war noch nie eine Frage des großen Portemonnaies. Wer das richtige Auge und das richtige Händchen hat, sich das Besondere herauszugreifen, der wird es auch mit einem schmalen Budget immer schaffen, einen tollen und ganz eigenen Look umzusetzen. Umso schöner, das es Läden wie das Vindue gibt, die Wohnkultur auch in einer teuren Stadt wie München erschwingliche machen.

Pics by Nils Schwarz.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.