TamS Theater

TamS TheaterAlles andere als "Der letzte Dreck"

Endlich mal wieder ins Theater! Seit einer traumatisch modernen und unmotiviert nackten Interpretation ihres geliebten „Romeo & Julia“, wagt es unsere Redakteurin lange nicht auch nur einen Fuß in ein Schauspielhaus zu setzen. Umso angenehmer überrascht ist sie schon vom Entree des TamS-Theater im alten Schwabing. 

Wer sucht... © Geheimtipp München

... der findet. © Geheimtipp München

Eine kleine Zeitreise - auf geht's!

Fast fühlt es sich an, als würde man in Alice` Kaninchenbau schlüpfen, wenn man durch den verwinkelten Hinterhof den Weg ins Innere des ehemaligen Schwabinger Brausebads findet. Wo man sich also früher für 10 Pfenning ordentlich abgeduscht hat, finden seit den 70er Jahren regelmäßig skurrile bis eigensinnige Uraufführungen statt. Und auch die bereits wartenden Gäste wirken der Zeit entrückt. Knallrote Lippen, wilde Locken, extravagante Abendoutfits – schnell ist klar, so ein Theater-Abend im TamS ist kein Kinobesuch. Gott sei Dank! Die Bar, von wuchtigen Wasser-Rohren umarmt, spuckt Saftschorlen für zwei Euro und randvolle Gläser Wein aus.  

Ruhe vor dem Sturm. © Geheimtipp München

Bis Ende Mai im Programm: Der letzte Dreck

Vom Paukenschlag ins Jetzt zurückgeholt drängeln wir uns pünktlich um 20:30 im Gänsemarsch in den Nebenraum. Und staunen nicht schlecht. Dass es so etwas wirklich noch gibt. Die Gäste der ersten Reihe könnten ihre Füße bequem auf der Bühne ablegen. Dahinter: noch ganze vier weitere Reihen, hölzern bestuhlt. Pickepacke voll. Und dann geht es auch schon los. Heute und für die nächsten 7 Wochen auf dem Spielplan: „Der letzte Dreck“ – ein äußerst vielversprechender Titel, wie wir finden! Gefüttert werden wir dann aber mit allem anderen, als dem letzten Dreck. Teils hohe Schauspielkunst, viel Augenzwinkern und ertappt fühlen. Gepaart mit einer guten Prise Flüchtlingsthematik. Gekonnt leicht spiegelt das bunte Ensemble den Wahnsinn unserer heutigen Gesellschaft.

Freiluft Theater-Romantik © Geheimtipp München

Komik, Kontraste & Inspiration

Ein König namens Summserum, der so gerne vergöttert würde, ein unglücklich verliebter Marienkäfer, ein versoffener Löwenzahn, ein autoritäres Gänseblümchen, eine Schnecke mit ganz viel Herz und ein ungebetener Regenwurm-Gast nutzen alle Ecken des glitzernden Bühnenbilds, um ihrer Angst vor dem Unbekannten und der neugewonnenen Liebe zur Todesstrafe Ausdruck zu verleihen. Sie springen auf Throne aus Schaumstoffmatten, fallen in einen Mikro-Teich und pellen gekochte Salz-Eier. Viele saftige Schmunzel-Reime, wechselndes Versmaß und das ein oder andere Wort, das unter der Gürtellinie trifft. Man mag von diesem ganzen Theater halten, was man möchte – als inspirierendes Kontrastprogramm zu den gewohnt massentauglichen Serien-Häppchen dient es in jedem Fall. 

Lust bekommen?

Gewinne einen Theaterbesuch

Wer Lust bekommen hat, dem außergewöhnlichen TamS Theater einen Besuch abzustatten, für den haben wir gute Nachrichten: Es gibt 2x2 Freikkarten für die Vorstellung am 25.04.2019 zu gewinnen! Mitmachen könnt ihr bis Dienstag, den 18. April um 16 Uhr. Schreibt uns einfach eine Mail mit dem Betreff "TamS". Viel Glück!

Applaus!

Zugegeben die Luft ist etwas dünn geworden, als die Bühne nach 90 Minuten wieder dunkel wird und der Applaus losbraust (ja, wir sind noch immer im Brausebad). Und damit entlässt uns das TamS-Theater in die plötzlich rüpelhaft wirkende Nacht des 21. Jahrhunderts. 

Hanna Dittmer

Hanna gehört einer selten gewordenen Spezies an: sie ist ein echtes Münchner Kindl. Sie liebt das Klettern, guten Wein und lange Balkon-Abende mit Freunden. Am Wochenende stöbert sie auf Flohmärkten und schlemmt sich durch die Münchner Gastro-Szene.