She’s back, die Starkbiersaison!

She’s back, die Starkbiersaison!5 Places to b(i)e(r)

Pack ma’s! Fastenzeit, malzige Böcke und des Brauers liebstes Suffix. Nicht nur, dass uns der meteorologische Frühlingsanfang in freudige Stimmung versetzt, nein, der Frühling ist sogleich auch der Beginn eines weiteren saisonalen Großevents. Ab dem 02. März steigt nämlich wieder die Starkbierzeit auf den Thron der bajuwarischen Gaumenfreuden. Und so herrscht vom 02. bis zum 25. März im Bereich der Prozente absoluter Ausnahmezustand. Dabei wird die sogenannte Fünfte Jahreszeit - mancherorts die Fastenzeit begleitend - aber auch schon früher gefeiert.

Fest steht jedoch, dass in den Wochen vor Ostern einige Brauerei-Spezialitäten nicht nur auf darbende Mönchs-Kehlen warten. Und wahrlich könnte dieses Bierfest das am besten gehütete Geheimnis der Stadt sein. Denn noch weit vor dem Oktoberfest warteten die Paulaner Mönche seit Mitte der 1600er auf ihren "Salvator", den Retter der Fastenzeit und ihr „flüssiges Brot“. Dabei schöpfen aber auch andere Brauereien nunmehr aus den Vollen, wenn es um das bezeichnende Suffix geht, und schicken ihrerseits vom Maximator bis hin zum Animator ihre stärksten Böcke ins Rennen um die Gunst der Münchner.

Richtlinie für das "Starkbier" ist meist ein Alkoholgehalt von mindestens 7.5%, wobei sich einige der hopfigen „-atoren“ auch gern bei ca. 9%, einpendeln und der eigentlich angedachten inneren Einkehr nach mindestens zwei Krügen einen Strich durch die Rechnung machen. In jedem Fall handelt es ich bei den Böcken und Salvatoren um starke Gebräue, während ein cremiger Butterbonbon-Kopf dem bernsteinfarbenen Glück die Krone aufsetzt.

Doch jetzt mal Malz und ordentliche Prozente ins Bier. Wer fernab von historischen Exkursen, Brauerei-Zwisten und dem Politiker Derblecken auf dem Nockherberg in den Genuss des Haugout aus nussigen Geschmacksaromen von Toffee bis Karamell und Nelken kommen will, für den haben wir ein paar Hotspots verewigt. Aber auch für alle, die nach der Gewürzwatschen durch die Craftbeer-Bewegung traditionelle kräftigere Aromen bevorzugen, findet sich sicher das ein oder andere Schmankerl.

1. Bier- und Oktoberfestmuseum

Jeder kennt es, nur wenige gehen rein und das ist auch gut so. Denn dann bleibt es ein Geheimtipp. Ganz unscheinbar verbirgt sich unter dem Bier- und Oktoberfestmuseum in der Sterneckerstraße 2 nicht nur das älteste Bürgerhaus Münchens, sondern mitunter das gemütlichste und authentischste Stüberl der Innenstadt. Neben einer schlanken aber wirklich guten Karte gibt es die Halbe Helles für unschlagbares Geld und zur Fastenzeit den Augustiner Maximator mit 7,5% Prozent samt seines charakteristischen leichten Beerengeruchs.

2. Braustüberl der Forschungsbrauerei Perlach

Ein bisschen weiter als zum Marienplatz muss man für den Fastenbock der Forschungsbrauerei Perlach fahren. Doch das einzige Helle ist seinen Ausflug wirklich wert. Ein im Familienbetrieb kellertrüb gebrautes Edel-Bier findet man nicht mehr alle Tage und so senden unfiltrierte und stattliche 8,4% Prozent einen amtlichen Gruß aus dem Steinkrug. Den Jakobusbock kann man vom 16.2. bis zum 25.3.2018 genießen.

3. Giesinger Bräu

Innovation wird in Giesing besonders groß geschrieben. Was als Garagenverkauf vor einigen Jahren begann, ist heute eine wahre Größe in der Münchner Bierlandschaft. Selbstverständlich, dass das Brauhaus der Giesinger, das mittlerweile eine ganze Phalanx an Craftbeer auf den Gaumen loslässt, sich auch in Sachen Starkbier nicht lumpen lässt. Der Innovator flext zwar nicht mit dem größten Bizeps, seine sommerliche Frische und das präsente Hopfenaroma machen den dunklen Doppelbock jedoch in der 0,3-Flasche und mit 7,3% Prozent zu einem Favoriten für alle Genießer, die es etwas weniger mächtig und malzig mögen.

4. Bierbar "Frisches Bier"

Noch grün hinter den Ohren mag die gerade erst eröffnete Bar in der Thalkirchner Straße sein, das Sortiment ist jedoch mehr als kampferprobt. Denn hinter diesem steht niemand geringeres als Tillman Ludwig. Zwar legt das „Frisches Bier“ seinen Fokus nicht nur auf die Eigenkreationen Tillmanns, der helle Bock mit Namen „Kulturator“ wird aber auch hier ausgeschenkt. Dabei stehen 7,0% Prozent und 100% Hallertauer Mittelfrüh Hopfen für hochwertigen Starkbiergenuss und moderne Interpretation. Das Design kommt von HUMMELGRAFIK und der Erlös kommt zum Teil der Kulturator / Gute-Dinge-Stiftung zugute.

5. Der Händler eures Vertrauens

Seien wir ehrlich, nicht jeder ist sofort verliebt in die bis zum Anschlag mit hochprozentigem Dunkel gefüllten Krüge. Wer sich wirklich einmal in die Welt der Starkbiere begeben will, wer vergleichen und ausprobieren will, der wagt am besten einen Weg zum Getränkehändler des Vertrauens. Ganz egal ob Orterer, Supermarkt oder einer der vielen Bierotheken (zum Beispiel Biervana in der Hohenzollernstraße): man wird fündig und packt am besten alles ein, was einen anlacht. Sei es der Salvator (Paulaner), der Maibock (Hofbräu), der Triumphator (Löwenbräu), der Animator (Hacker-Pschorr) oder einer der unzähligen anderen -atoren, nur so wird man seinen wahren Favoriten unter den Böcken finden. Und ist er erstmal auserkoren, kann er dann immer noch stilecht in den vier Wänden der jeweiligen Brauer genossen werden. Prost!

Tim Brügmann

Tim Brügman, dessen Wohnzimmer die Konzertsäle dieser Stadt sind, ist der Rockstar unter den Musikjournalisten. Doch kennt die Klaviatur des gebürtigen Münchners nicht nur die groben Feinheiten der musikalischen Welt, auch die feinen Grobheiten des Münchner Nachtlebens lassen ihn nicht kalt.