The Lovelace –

The Lovelace –Ganz schön „porno“!

Ein PopUp Projekt von erstmals wirklich beachtlicher Größe wird ab nächstem Monat die Münchner beglücken. Und alle stehen Kopf! Der PopUp Trend ist längst bei unseren Omas angekommen, trotzdem aber noch lange nicht überholt. Der Lovelace-Hype zeigt vielleicht jetzt schon, worauf es ankommt. Es folgt: ein Kommentar.

Vorab kurz die relevanten Eckdaten für euch. Das ehemalige HVB Forum in der Kardinal-Faulhaber-Straße 1, direkt um die Ecke vom Bayrischen Hof, stand leer. Nachdem das Luxushotel erfolgreich gegen die Errichtung eines weiteren Hotels seiner Art klagte, machte sich erst einmal Ideenleere breit. Diese konnte nach Ansicht der Besitzer am besten durch die Lovelace Konzeption mit Leben gefüllt werden: Ein PopUp Hotel beherbergt Bar, Club, Café und Restaurant, das Interieur des Hotels wird im entsprechenden Shop erhältlich sein und die alten Seminarräume launchen Kultur aller Art - Konzerte, Slams, Diskussionsforen etc. Alles abgerundet durch eine Rooftop-Bar.

Die Kommerzialisierung des PopUp Spirits langweilt oder erregt bereits das ein oder andere lokale Gemüt und lässt es zu einem ausgewachsenen Digitaltroll werden. All diesen Hatern sei vorab dreierlei mit auf den Weg gegeben:
1. Die PopUp Idee wurde überhaupt erst entwickelt, um etwas zu verkaufen. (Soviel also zur Kommerzialisierung!)
2. Nur weil EIN PopUp-Konzept lame ist, kann man nicht ALLE Konzepte dieser Art in Sippenhaft nehmen. (alte Anti-AFD Weisheit)
3. Das Lovelace verspricht anders zu werden als alles, was wir vorher gesehen haben. Und letztlich bietet es sich doch an, erst einmal zu warten, was da kommt, bevor man es bewertet. 

Ob das Lovelace seinen Namen von einer gleichnamigen berühmten Mathematikerin, oder aber doch von einer Pornodarstellerin erhalten hat, wird wohl erst einmal offen bleiben. Angelehnt an das jugendsprachlich vom Substantiv zum Adjektiv neudefinierte „porno“, muss es aber wohl letztere Dame sein. Denn das, was uns die Verantwortlichen da in Aussicht stellen, hört sich tatsächlich ziemlich „porno“ an! Auf knapp 5000 Quadratmetern soll ein perfekter Hybrid aus Hotel, Bar, Club, Shops, Diskussionsplattform und generellem Ort für interessante Begegnungen entstehen. Feiern wir das, weil es so verdammt geil nach New York – London – Tokio klingt? Oder feiern wir das, weil es gemessen an Projektgröße und Innovationskraft das Abgefahrenste ist, was München seit langem gesehen hat? Vielleicht spielt beides mit rein.

Wenn man so viel Platz mit Leben zu füllen hat, obwohl man nur zwei Jahre die Lorbeeren ernten darf, dann braucht's Eier!

Der Autor

Vor allem sorgt das Lovelace aber jetzt schon für eine innerstädtische Kulturrevolution, weil es einfach selten Platz für solche Formate gibt und sich jetzt schon absehen lässt, dass da etwas wirklich Neues auf uns wartet. Wenn man aber derart viel Platz mit Leben zu füllen hat, obwohl man nur zwei Jahre die Lorbeeren ernten darf, dann braucht es eine ganze Menge Eier.

Eier, wieso Eier? 5000 Quadratmeter Fläche, ursprünglich konstruiert um den nüchternen Belangen einer Bank, ihrer Kunden und Mitarbeiter gerecht zu werden, zu einem Szene-, Künstler- und Style-Mekka zu verwandeln, schluckt laut Veranstaltern schon einmal knapp eine halbe Million Taler. Und Miete möchte sicher auch noch jemand haben… Ihr wisst ja, was allein euer zehn Quadratmeter WG-Zimmer in beautiful Minga kostet! Und dann lässt sich nach dem ganzen Aufwand nur knapp zwei Jahre Geld verdienen. Also heißt es: mehr als Gas geben! Das meinen wir mit „Eier“. Wer so etwas plant, der traut sich was. Und verdient dafür zumindest ein anerkennendes Nicken. Was wir hiermit imaginär tun. Denn es ist schön zu sehen, dass hier und da auch in München Platz ist für Innovation. Jenseits der Büroneubauten und Zweckarchitektur einer Stadt, die aus allen Nähten platzt. Wir sind gespannt, was uns im und mit The Lovelace erwartet.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.