München, du "tolerante Weltstadt mit Herz". Rund 40 Prozent von uns haben einen Migrationshintergrund. Viele Menschen, die in ihrer Heimat keine glückliche Zukunft mehr finden, zieht es auch heute nach München. Eine Konzept dafür, dass ihre beschwerliche Reise nicht nur eine große Chance für die Geflüchteten selber sein kann, sondern auch für die Wirtschaft, haben Maximilian Felsner und Zarah Bruhn entwickelt. Die Mitte 20-jährigen Master-Studenten gründeten vor rund einem Jahr die Firma Social-Bee. Ein Personalvermittler, der sehr viel mehr bereitstellt, als nur Arbeitskräfte.

Social-Bee, das ist ein Team aus den beiden Gründern plus sechs weiteren fleißigen "sozialen Bienen", die es sich zur Aufgabe gemacht haben, als Schnittstelle zu fungieren. Zwischen arbeitswilligen und qualifizierten Geflüchteten und Firmen, die gewillt sind, diese einzustellen, sich aber oft vor der damit einhergehenden Bürokratie fürchten.

Das Konzept: In einem Auswahlverfahren macht sich das Startup zunächst auf die Suche nach motivierten Bewerbern und Bewerberinnen, die zu dem jeweiligen Unternehmen passen. Und bereiten sie auf den Arbeitsalltag dort vor. Zum Beispiel mit Sprachkursen. Dann stellt Social-Bee die Flüchtlinge selber ein und entleiht sie an Logistikunternehmen. Erst einmal für ein ganzes Jahr. In dieser Zeit begleiten sie die Areitsbeziehung mit Sozialpädagogen und Trainern. Sodass beide Seiten Hilfestellung bekommen, unter den erschwerten Umständen zusammenzuwachsen.

 

Um Behördengänge und Briefwechsel muss sich die Firma selber nicht kümmern. Das wird alles vom Münchner Startup übernommen. Und der oder die Geflüchtete bekommt professionelle Betreuung bis zur vollständigen Integration. Nach einem bis eineinhalb Jahren wird der Mitarbeiter dann in Festanstellung von der jeweiligen Firma übernommen.

Aber das Startup will noch weiter gehen, die Geflüchteten nicht nur in Sachen Arbeit, sondern auch im Privatleben unterstützen, sodass sie sich in in ihrer neuen Heimat schnell rundum zuhause fühlen. Das geht zum Beispiel, indem die Mentoren und Berater Freizeitaktivitäten planen oder helfen Mitgliedschaften in Sportvereinen abzuschließen. Auch bei alltäglichen Kleinigkeiten, wie dem Kauf des richtigen Nahverkehr-Tickets, unterstützen die Jungs und Mädels von Social-Bee. 

 

Viele tolle Menschen sind in unser Land gekommen, die Lust haben zu arbeiten.

Zarah Bruhn, Mitgründerin

Auf die ersten Erfolge ist das Social-Bee Team stolz. Und hält sie mit ein paar Fotos auf der eigenen Homepage fest. Darunter zum Beispiel Glody, 24 Jahre, aus dem Kongo. Er kam vor zwei Jahren nach Deutschland und macht gerade eine Ausbildung im Bereich Logistik. Dejen, 28 Jahre aus Eritrea, hat die Ausbildung schon hinter sich. Er arbeitet in einem Münchner Technologie-Unternehmen. Bangali aus Sierra Leone war drei Jahre arbeitslos. Mit der Hilfe von Social-Bee fand er eine Vollzeitstelle in einem Kaufhaus. „80% der Geflüchteten schlittern in die Langzeitarbeitslosigkeit", erzählt Mitgründern Zarah. "Dabei sind viele tolle Menschen in unser Land gekommen, die Lust haben zu arbeiten. Sie möchten anpacken und Teil der Gesellschaft sein."

Für uns zählt nicht das Geld, sondern die Wirkung.

Maximilian Felsner, Mitgründer

Social-Bee, das ist ein Startup-Konzept, das nicht in der Hoffnung auf den großen Gewinn in die Tat umgesetzt wurde. „Für uns zählt nicht das Geld, sondern die Wirkung“, sagt Mitgründer und Philosophie-Student Max. Social Bee will wirtschaftliche aber auch gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Als Deutschlands erster "Integrationsdienstleister". Dafür sind die Münchner jetzt für den Deutschen Integrationspreis nominiert. Wir wünschen: viel Erfolg! Nicht nur dem Startup selber, sondern auch den vielen Jungs und Mädels, die sie unter die Fittiche nehmen. Und die von so weit hergereist sind, um endlich anzukommen.

 

Und jetzt kommt ihr!

Unterstützt das Münchner Startup beim Crowdfunding Projekt im Rahmen des Deutschen Integrationspreises über Start Next! Gelegenheit dazu gibt's bis zum 2. Mai 2017. Wer schon bis zum 11. April 12 Uhr seine Stimme abgibt, hilft Social-Bee, eine zusätzliche Finanzierung zu bekommen.

Fotos von Social Bee

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.