Radl Omi Gunda

Radl Omi GundaMit Dreirad & Dackel von München bis nach Rügen

Auf dem Dreirad mit dem Dackel im Körbchen quer durch die Republik - das geht im hohen Alter nicht? Die Münchnerin Gunda Krauss (79) hat trotz zweifacher Hüft-OP das Gegenteil bewiesen. 2009 begibt sich die quirlige, liebevolle Rentnerin samt Dackel Sauser (zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt) auf die spannende Reise von München bis nach Rügen. Eine Mission, vor die sie sich selber gestellt hat und die - wie sie hetze sagt - ihr Leben verändert hat. Wie genau, das will Gunda bald schon in einem Buch schildern -  und mit Ihrer rührenden Geschichte Mut, Glück und Hoffnung mit uns teilen.

„Mit dem Dreirad dann selbst unterwegs zu sein - das ist so ein Gefühl von Freiheit!“

Gunda Krauss (79)

Nach zahlreichen Operationen an der Hüfte, ist Gunda vor ihrer Reise nicht nur in ihrer Mobilität eingeschränkt - auch sonst stimmt ihre Situation die Rentnerin damals missmutig. Der ständige Zustand auf Hilfe angewiesen sein, passt einfach nicht zu ihrem freiheitsliebenden Naturell. Lange liebäugelt sie mit einem Fortbewegungsmittel, das ihr dieses Lebensgefühl zurückgibt. Doch mit der schmalen Rente muss erst einige Zeit vergehen, bis Gunda endlich ein gebrauchtes Dreirad erstehen kann. „Dann stand das Ding da und ich hatte Angst loszufahren.“ Denn die Bedenken sind groß bei einer erneuten Verletzung für immer an einen Rollstuhl gebunden zu sein. Doch Gunda nimmt all ihrem Mut zusammen und entgegen aller Ratschläge schwingt sie sich kurze Zeit später schon aufs Radl. Endlich ist sie wieder mobil! „Mit dem Dreirad dann selbst unterwegs zu sein - das war so ein Gefühl von Freiheit!“ Beflügelt vom Erfolg, wächst der Floh in ihrem Ohr, zu testen, zu was sie wohl sonst noch so im Stande ist.

„Manchmal habe ich eben Furz-Ideen.“

Gunda Krauss (79)

Nach Rügen will sie, ihre Familie hat schließlich ganz in der Nähe ihre Wurzeln. Zuerst trifft Gunda damit jedoch auf wenig Verständnis in ihrem Umfeld. „Manchmal habe ich eben Furz-Ideen,“ kommentiert sie trocken. Allem Zweifel zum Trotz lässt sich die Rentnerin nicht entmutigen. Und findet mit Green City dann auch endlich jemanden, der sie in ihrem gewagten Vorhaben unterstützt. Nach nur sechs Wochen intensiver Vorbereitung geht es 2009 für Gunda und Dackel Sauser los. „Mit all den jubelnden Leuten am Straßenrand kam ich mir vor wie auf der Tour de France.“ Begleitet von großem Medienrummel und dem Bürgermeister startet sie im August in München.

Tritt in die Pedale!

Die Strecke von München nach Rügen beträgt 891 Kilometer, macht satte 18,5 Kilometer auf dem Radl pro Tag oder 2 1/2 Tafeln Schokolade.

 

„Auf der Reise habe ich traumhafte Begegnungen mit tollen Menschen gemacht!“

Gunda Krauss (79)

Doch auf ihrer fast siebenwöchigen Reise quer durch die Republik geht Gunda nicht alles so leicht von der Hand. Und es wird auch mal brenzlich. Zum Beispiel, als ihr mitten auf der Strecke, ausgerechnet auf dem Eiszeit-Radlweg in Fürstenberg an der Havel an einem Sau-Wetter-Tag ihr kleiner Unterstützungsmotor samt Akkus um die Ohren fliegt. Gunda flieht damals triefend vor Nässe mitten in der Pampa unter einen Baum. Gemeinsam mit ihrem treuen vierbeinigen Begleiter sitzt sie da, klätsch-nass und zitternd vor Kälte. "Da war ich kurz davor, einfach wieder kehrt zu machen und zurück nach Hause zu fahren," erinnert sich Gunda. In der nächsten Ortschaft findet die Münchnerin aber Hilfe bei einem jungen Radlhändler. „Auf der Reise habe ich traumhafte Begegnungen mit tollen Menschen gemacht!“ Während der ihren geschundenen Drahtesel zusammenflickt, lernt Gunda seine Tochter Yasmin kennen. "Das Mädchen hatte eine Behinderung, doch das änderte nichts an ihrer Lebensfreude." Und so steckte sie auch Gunda mit ihrem Strahlen an und ermutigte sie, nicht aufzugeben und weiterzumachen.

„Ich kann’s heut’ noch nicht glauben, dass ich’s wirklich geschafft hab!“

Gunda Krauss (79)

Auf der letzten Etappe muss Gunda noch oft an das kleine Mädchen mit all seiner Freude zurückdenken. „Ich habe gelernt, die Augen und Ohren auch für die kleinen Dinge zu öffnen. Zum Beispiel dafür, dass Eichen- und Buchenlaub unterschiedlich rauschen oder dass die Leitplanken im Fahrtwind singen." Sich selbst auch mal Ruhe zu gönnen und den Moment zu genießen, ist seitdem Gundas Devise geworden. Und es gibt ihr den Mut über sich hinaus zu wachen - während der Reise nach Rügen und danach. „Ich kann’s heut’ noch nicht glauben, dass ich’s wirklich geschafft hab!“ So erinnert die Rentnerin sich noch gerne - wenn auch ein kleines bischen wehmütig - zurück an den Moment, als sie nach sieben langen Wochen endlich auf dem Drahtesel in Rügen einfuhr. Letztendlich war es auch nur ein Augenblick, sagt sie. Festhalten könne man den leider nicht, aber immer wieder daran zurückdenken und daraus Kraft schöpfen.

„Das schönste für mich ist, dass ich so Menschen an meinem Glück teilhaben lassen kann!“

Gunda Krauss (79)

Die Erlebnisse ihrer Reise hält sie mit Hilfe zweier Co-Autorinnen grade in einem Buch fest und schmückt sie mit zahlreichen Erinnerungen aus ihrem Leben. Am liebsten teilt sie diese allerdings persönlich mit und so erzählt sie ihre Geschichte in Schulen und Pflegeheimen. „Das schönste für mich ist, dass ich so Menschen an meinem Glück teilhaben lassen kann!“ Noch in diesem Jahr soll ihr Buch erscheinen. Vorraussichtlich Ende Juli soll es in den Druck gehen. Bis dahin fehlt es ihr allerdings noch an einigen Mitteln. Ihre aktuelle Crowfundingkampange auf startnext läuft noch bis zum 09. April. Die hat sie im Übrigen selbst vom eigenen Laptop eingerichtet. Auch sonst möchte sie nicht der Zeit hinterherrennen sondern mit ihrem Buch „Ich fahr dann mal los“ vor allem für Austausch und Verständnis zwischen den Generationen sorgen. Aus bereits gemachten Fehlern lernen, statt nur nebeneinander zu leben.

Unterstützt Münchens Radl-Omi bei ihrer neuen Mission!

Mit Hilfe einer Crowdfunding-Kampagne will Gunda bald schon ihr Buchprojekt in die Tat umsetzen. Wenn ihr also mehr von Gundas Reise und ihrem bewegten Leben erfahren wollt, solltet ihr sie supporten. Mehr Infos zu der außergewöhnlichen Münchnerin und ihrem inspirierenden Projekt findet ihr hier.

Miles Köhler

Miles - mit dem Herz auf der Zunge und dem Bass im Ohr, tanzt sich unser ehemaliges Hauptstadtkind munter durch Münchens Elektroclubs. Von Kopf bis Fuß in schwarz - aber mit 'ner großen Portion Konfetti, bitte! Auf der Suche nach dem kleinen Hauch Berliner Luft im Augustinerland und dem Tofu-Steak im Weißwurst-Heaven.