Servus!

Servus!Eine Ode an den charmantesten Gruß der Welt

Wenn sich Bayern begrüßen, tun sie das nicht etwa mit einem „Grüß dich“ oder einem „Hallo“. Nein, mia san schließlich mia, folglich vermeidet man auch tunlichst so zu grüßen, wie man das überall sonst in Deutschland macht. Statt dessen muss ein kommunikatives Feuerwerk her, das in seiner Lautmalerei symbolisch für die Wortgewalt des typischen Bajuwaren steht - ein schlichtes „Servus!“ (OBACHT! Sprich "seawas"!)

Ausschweifende und schmückende Wortsalven - sowas braucht der Bayer nicht. Er hält es lieber kurz und bündig und schafft es so einmal mehr, seine tief im Innern verwurzelte und von ihm gut getarnte Herzlichkeit erst einmal für sich zu behalten. Um sie dann an anderer Stelle in all ihren Facetten zu versprühen - zur freudigen Überraschung desjenigen, der sich vom ersten grantlerischen Eindruck nicht hat abschrecken lassen. Mag sein, dass genau diese klassische Schlichtheit gepaart mit dem neckischen Versprechen der Andersartigkeit diesen Gruß zu einem der wohl charmantesten der Welt macht. Denn beliebt ist er allemal... und zwar nicht nur in Bayern selber.

Zugegeben: ob die Bayern es nun waren, die dieses fabelhafte Floskel euphemistischer Willkommenskultur erfunden haben, ist fraglich. Immerhin ist unser herziges „Servus!“ auch in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen sowie in Österreich und Südtirol, ja sogar in Slowenien, Kroatien, Ungarn („Szervusz“), in der Slowakei, Nordwest-Rumänien und tatsächlich auch in Siebenbürgen in Transsylvanien verbreitet. Fest steht aber: die Wortentwicklung geht auf eine Quelle zurück.

Das Wort "Servus" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „der Sklave“ oder „der Knecht“. Der Gruß lässt sich im übertragenen Sinn also als „Ich bin Dein Diener.“ oder „Zu Diensten!“ übersetzen.

Und da haben wir es mal wieder: der Bayer an sich ist in seinem tiefsten Innern eben doch kein fieser Grantler, sondern ein wahrer Menschenfreund. Aber natürlich wäre es nicht Bayern, wenn es nicht auch eine Negativform geben würde (so ganz ohne Meckern ist ja dann auch öde…).

„Na servus!“ (sprich: na seawas!) wird in Bayern-Mitte als Ausruf des "missbilligenden Erstaunens" verwendet.

Und weil man im Bayrischen Servus auch zum Abschied verwendet (man mag es unkompliziert, dann ist mehr Zeit zum Biertrinken), bleibt eigentlich nur noch eins zu sagen: Seawas!

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.