Rundflug über München

Rundflug über MünchenMit Wingly in den Himmel der Bayern

Die Sharing-Economy geht in die nächste Runde. Und beflügelt die Community durch Mitflugplätze. Das Startup Wingly hat eine Plattform an den Start gebracht, auf der du dich ähnlich wie bei der MitFAHRzentrale auf Flügen von Privatpiloten zubuchen kannst. Wir haben es für euch getestet. Mit einem Rundflug über beautiful Minga.

Aber erst einmal zum Startup selber: Was bietet Wingly genau an? Wie kam es überhaupt zu der Idee? Jeder der schon einmal den Gedanken an eine Privatpiloten-Lizenz gehegt hat, weiß wie teuer Flugstunden sind. Wenn man an diesem Hobby nicht verarmen möchte, bleiben also nur zwei Lösungswege: Reich werden oder teilen. Eine durch drei Personen geteilte Flugstunde ist halt nach Adam Riese nur noch ein Drittel so teuer. Und welches Kind hat nicht schon einmal vom Fliegen geträumt? Der Berufswunsch des Piloten steht wohl mindestens so häufig auf der Top 3 Liste, wie Astronaut oder Feuerwehrmann. Wenn man sich die Bewerberzahlen der Airlines anschaut, weiß man, dass viele Leute diesem Traum tatsächlich bis ins Erwachsenenalter treu bleiben.

Wer seiner Leidenschaft zum Fliegen nicht als Berufspilot, wohl aber als Hobby nachgehen möchte, verwirklicht sich zum Beispiel als Cessna Pilot im Flugverein. Um den Flugschein zu behalten, müssen auch solche Piloten eine gewisse Anzahl an Flugstunden im Jahr leisten. Das kostet. Und macht natürlich alleine weniger Spaß als mit flugbegeisterten Menschen neben sich im Cockpit. Auf diesen Gedanken kamen auch die drei Gründer von Wingly. Und kreierten daraufhin die Plattform auf der Privatpiloten ihre Flüge anbieten und Flugfreunde sich dazu einbuchen können. Im letzten Jahr stiegen die Nutzerzahlen von 6.000 auf 50.000. Die Nachfrage ist groß, bei Piloten wie bei Mitfliegern. Und so werden immer mehr Flüge angeboten.

In einem Wort beschrieben, sprechen wir hier tatsächlich von einer Art Mitflugzentrale. Die vermittelten Flüge drehen sich nämlich nicht nur im Kreis eines Rundflugs (auch der ist natürlich möglich, wie ihr an unserem Selbsttest unten sehen könnt). Sondern bieten plötzlich völlig neue Möglichkeiten an. Es geht nicht darum, alt bekannte Flugrouten billiger zu gestallten und RyanAir und Co. den Rang abzulaufen. Ziel ist es eher, beispielsweise einen Wochenendurlaub anbieten zu können, der direkt auf der kleinen beschaulichen Insel in Nord- oder Ostsee oder vielleicht im Mittelmeer landet. Diese Strecke mit einer Viersitzigen Cessna anzutreten, hat den wohl ursprünglichsten Flugcharme den man sich als Airmaniac nur vorstellen kann. Im besten Fall sitzt man direkt neben dem Piloten, bekommt hautnah mit, wie er den Flieger steuert und kann das atemberaubende Panorama unter sich bestaunen. So wie wir.

Wenn dein iPad zwischen dir und dem grinsenden Gesicht des Piloten schwebt, weißt du, dass du grade die Schwerkraft verarschst.

Oliver Rothstein, GTM Autor, zum Höhepunkt des Rundflugs über München

Geheimtipp München hebt ab - Der Erfahrungsbericht

Für unsere Recherche zum Startup Wingly hatten wir keine wirkliche Reiseintention im Sinn. Dafür aber umso mehr Neugierde im Gepäck. Also entschieden wir uns für einen Rundflug über München. Da alle Flüge die Wingly anbietet natürlich nicht von internationalen Megagateways wie von unseren Münchner Flughafen Franz Josef Strauß starten, sondern von kleinen Hobbyflughäfen in den Vororten, kommen rund um München gleich mehrere Abflugorte in Frage. Unser Startpunkt: die kleine, idyllische Gemeinde Vogtareuth, circa eine Stunde vor München. Hier treffen wir unseren Piloten Stefan, er ist Ende 20. Erst vor zwei Jahren hat er seinen Flugschein gemacht, fliegt jährlich aber mehr Stunden als manch ein alt eingesessener Hase. Jungendliche Flugleidenschaft in Person. Seine Bewertungen auf dem Portal sind alle mit 5 Sternen versehen. Ja richtig, jeder Mitflieger kann für seinen Piloten nach dem Flug ein Rating abgeben. Das gibt Sicherheit für den, der nach einem kommt. Wir hätten Stefan bei seiner selbstsicheren Ausstrahlung aber auch ohne vorherige Bestätigung vollstes Vertrauen entgegengebracht.

Rundflug Live Video

Nach kurzer Kennenlernrunde kann’s auch schon losgehen. Wir dürfen sogar unsere Wunschliste an zu überfliegenden Gebäuden äußern. Es müssen ja schließlich geile Fotos für euch entstehen! Zuvor schon unzählige Male mit irgendeinem Langstreckenbomber überflogen, bietet sich einem die Stadt aus einem nur auf 300 Meter Höhe fliegendem Kleinflugzeug viel vertrauter und detailreicher als jemals von oben gesehen. Wie ein riesiges, geiles Wuselbild! Eine Steilkurve über den Marienplatz bei etwas über 100 Fuß und man glaub sogar die Sneakermarke des am Brunnen vorbei schlendernden Touristen erkennen zu können. Zwei bis drei Runden über der Stadt und man sieht im Nu alles, was normalerweise Stunden braucht. Von einem Ende der Stadt zum anderen - in Minuten. Schloss Nymphenburg zum Beispiel ist auf einmal nur drei Minuten vom Maximilianeum entfernt. Eine Wahnsinns-Erfahrung!

Das Flugteam (vlnr): GTM-Autor Olli, Pilot Stefan und Fotograf Achim

Einziges Problem: die Zeit vergeht eben auch wie im Flug. Nach dem spektakulären Perspektivenwechsel über der Stadt, treten wir den Rückweg mit einem kleinen Umweg Richtung Mühldorf an, um dort zu tanken. Diese Extralandung, die natürlich ein eigenes Highlight auf dem Copiloten Sitz ist, beschreibt die letzte Etappe vorm Heimweg. Pilot Stefan hat zum Abschluss allerdings noch eine weitere Überraschung im Gepäck: Wusstet ihr, dass man in einem so kleinen Flieger Schwerelosigkeit simulieren kann? Wir auch nicht! Kurz durchatmen und schon erleben wir was ein Parabelflug ist - ein Flugmanöver bei dem auf ein Steil- unmittelbar ein Sturzflug folgt. Und soviel sei dazu gesagt: Wenn dein IPad zwischen dir und dem grinsenden Gesicht des Piloten schwebt, weißt du, dass du grade die Schwerkraft verarschst. Als Fazit bleibt die Feststellung, dass der Gebrauch von Privatflugzeugen also bei Weitem nichts mit dekadentem Luxus Chi Chi zu tun hat und auf dem Besten Weg ist, für eine breitere Masse zugänglich zu werden. Und wer sich keine eigene Lizenz leisten kann oder will, der lässt sich halt fliegen. Ganz normal. Wingly sei Dank.

Du willst selber mal abheben?

Dann besuch Wingly auf Facebook oder check das Angebot direkt auf dem Portal aus. Ein Rundflug über München kostet z.B. etwa 70 Euro.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.