PopUp-Dining „Fleischkonsum“

PopUp-Dining „Fleischkonsum“Von der Nase bis zum Schwanz

Vincent Fricke eliminiert den erhobenen Zeigefinger, der bei dem Wort „Fleischkonsum“ bisweilen mitschwingt. Und verleiht ihm neuen Glanz. Mit der zweiten Auflage des gleichnamigen PopUp Restaurants. Vegetarismus ist eine absolut berechtigte Protestform gegen die Version „Fleischvöllerei aller Sodom und Gomorra“. Aber nicht der Verzehr an sich bringt Schande, sondern die Überdosis, wie so oft im Leben.

Auch einem absoluten Fleischmaniac ist es zuweilen nicht mehr egal, dass sein liebstes Stück... Fleisch den ein oder anderen Nachteil gegenüber Mutter Erde und ihrem Erhalt mit sich bringt. Die Folge bei allen, die gerne mit ihrem Gehirn denken und nicht mit dem Magen oder sonstigen Körperteilen: Kein oder weniger Fleisch und mehr Bio, Punkt. Doch es gibt noch mehr Wahrheiten auf dem Weg zum nachhaltigen Genießen.

Obst? Lustig, wie du Fleisch aussprichst.

Obelix

Dass es nicht besonders nachhaltig ist, nur die beliebtesten Teile eines geschlachteten Rindes zu verarbeiten, klingt schon einmal einleuchtend. Aber deswegen auch Nierenzapfenforsätze, Zungen und Herzen wieder auf die Speisekarte zu setzen, klingt doch schon sehr nach indigenem Volk oder Oma in der Nachkriegszeit. Oh, welch Kleingeisterei! Und für diese neue, alte Erkenntnis gibt es auch einen Namen: „Nose to Tail Cooking“.

Das mag sich wohl auch Vincent Fricke gedacht haben und beweist fortan der Welt, welche Köstlichkeiten bisher keine Beachtung fanden. Es sei an dieser Stelle schon bemerkt, dass hier nicht die Rede von einem Versuch ist, sondern von einem vollem Erfolg. An diejenigen unter euch, die bei Innereien an wabbelige Konsistenz denken und bei Herzen an die Bissfestigkeit eines Haushaltsgummis: ihr habt bisher einfach immer den falschen Koch getroffen. Sorry! Alleine der 6 Gänge-Menü-Vorschlag - eine von mehreren Varianten, die ihr im PopUp wählen könnt - lässt erahnen, dass man hier weiß was was man tut.

Unser Lieblingsgang: Herz auf der Zunge über Roter Bete Quinoa an Koriander

Preise:

3 Gänge - 39€

4 Gänge - 45€

5 Gänge - 49€

Bei aller Vernunft und der Erkenntnis, dass die heutige Mainstream-Einstellung zum Fleisch zu Massentierhaltung und Ramschpreisen für Lebewesen führt: nicht alle können und wollen auf Fleisch verzichten. Umdenken kann aber auf verschiedene Weise stattfinden. Der Hinweis auf den Wert des gesamten Tieres ist dabei ein besonders erfrischender Ansatz. „From Nose to Tail“ ist nicht einfach nur ein Buzzword, sondern ein charmanter Hinweis auf die Tatsache, dass Fleisch früher etwas Besonderes war und nur der fette Sonnenkönig jeden Tag Filet vorgesetzt bekam. Das PopUp Fleischkonsum lässt uns an dieser Message auf ganz delikate Weise teilhaben.

Wer das erleben möchte, sollte sich aber etwas sputen. Denn das Fleischkonsum schließt ab dem 23. März erst einmal wieder seine Pforten. Ab Montag, 20. März, habt ihr also noch vier Tage die Möglichkeit auf einen Reservierungsanruf. Es gibt noch verfügbare Plätze. Und der Chef nimmt persönlich ab. Wo gibt’s das schon?

Jeder, der nun neugierig ist, das Gesicht hinter der neuen Fleischgewordenen Vernunft kennenzulernen, dem sei Vincents Soul-Food Kochkurs ans Herz gelegt.

 

Alle Kreationen werden unter Anleitung eines entspannten Experten zubereitet und anschließend bei gutem Wein gemeinsam verspeist.

74€ für Kochkurs, Speisen und Getränke.

Anmeldungen unter 089-5506280 oder muenchen.arnulfpark@designoffices.de

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.