Snow White im Deutschen Theater

Snow White im Deutschen TheaterMärchen-Klassiker als Contemporary Dance-Show

Echt faszinierend, wie alte Märchen auch heute nichts an Aktualität eingebüßt haben. Die Geschichte von Schneewittchen - sie eignet sich wohl mit am besten, um unsere modernen Alltagsproblemchen darzustellen: Einsamkeit, die Angst vor dem Altern und die Sucht nach ständiger Bestätigung. Instagram und Co. lassen grüßen. Choreograph Fredrik "Benke" Rydman, der unter anderem schon mit Neuinszenierungen von "Swan Lake" und "The Nutcracker" große Erfolge feierte, hat eines der ältesten Märchen als Contemporary Dance-Show umgestaltet und ins Deutsche Theater gebracht.

Snow White im digitalen Zeitalter © Kai Heimberg

Toxisch digital

Doch nicht nur die Handlung wurde mal eben um 200 Jahre modernisiert. Die sieben Zwerge zum Beispiel tragen Hoodies - Hei-Ho-Hei-Ho, sie sind vergnügt und froh - und auch in vielen anderen Aspekten findet das Theaterpublikum seine zeitgenössische Realität auf der Bühne wieder. Mit Snow White erwartet uns im Deutschen Theater eine moderne Tanzshow, die einer knallharten Abrechnung mit unserer oberflächlichen, vom Digitalen beeinflussten Welt gleicht.

Spiegeln Spiegeln in der Hand...

Die Beziehung zwischen Tochter und Mutter ist etwas ganz Besonderes. Eine Nähe und Liebe, die vollkommen selbstlos ist. Dass es jedoch auch anders geht, zeigten die Gebrüder Grimm mit ihrem Märchen Schneewittchen schon vor langer Zeit auf. Kurzer Recap, für alle die es nicht mehr ganz auf dem Schirm haben: Die böse Stiefmutter ist eifersüchtig auf Schneewittchens Jugend und Schönheit. Als der magische Spiegel ihr gesteht, dass Schneewittchen das schönste Mädchen im ganzen Land ist, will die fiese Frau das unschuldige, junge Ding töten lassen. Doch sie entkommt und landet bei den? Genau - bei den sieben Zwergen! Dann passiert so eine blöde Sache mit einem nicht mehr ganz frischen Obst (war wohl kein Bio) und schon nimmt das Unglück seinen Lauf. Ach ja, aber ist ja 'n Märchen! Also wird am Ende alles gut, als nämlich der schöne, charmante, starke, zuvorkommende, heldenhafte Prinz kommt und seine Süße rettet. Aber ob sie auch in der modernen Variante so gut wegkommt?

Wer hat die meisten Follower im Land?

Die Neuinterpretation schlägt eine Brücke zwischen der Handlung dieses weltbekannten, alten Märchens und den Ängsten, mit denen sich unsere Gesellschaft heute und ganz aktuell beschäftigt. Im Mittelpunkt steht die eifersüchtige Mutter und ihr Schönheitswahn, der durch Instagram - ihren "Spiegel" - und durch etliche Schönheits-OPs und Diäten nur noch zunimmt. Narzissmus und Egoismus beherrschen die Beziehung zu ihrer Stieftochter. Während die Mutter nur Augen für ihre Likes hat, wünscht Snow White sich nichts mehr, als von ihr wahrgenommen und geliebt zu werden. Als das Mädchen mit den Lippen so rot wie Blut und dem Haar so schwarz wie Ebenholz dann ihr erstes Smartphone bekommt, kommt es zum Eklat: Schnell hat sie mehr Fans als die böse Stiefmutter.

Trefft Snow White 2.0

ZU DEN TICKETS

Die Nummer vom modernen Schneewittchen haben wir jetzt nicht parat, wohl aber 'nen Link zu einem anderen Türöffner. Wenn ihr ein Date mit ihr wollt, dann klickt doch mal auf den Button!

Bildstark und emotional

Die Show schafft es märchenhaft, jedoch weitaus dunkler als das Original mit abgefahrenen Choreografien und einer bildgewaltigen, düsteren Inszenierung und abstraktem Licht- und Setdesign die moderne Welt einzufangen. Im Fokus steht der Narzissmus und das Erwachsenwerden. Ob auch das moderne Schneewittchen von ihrem Prinzen gerettet wird oder sich ganz emanzipatorisch selbst aus dem Schlamassel befreit, könnt ihr ab dem 23. April im Deutschen Theater sehen. 

Bilder vom Deutsche Theater.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Deutschen Theater entstanden.

Sarah Langer

Sarah ist ein echtes Münchner Kindl. Heißt: „Gmiatlichkeit” hat für sie oberste Priorität. Ihr Herz schlägt für Electro-Funk-Musik und Weinschorle. Bar oder Berge, Currywurst oder Salat, Hund oder Katze – festlegen gehört definitiv nicht zu ihren Stärken. Dafür aber Kreativität, Lebensfreude und ein guter Schuss Sarkasmus.