Tagestrip in die Flößerstadt Wolfratshausen

Tagestrip in die Flößerstadt WolfratshausenEinfach mal los #6

Ab und an überkommt uns das Gefühl, mal wieder raus aus der Stadt zu müssen. Frische Landluft schnuppern, zur Ruhe kommen, die Seele baumeln lassen und Neues entdecken. Mit dem Finger fahren wir über die München-Karte... Mmh, welchen Ort möchten wir denn heute mal entdecken?! Aha, die idyllische Kleinstadt Wolfratshausen! Zwischen Isar und Loisach gelegen ist sie leicht mit der S-Bahn erreichbar und hat zudem die ideale Größe für einen Tagesausflug. Welche Geheimtipps uns in der internationalen Flößerstadt wohl erwarten? Auf geht's, einfach mal los!

Natürlich schön: die Loisach © Geheimtipp München/ wunderland media

Los geht's mit einem spannenden Spaziergang

Wir fühlen uns gleich herzlich Willkommen, als wir uns von der der S-Bahn Station auf den Weg Richtung Stadtkern begeben. Wir entdecken viele Infotafeln, die uns Wanderwege und historische Fakten über Wolfratshausen, die ehemalige Burg und natürlich die Flößerei verraten. Alle Wege und Richtungen sind gut beschildert und so kommen wir auch ohne Karte, Reiseführer und sonderlich gutes Orientierungstalent super zurecht. Wann immer wir doch mal eine Frage haben, erweisen sich die Wolfratshausener als sehr freundlich und helfen sofort. Wohlfühllevel ganz weit oben! 

Stöbern in der Raritätenstube: Alles, außer gewöhnlich

Im Stadtkern, am Anfang der Obermarktstraße, begeben wir uns auf Zeitreise. In der Raritätenstube schlägt jedem Flohmarkt- und Antikliebhaber das Herz gleich höher. Über 7.000 Gegenstände aus verschiedenen Epochen gibt es zu entdecken. Der ökologische Fußabdruck dabei? "Ganz klein", sagt Inhaber Fritz Schnaller. "Wir haben rein gar nichts Neues, sondern nur Restauriertes und Altes hier." Auch Plastiktüten sucht man hier vergebens, stattdessen bekommen wir für unsere Errungenschaften einen nachhaltigen Jutebeutel. Der urige Laden ist mit seinen 40 Jahren auf dem Buckel schon selbst eine Rarität im schönen Wolfratshausen. Unser persönliches Highlight ist aber Ladenbesitzer Fritz Schnaller selbst, der nicht nur mit seiner Ziehharmonika für seine Besucher gerne mal einen aufspielt, sondern auch noch ganz schön viel über sein Wolfratshausen zu erzählen hat. Schließlich war der Antiquitätenhänder auch Vize-Bürgermeister des Städtchens.

Fritz Schnaller spielt auch gerne mal einen auf © Geheimtipp München

Auch von außen eine Rarität © Geheimtipp München

Und jetzt: Ab auf's Floß!

Fritz Schnaller weiß genau, was Wolfratshausen so besonders macht: "Wir haben mit unserer Lage zwischen den Flüssen Loisach und Isar und der Flößerhistorie ein Alleinstellungsmerkmal. Zudem ist unsere 1.000 Jahre alte, gediegene, kleine Stadt sehr bescheiden." Dabei müssten sie das gar nicht sein. Schleißlich ist das Wissen über die Flößerei geschichtsträchtig. Doch was ist eine Flößerstadt überhaupt? Vom 13. bis zum 19. Jahrhundert wurden Flöße auf der Isar als Transportmittel für Personen- und Gütertransporte genutzt. Ein Floß zu bauen, ist gar nicht mal so einfach und erfordert wahre Handwerkskunst und wertvolles Wissen. Dieses wurde über Generationen in den Wolfratshausener Familienbetrieben weitergegeben. Auch heute dreht sich in dem Städtchen noch alles um das hölzerne, flache Boot aus dicken Baumstämmen. Wer Lust hat selbst mal auf einem großen Floß über die Isar zu schippern, kann das in den warmen Monaten tun - 100%ige Gaudi-Garantie.

Am Nachmittag: Burgruinen und Walderlebnispfad erkunden

Die kleinen Wanderwege hinter den schön verzierten Häuschen in der Innenstadt führen zum Areal der ehemaligen Burganlage. Früher thronte oben auf dem Berg die Burg von Wolfratshausen. 1734 schlug ein Blitz in den Pulverturm ein. Die gewaltige Explosion zerstörte die gesamte Burg. Von der Burg können wir leider nichts mehr erkennen, fokussieren uns deshalb einfach auf die wunderschöne Natur um uns herum. Auch für die jüngsten Besucher ist Spannendes geboten. Ein Walderlebnispfad, geleitet von "Lupus dem Wolf" versorgt uns auf 13 Stationen mit spannendem Wissen über unsere Umgebung. Zum Beispiel alle Materialien, die uns der Wald so liefert. Von Papier über Pappe bis hin zu Dachlatten und Korken, ja sogar Fahrradreifen - Bäume sei Dank! Mit jedem Schritt, den wir gehen, werden wir nicht nur entspannter, sondern auch schlauer - yeah! Als dann auch noch die Bergkette vor uns auf einem großen Fotoaufsteller genau erklärt wird, fühlen wir uns doch tatsächlich wie echte Nature-Pros.

Zum Finale: Bayrische Gemütlichkeit im Wirtshaus Flößerei

Das Schönste am Wandern? Für uns persönlich ist das ja das Einkehren am Schluss. Dafür haben wir uns, nicht nur des Namens wegen, für das Wirtshaus Flößerei entschieden. Mit Blick durch die großen Fenster auf die plätschernde Loisach und den Sebastiansteg, machen wir es uns am Tisch bequem. Die Einrichtung: Uriges Bauernhaus mit modernen Elemente. Uns gefällt's. Die Speisekarte noch viel mehr. Ausgewählte bayrische und mediterrane Speisen machen uns das Entscheiden schwer. Wir probieren feine Rinderlende mit Bratkartoffeln und köstliches Hirschragout mit Semmelknödel und sind begeistert. Wolfratshausen schmeckt uns!

Kulinarische Stärkung © Geheimtipp München

Die Entscheidung fällt schwer... © Geheimtipp München

...aber wir haben die richtige Wahl getroffen © Geheimtipp München

Unser Fazit: Öfter mal raus aus der City!

Fühlt sich manchmal ganz schön gut an, dem Großstadtdschungel zu entfliehen. Beseelt, gesättigt und mit neuer Energie machen wir uns am Abend auf den Heimweg - mit der S-Bahn nur knapp 40 Minuten zum Münchner Hauptbahnhof. Wer hätte gedacht, dass ein so kleinstädtisches Paradies auf uns wartet? Wir sind uns auf alle Fälle sicher, dass es nicht der letzte Besuch in Wolfratshausen war. Nicht erst im Sommer, wenn die Flöße wieder auf der Isar schippern und die Sonne unsere Nase kitzelt, kommen wir wieder. Und wer weiß: Vielleicht entdecken wir ja bald schon das nächste Örtchen! Einfach mal los...

Bilder von Murat Kaydirma für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Stefanie Manna

Halb sizilianisch – halb bayerisch: Bei dieser Kombo kann ja nur was Verrücktes rauskommen! Wenn Steffi nicht gerade lacht oder isst, redet sie. Oder macht sich auf die Suche nach neuen Abenteuern. Frei nach Pippi Langstrumpf "Lass dich nicht unterkriegen, sei frech und wild und wunderbar.“ ist Steffi am liebsten mit dem Rucksack auf Reisen. Kommt am Ende aber immer gerne zurück in die Stadt für die ihr Herz schlägt: nach München.