Science & Fiction Festival

Science & Fiction FestivalAuf den Mond geschossene Konventionen

In a galaxy far, far away... die Location verwandelt sich in eine weit entfernte Galaxie. Auch dieses Jahr wird das Einstein Kultur zum Schauplatz des alljährlichen Münchner Science & Fiction Festivals. Auf rund 12000 Quadratmetern erschafft hier in den Katakomben des Einstein-Geländes die Kuratorin und Kultur-Anarchistin Ronit Wolf bereits zum fünften Mal ihr Staraufgebot an allerlei Kuriosem, Faszinierendem und in der Tat auch wissenschaftlich Fundiertem. Während man der Science in Form von Vorträgen und Erlebnis-Speakings gerecht wird und man beispielsweise erfährt, wie sich Gerüche in der Zukunft entwickeln werden, regen musikalische Darbietungen und Filmthemen etwa die Fantasie an.

Stets vorwärtsgerichtet mit einem Hang zum Absurden bis hin zum Morbiden, wie etwa die Animationsserie Rick & Morty, die am Freitagabend ihre eigene Plattform bekommt, hangeln sich an drei Tagen bis zu 120 Künstler durch das Programm, erschließen unbekanntes Terrain und lotsen selbstverständlich neben the dark side of the moon auch sämtliche Grenzen aus.

Neben einer Schlagershow aus dem 24. Jahrhundert, verspricht der sogenannte Hebocon, ein Kampf zweier Schrott-Roboter, die liebevoll von Gästen gestaltet wurden, eines der Highlights zu werden. Wer nichts mit dem an japanische Gameshows erinnernden Robo-Duell anfangen kann, den empfängt auf dem Science & Fiction Festival auch ein absolutes Novum: der Science-Fiction-Slam.

Von Ronit Wolf selbst erdacht, treten Wissenschaftler aus den verschiedensten Disziplin gegen die verrückten Thesen selbsternannter Propheten aus der Zukunft an. Quantenphysik trifft auf Sexualkunde in Space und es offenbart sich wieder einmal, dass zwischen Wissenschaft und Fiktion nur ein schmaler Grat herrscht. Ein weiteres musikalisches Highlight dürfte die Show des Jazz-Funk-Ufos Marsellus Moon sein, der am Samstagabend in zwei Parts eine interstellare Jam-Session vom anderen Stern abfeuern wird. Zuvor kommen Fans des Sci-Fi-Klassikers ALIEN von 1979 auf ihre Kosten, wenn das Speaking "Loving the Alien" den vielen Meta-Ebenen des Filmes unter das Exoskelett fühlt.

Doch wer schon einmal die Reise im völlig verrückten Raumschiff angetreten ist, weiß, dass es gar nicht so sehr auf die einzelnen Themen ankommt. Das Science Fiction Festival besticht trotz seiner zunehmenden Größe an der Detailverliebtheit bei sympathischem Erhalt von Dilettantismus. Schließlich wird Zukunftsmusik nicht mit dem Notenheft gespielt, sondern alle Sinne in Anspruch genommen.

Während in der Ecke Jedis mit Trekkies knutschen und faszinierende Licht-Installationen das Publikum in ihren Bann ziehen, kommt es einem beim Begehen des Festivals nicht selten selbst vor, als wäre man in den Untiefen der Galaxis falsch abgebogen, nur um sich in einer Space-Cantina wieder zu finden, die vor extraterrestrischen Freaks nur so wimmelt. Doch man muss kein ausgewiesener Nerd sein, um einen Gefallen an den vielfältigen Shows, Speakings, Filmchen und Battles zu finden. Fiktion definiert schließlich ein jeder für sich und was des einen Realität, mag des anderen Hirngespinst sein.

Good Bye Convention

Am 13. bis 15. April bietet sich jedenfalls im Rahmen des Science & Fiction Festivals die ultimative Gelegenheit, allen Sinnen freien Lauf zu lassen, während das Einstein Kultur das Portal in fremde Welten bewusst ganz weit offen lässt und einen Tentakel aus den verschiedensten Dimension fest im Griff haben. In jedem Fall erwarten uns wieder ein "interdisziplinärer Mix an den Grenzen der Fantasie, Technik und Kunst", so Ronit Wolf und auf den Mond geschossene Konventionen. 

Tim Brügmann

Tim Brügman, dessen Wohnzimmer die Konzertsäle dieser Stadt sind, ist der Rockstar unter den Musikjournalisten. Doch kennt die Klaviatur des gebürtigen Münchners nicht nur die groben Feinheiten der musikalischen Welt, auch die feinen Grobheiten des Münchner Nachtlebens lassen ihn nicht kalt.