SamstagRad

SamstagRadRebirth des Charakterfahrrads

Spätestens seit dem fulminanten Aufstiegt der Hipster-Rakete ist es klar: Das Fahrrad ist zurück. Selbst der letzte Balance-Trottel wagt sich auf ein Rennrad oder gar auf ein Fixie.

Nein Mann! Solche Aussagen gestatten wir nicht! Das Fahrrad ist einfach das beste Fortbewegungsmittel der Welt - Punkt. Wenn es um Effizienz geht, steht es unangefochten auf Platz 1. Sowohl was die Geschwindigkeitsumsetzung aus reiner Körperkraft angeht, als auch der Platzbedarf in Innenstädten. Energiebilanz: 1. Nachhaltigkeit: 1. Style: 1. Status: ... mmmh ok.

Wir sind immer noch im Land der Automobilbauer. Status kann man hier mit einem Rad doch nur sehr schwer erlangen. Doch es gibt immer mehr Projekte, die an diesem Status Quo rütteln. Eines davon ist SamstagRad.

Diese Einleitung könnte eins zu eins von Christopher Lewis stammen, dem Gründer und kreativen Motor, der hinter diesem Projekt steckt. Naja ok, sagen wir Antrieb - Christopher mag keine Motoren. Schrottige Drahtesel verwandelt er in Nostalgie-Schmuckstücke.

Aber von Anfang an. Vor circa vier Jahren fingen erste Freunde an, Chris zu überreden, aus seiner Passion seinen neuen Beruf zu machen. Bereits mehrere Zweirad-Liebhaberstücke hatte er zu diesem Zeitpunkt wieder aufbereitet. Doch wer hier an putzen, ölen und polieren denkt, hat nicht das Richtige vor Augen. Man merkt den Werken einfach an, dass Chris in einem vorherigen Leben Künstler war - und Künstler bleibt man.

Jedes Fahrrad hat eine eigene Geschichte, eine eigene Seele. Genauso werden sie dann auch behandelt. Rostspuren werden nicht entfernt, sie werden herausgearbeitet und konserviert. Die unterschiedlichen Farb- und Grundierungsschichten der Lackierung werden freigelegt und zur Schau gestellt. Schlechtgängige Bremsanlagen, weil alt und verbogen, werden behandelt bis sie wieder zornig wie eh und je jede Felge erzittern lassen.

Zeigen Sie mir ein Problem dieser Welt und ich gebe Ihnen das Fahrrad als Teil der Lösung.

Mike Sinyard, US-amerikanischer Fahrradbauer, * 1950

Natürlich bekommt am Ende dieses Prozesses jedes Unikat einen eigenen Namen - wie Chilled Poison, Josef Flüssiggold oder Torpado. Was nun entstanden ist, befindet sich im Undefinierbaren, zwischen allen bekannten Schubladen. Upcycling? Oldtimer? Kunst? Sportgerät? SUV Ersatz für Petrolhater?

Am Ende spielt das keine Rolle. Für jeden ist etwas dabei. Einige Modelle sind schon in Vitrinen der Büroeinrichtung der oberen Zehntausend gelandet. Andere werden von Bafög-empfangenden Studentinnen jeden morgen zur LMU geleitet. Die Preise werden schnell sportlich, jedoch hilft Sympathie und vielleicht auch ein vergessenes Schmuckstück im Keller zu haben.

Im Prinzip gibt es drei Wege, um an diese Zweirrad-Kunst zu gelangen:

  1. Opas altes Peugeot mitbringen und Chris zaubern lassen.
  2. Vorbeikommen und Wünsche äußern.
  3. Vorbeikommen und sich in ein fertiges Unikat verlieben.

Es bleibt zu sagen, dass alles was Chris verbaut, schon einmal verbaut war, Upcycling in seiner reinsten Form. Wer also verlorene Radseelen im Keller hat, darf gerne Kontakt aufnehmen.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.