Onkel Ali

Onkel AliJunger Dönerimbiss mit Geschichte

In München einen richtig guten Döner zu finden, kann schnell mal zum kulinarischen Fiasko werden. Ach was freuen wir uns jedes Mal, wenn das Brot aus ner ollen Plastiktüte unter der Theke gezogen wird, darin der gleiche, langweilige Salat landet mit Falafel, die so trocken sind, wie der Humor von Horst Seehofer. Und wenn das Ganze dann noch von der allseits beliebten Joghurtsauce meets "Kräuter der Provence" getoppt wird, würden wir am liebsten unser Geld nehmen und schreiend davon rennen. Aber es gibt da einen Döner Imbiss in München, bei dem man das Herzblut der Macher, ihre Liebe zum Detail und vor allem zu den Lebensmitteln schmecken kann. Onkel Ali hat zwar erst vor einem knappen Jahr eröffnet - aber schon jetzt Geschichte geschrieben. Eine schöne und traurige zugleich.

Seit letztem Juni gibt es den kleinen Dönerladen in der Nähe der Schwanthalerhöhe. Das Gründer-Team: Ali Turgut, Hubert Honold und vier weitere Freunde - alle steckten von Anfang an noch in anderen Jobs. Aber warum eröffnet man einen Laden, wenn man sich eigentlich schon in einem anderen Full-Time-Job befindet? Wer sich ein bisschen mit dem Gastrogewerbe auskennt, der weiß, dass es wahrlich andere Branchen gibt, hinter denen man das große Geld wittern kann. Onkel Ali sollte von Anfang an etwas anderes sein, als die große Geld-Maschine. Es ist die Erfüllung eines Traums - genauer gesagt Alis Traum, bei dem ihn seine Kollegen und Freunde unterstützten. So erzählt uns Hubertus, alias Hubi: „Jeder brachte seine Erfahrungen ein.“ So kommt zum Beispiel ein Mitarbeiter aus Palästina und kennt sich hervorragend mit Falafel und Humus aus. „Aber am Ende basiert das Backen, das Kochen und die Liebe zum Detail auf Alis Rezepten und Ideen.“ 

Am Tag der Eröffnung war Ali der glücklichste Mensch der Welt. Die ersten Gäste kommen rein und er strahlt - so ein Strahlen habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen.

Hubi, Mitgründer von Onkel Ali

Allein dafür habe sich die Mühe und die Belastung durch die zwei Jobs für jeden der Gründer gelohnt. Die Leute kamen einmal. Sie kamen zweimal. Sie wurden Stammgäste. Hubi beschreibt es als das „Ali Phänomen“. "Er wickelte die Dürum, wie man sonst ein kleines Baby wickelt. Den Service und das Herzblut, das schmecken die Kunden. Das ganze Westend hat uns geliebt.“ Die Zeitungen berichteten über diesen ominösen Ali, der es irgendwie geschafft hatte, die triste Dönerwelt in München aufzumischen. 

Er lebt sich mit dem Lokal aus und ist der glücklichste Mensch der Welt. Und von heute auf morgen ist er auf einmal nicht mehr da.

Mitgründer Hubi von Onkel Ali

Es lief immer besser, man könnte fast sagen: genial. Neue Mitarbeiter wurden eingestellt, das Team wuchs weiter. Doch Ende Oktober dann der Schicksalsschlag. In der glücklichsten Phase seines Lebens verstirbt Ali ganz plötzlich, nur ein paar Monate nach der Eröffnung seines Lebenstraums. „Es ist heute noch unfassbar - wir haben den Laden hier hochgezogen für diesen kleinen, liebenswerten Mann. Er lebt sich darin aus und ist der glücklichste Mensch der Welt. Und von heute auf morgen ist er auf einmal nicht mehr da.“ Über das Geschäftliche hinaus sitzt der Schock im Team tief - die fünf Jungs verband immerhin auch schon vor dem Lokal eine tiefe Freundschaft. Keiner wollte glauben, was passiert war. Und natürlich stellte sich nun die Frage, ob das Geschäft weiter am Leben erhalten bleibt oder nicht. Schließlich hatten alle noch einen anderen Job, dem sie nach wie vor nachgingen. 

Wir wussten, wir müssen weitermachen und seinen Traum am Leben erhalten.

Hubi von Onkel Ali

Doch schon alleine wegen der ganzen Kraft, die das Projekt gekostet hatte, für die Idee, die Freundschaft zu Ali und die Stammgäste, wollte das Team nicht aufgeben. „Wir wussten, wir müssen weitermachen und seinen Traum weiter am Leben erhalten“, erzählt uns Hubi. Also zogen die Jungs durch und bissen sich durch diese schwierige Zeit. Erst kürzlich wurden sie von Radio Gong zur besten Dönerbude Münchens gewählt - wohlverdient, wie wir finden.

Selten hatten wir ein so fluffiges und vor allem frisch gebackenes Dönerbrot in der Hand, selten die Auswahl aus so vielen, verschiedenen Saucen. Und darum sagen wir: Onkel Ali, du kannst stolz sein auf deinen Laden! Und gemessen daran, wie viele leckere Döner hier jeden Tag über die Theke gehen, wird es ihn noch lange geben.

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt hat mehr Platz zum Tanzen.