Was ein Baz!

Was ein Baz!Eine Ode an den Obazda

Für manch einen mag der Name erst einmal merkwürdig oder zumindest ungewohnt klingen. Etwas „Angebaztes“ sollte aber spätestens nach dieser Lektüre nicht zu Nasenrümpfen führen sondern zum Sinnbild für die beste Brezenbegleitung der Welt werden. Ein Biergartenpicknick ohne den Obazda ist wie die Isar ohne Wasser, eine Einöde.

Bei allem Ruhm und aller Ehre, die die bayrischen Biergärten international genießen, gibt es doch wichtige Details, die der unbedarfte Besucher nicht kennt. Diese Wissenslücken gilt es schnell zu schließen, um die wahrhafte Einzigartigkeit unserer Biergartenkultur begreifen und genießen zu können. An erster Stelle dürfte wohl das überraschend häufige Unwissen über die Erlaubnis mitgebrachter Speisen stehen. Was bei manch einem zu Beginn wie eine grobe und geizige Unhöflichkeit gegenüber dem Wirt wirken mag, ist die Quintessenz der Bierbankromantik. Und eben deswegen ist auch das Wissen über den korrekten Füllzustand des Picknickkorbes unerlässlich.

Eben hier schließt sich der Kreis zum Obazda. Ursprünglich wurde diese Rezeptur entwickelt, um verschiedenen Käseresten wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Schnell aber wurde klar, dass diese Geschmacksvereinigung aus reifem Camembert, schaumig gerührter Butter, gehackten Zwiebeln, Salz, Pfeffer, Rosenpaprika, Kümmel und Weißbier eine unwiderrufliche Kreation mit absolutem Kultfaktor werden würde.

Der Ur-Obazda ist gar nicht mal so uralt, wie man denken mag. Erfunden wurde er erst zu Beginn des letzten Jahrhunderts im Jahre 1920 von der Wirtin Katharina Eisenreich, der Wirtin im Weihenstephaner Braustüberl zu Freising. Eine Tradition also, die noch keine Hundert auf der Uhr stehen hat und doch schon als ein Ursprungsbegriff regionaler Herkunft von der EU geschützt wird. Nur was auf bayrischem Boden angerührt wurde, darf sich auch Obazda nennen. Richtig so!

Ein Essen ohne Käse ist wie eine schöne Frau, der ein Auge fehlt.

Jean Anthelme Brillat Savarin

Aber warum lieben wir ihn eigentlich so, den cheezy Bruder unserer geliebten Weißwurst? Wohlmöglich weil Lokalpatriotismus sich auch auf dem Teller ausdrückt. Und weil eben kein anderer Käse - möge er auch noch so famous sein - solch einen famosen Veggy-Sidekick zu unserer reschen Brezn abgeben würde. Darauf a Weißbier! ... Und ein Hoch: Auf den besten bazigen Käse der Welt!

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.