Musik ist etwas Persönliches, etwas sehr Emotionales. Da ist kein Raum für Kompromisse, kein Raum sich zu verstellen. "Im Endeffekt geht es nur um die scheiß Musik, nicht darum, wie du aussiehst und wie du dich stylst", sagt Sophie. Sie sitzt ihrer Schwester Lena gegenüber. Zusammen sind sie Sweet Lemon - und das bereits seit stolzen 8 Jahren. Ihre Band haben die Schwestern mit zwölf Jahren gegründet. Seitdem ist die Musik ihr Lebensmittelpunkt. Wir haben die zwei beeindruckenden und meinungsstarken jungen Frauen besucht und sind hin und weg. Wer ihre Musik noch nicht gehört hat, sollte das unbedingt nachholen. Erst im November 2019 ist ihr neues Album "Lifelong Romance" rausgekommen.

Sophie © Geheimtipp München

Lena © Geheimtipp München

Nachdenkliches Duo - Sweet Lemon

© Geheimtipp München

Das ganze Interview in unserem Podcast

Coole Mädchen spielen Gitarre & Klavier

Wenn Lena und Sophie an ihren ersten Auftritt zurück denken, müssen sie lächeln. "Andere Leute hatten eine Bande, wir haben Musik-Castings veranstaltet", erzählt Sophie. So wie noch heute hat Lena damals Gitarre und Sophie Klavier gespielt. Sie waren gerade mal zwölf Jahre alt, als sie sich beim Stadt-Land-Rock-Festival auf dem Tollwood beworben haben. "Oder besser gesagt, unsere Mutter hat das für uns gemacht," sagt Lena. Davor hatten sie noch nie als Band geprobt. Danach haben sie gleich eine Band gegründet und sich ihren Namen gegeben, mit dem sie noch heute glücklich sind. "Die Alternative damals wäre 'The Cookies' gewesen", erzählen die beiden und lachen. "Außerdem könnte das S von Sweet für Sophie stehen und da L von Lemon für Lena", erklärt Lena. Hinter ihr an der Wand hängt ein kleines, gold-gerahmtes Bild einer Zitrone. Lieder schreiben of Kommando - geht gar nicht, da sind sie sich einig. Die Stimmung, der Moment - es muss passen. Wenn Sophie nachts nicht schlafen kann, kommen ihr manchmal die besten Ideen für neue Songs.

Sweet Lemon

LIVE IM MUFFATWERK

Bitter-süß ins neue Jahr starten. Auf dem Muffat Winterfest, am 03. Januar 2020, spielen Lena und Sophie ihre neuen Songs in wunderbar intimer Atmosphäre, im Muffatwerk. 

Gelegentlich auch mal "zertrennlich"

Wir sitzen in Lenas Wohnzimmer. Draußen ist es kalt. Es gibt Kaffee und Tee. Es ist sehr gemütlich. Lenas rote E-Gitarre steht in der Ecke und vor dem Fenster Sophies Stage-Piano. Lea und Sophie teilen die Musik, die Band und auch den Eingangsbereich, aber nicht die Wohnung. Hinterm Eingang führen zwei Türen in unterschiedliche Wohnungen. So ist man zusammen und doch irgendwie auch für sich. Das scheint wichtig für die beiden, die übrigens oft für Zwillinge gehalten werden. Sind sie aber gar nicht. Sie sind Drillinge. Ihre Schwester, die das Saxofon spielt, wohnt und studiert in Freiburg. Auch Lena und Sophie haben angefangen zu studieren: Lena macht Medien und Kommunikationsmanagement und Sophie Kommunikationsdesign. Seither sehen die beiden sich seltener. Jeder hat sein eigenen Stundenplan und seinen eignen Alltag. 

Von Grenzen und Fortschritt

Sowohl Lena als auch Sophie wählen ihre Worte mit Bedacht, denken immer wieder kurz nach, bevor sie sprechen. Sie hören sich gegenseitig aufmerksam zu. Wenn man schon so lange zusammen Musik macht und sich so gut kennt, wie ist es dann gemeinsam ein Album zu schreiben? "Da geht man an seine Grenzen", sagt Lena. Die beiden ergänzen und pushen sich, sind aber keinesfalls immer einer Meinung. Auch musikalisch entwickeln sie sich aktuell in verschiedene Richtungen. "Lena mag es eher ein bisschen laut und dynamischer, ein bisschen in die Indie-Pop Richtung. Ich mag es eher ruhiger, möchte jeden Akkord wahrnehmen", sagt Sophie. Lena widerspricht ihr nicht. "Manchmal ist es wie in einer Beziehung, in der man an bestimmten Punkten nicht weiterkommt", sagt Lena ergänzend. Sie freuen sich auf ihre gemeinsamen Auftritte mit dem neuen Album, wollen aber auch akzeptieren, wenn jeder sich musikalisch für sich weiterentwickelt. 

Nein zu Bierbänken

Die eigene Musik, die eigene Persönlichkeit kann mit Anfang zwanzig nicht stillstehen. Und Lena und Sophie gehen bewundernswert gelassen damit um, dass es zuweilen auch in verschiedene Richtung gehen soll. "Um dann auch wieder zusammenzufinden", sagt Sophie. Aber ein paar Dinge haben sie zwei Musikerinnen mit den fein geschnittenen Gesichtern schon gemeinsam. Zum Beispiel die Abneigung gegenüber dem Oktoberfest, gegen Frühschoppen. "Vor Bierbänken wollen wir nicht mehr spielen", sagen sie und lachen. "Wir wollen nicht mehr alles machen", sagt Lena jetzt wieder ernst, "denn es geht immer noch um einen selber und man kann sich nicht verkaufen."  Das haben die beiden gelernt. "Wichtig ist immer, dass es Spaß macht und dass man sich wohlfühlt", ergänzt Lena nochmal. In München geht es oft nur darum hip zu sein. Dabei geht die Authentizität verloren. Das ist schade und deswegen ist es auch zäh hier Musik zu machen. Lieber als hippe Cafés gehen die beiden ins Vereinsheim, oder ins Heppel und Etlich - da ist es nämlich authentisch.

Sweet Lemon

Eingespieltes Team © Geheimtipp München

Bilder von Isabella Kloss für Geheimtipp München.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Jennifer Lichnau

Jennys Spiritanimal ist der Dackel. Nicht nur weil sie ein waschechtes Münchner Kindl ist. Sie ist klein, frech und manchmal durchaus hartnäckig. Perfekte Voraussetzungen, um sich in ihrer geliebten Heimat durchzubeißen. Denn München bedeutet für sie nicht nur Spritz in der Sonne trinken. Gott sei Dank! Gerne entdeckt sie neue Ecken der Stadt – ganz abseits von Glanz und Gloria, wie zum Beispiel im Westend – ihrer Homebase. Guter Kaffee ist ihr Lebenselixier, wenn sie also nicht mit einem ihrer Pflegehunde an der Isar ist, sitzt sie wahrscheinlich im Café um die Ecke.