Startschuss für's Münchner Sommertheater

Startschuss für's Münchner SommertheaterZauberhafte Schauspielkunst unter freiem Himmel

Dicke rote Vorhänge, elegante Kronleuchter, pompöse Requisiten und vor allem modernste Bühnentechnik. Was in Theater- und Opernhäusern - auch in München - aufgefahren wird, ist oft sehr beeindruckend. Aber es gibt da eine Gruppe von Menschen, die beweist jeden Sommer, dass gutes Schauspiel solchen Schnickschnack eigentlich gar nicht braucht. Bühnenkunst, die fasziniert und verzaubert - obwohl sie ganz ohne Hilfsmittel auskommt. Oder gerade deswegen. Jetzt im Juli kann man die besondere Atmosphäre des Münchner Sommertheaters im Englischen Garten wieder live erleben - und das sogar umsonst. Zur Einstimmung haben wir das Team um Theaterregisseurin Ulrike Dissmann bei der Generalprobe besucht.

Eine große grüne Wiese, umringt von Menschen und ihren Picknickdecken. Der blaue Himmel strahlt von oben. Das Sonnenlicht fällt genau in die Mitte der Menge, auf den kleinen freien Platz, der etwas tiefer liegt. Das Amphitheater im Englischen Garten ist ein ganz besonderer Ort für Ulrike Dissmann. „Für mich hat dieser Platz einfach einen großen Zauber. Und das sagen auch die Zuschauer“, erzählt die Regisseurin. "Es ist wie als wenn eine Tür aufgeht und du kannst gespannt zuschauen. Wie als wäre man noch einmal ein Kind." Seid 1990 inszeniert und organisiert die Münchnerin das Sommertheater im Englischen Garten - mit einem Stamm an treuen Unterstützern, aber auch wechselnden Schauspielern. Nicht nur Profis dürfen bei Ulrike auf die Bühne, sondern vor allem auch der Nachwuchs. „Wir sind eine Mischtruppe. Manche haben viele Jahre Erfahrung im Theaterbusiness, manche stehen aber auch erst mit einem halben Bein im Beruf“, erzählt sie. „Von Ausbildung allein halte ich nichts. Das Talent ist, was letztendlich zählt.“

Regisseurin und Hauptorganisatorin Ulrike Dissmann legt Wert auf's Detail.

Entstanden sei das Ganze damals als „Zufallsprodukt“ aus einer angedachten Produktion mit einigen Kollegen. Seitdem ist das Sommertheater im Englischen Garten für Ulrike und ihre Begleiter ein Herzensprojekt. Das zwar kein Geld und viel Arbeit einbringt, aber ihnen unheimlich viel Freude bereitet. „Wenn wir spielen, die Sonne auf den Platz strahlt und später der Mond wie eine besoffene Kugel über allem hängt, das ist einfach immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis.“

Los gehen die Vorstellungen immer ab 21 Uhr. Früher dort sein, ist aber ein Muss. Denn schon gegen späten Nachmittag kommen die ersten Zuschauer um sich gute Plätze zu sichern. „Die Leute breiten ihre Picknickdecken aus, es ist eine ganz locker Atmosphäre“, beschreibt Ulrike. „Darum führen wir auch immer klassische Komödien auf. Das passt einfach, die Leute wollen in dieser Szenerie lachen und Spaß haben.“ Oft sind es Stücke von den Großmeistern der frühen Komödie: Shakespeare oder Molière. Oder aber Kleist, wie in diesem Jahr. In „Der zerbrochen Krug“ geht es - ja natürlich - um einen zerbrochenen Krug. Dieser gibt Anlass für eine Gerichtsverhandlung. In der - und jetzt kommt’s - der Richter selber der Täter ist. Natürlich versucht der Schuldige alles, um zu verhindern, dass er ertappt wird… was zu vielen skurrilen und lustigen Momenten führt.

Eine „leichfüßige Inszenierung“, die Spaß macht. Unter anderem, weil sie die große Gabe der Theatergruppe ans Licht bringt, aus nichts alles zu machen. Mitten in der Natur, nur wenige Requisiten und so gut wie keine technischen Möglichkeiten, so beschreibt Ulrike die Gegebenheiten für sich und ihr Team. „Zwei Scheinwerfer, die wir aus- und anknipsen können, mehr haben wir nicht zur Verfügung.“ Aber gerade das macht die Vorführungen so charmant und unmittelbar - als Zuschauer ganz nah an der unverblümten Schauspielerei. "Die Leute fühlen sich als Teil der Inszenierung, das hören wir immer wieder", erzählt die Regisseurin. Und auch wenn das Wetter kurzfristig nicht mitspielt, hat das Sommertheater-Team eine Lösung. „Das ist zwar immer schade, aber auch im Regen-Fall sind wir gut eingespielt. Dann ziehen wir in die Mohr-Villa um." 

Erlebt das bezaubernde Freilufttheater selber...

Die Spieltermine und den Lageplan des Münchner Sommertheaters könnt ihr hier einsehen. 

Drei Tipps für einen besonders schönen Abend:

  1. Früh dort sein, um gute Plätze zu ergattern.
  2. Decken mitbringen zum "Gemütlich-Machen".
  3. Kleingeld einpacken: für ein paar kleine Euro könnt ihr vor Ort Lampions bekommen, die das Amphitheater im Dunkeln erleuchten lassen - Gänsehaut! 

Aber voraussichtlich ist Mutter Natur ja sowieso ein Fan vom Münchner Sommertheater. Das wünschen wir uns zumindest - nicht nur für die Zuschauer, die die Freiluft-Bühnenkünste von Ulrike Dissmann uns Co. den ganzen Juli lang jeden Donnerstag-, Freitag- und Samstagabend genießen können. Sondern vor allem für die Organisatoren und Schauspieler selber, die mit ihrem Engagement schon so viele Jahre lang dafür sorgen, dass die Freude an Theater und literarischer Kunst auch in einer teuren Stadt wie München für alle erlebbar ist. Und dafür sind die Besucher des Amphitheaters Ulrike und ihren Leuten auch dankbar, erzählt sie. „Dass wir sie mit der Vorstellung verzaubert haben. Das ist wirklich das schönste Kompliment, was wir immer wieder bekommen.“

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.