NordSüd

NordSüdKüchen-Kreuzung zweier Himmelsrichtungen

Momentmal… "fusion kitchen", den Begriff hört man ja jetzt ständig. Aber dass sich das Ganze auch mit der guten, alten Hausmannskost umsetzen lässt, war uns bisher neu. Genau so passiert's aber gerade in Schwabing. Jörn, seine Frau Constanze und Kumpel Karsten haben sich nichts Geringeres vorgenommen, als den alt eingesessenen Kultplace "Drugstore" neu zu erfinden. Der in goldenen Lettern über dem Lokal prangende Name NordSüd ist auch hinter der Eingangstür Programm: eine lässige Kombi der besten und beliebtesten Speisen aus beiden Himmelsrichtungen. 

Dass die Klassiker wie Matjes mit Spiegelei und Schweinekrustenbraten auf der anderen Seite alle handgemacht und immer frisch zubereitet sind, versteht sich von selbst. In der Küche steht schließlich kein Grünschnabel, sondern der Berliner TV Koch Benno Ullrich. Und: die Gründer sind in Sachen Astronomie ebenso erfahren. 2013 eröffneten Karsten und Jörn die erste Hamburgerei, 2015 kam das zweite Lokal in der Einsteinstraße dazu. Jörn selber kennt sich mit Hamburgern sogar im doppelten Sinn gut aus - er kommt nämlich ursprünglich aus Hamburg. Seine Frau Constanze ist gebürtige Münchnerin. „Da lag es nahe, dass wir die Einflüsse zusammenfließen lassen und damit das beste aus beiden Welten zusammenbringen“, erklärt Karsten, der Dritte in der Erfolgs-Kombo. 

50 Jahre waren die alten Pächter im Drugstore. Und hatten das Lokal zu einem echten Kultplace gemacht. Ein schweres Erbe, das Karsten und Co. da antreten. „Es ist natürlich schwer, einer so historischen Location völlig neuen Inhalt zu geben“, sagt er. Draußen hängen immer noch (oder besser gesagt nach der Renovierung wieder) die Schilder des Drugstores. Das muss so, denn sie sind Denkmal geschützt, erklären uns die Gründer. Auch sei es eine Voraussetzung für sie gewesen, charakteristische Interieur-Details wie beispielsweise die Beleuchtung zu erhalten. Auch den innenliegenden Kiosk an der Treppe zum Theater Heppel und Ettlich gibt es noch. Trotzdem: Das NordSüd-Team ist angetreten, den Heilgen Hallen einen neuen, jungen und damit ganz anderen Charakter zu verleihen. Und das schlägt sich vor allem in der Speisekarte nieder.

Klassiker aus beiden Regionen wie zum Beispiel deftiger Grünkohl und Königsberger Klopse, sowie Leberkäs und Bayrisch Creme werden hier frisch interpretiert. Und wer keine Lust auf Hausmannskost hat, der zieht sich eben einen saftigen Burger rein (unser Liebling ist übrigens der "Perser" mit Chuthney, Humus, Gurken-Joghurt und karamellisierten Zwiebeln). In der direkt angrenzenden Hamburgerei. Optisch erkennt man schnell wo die Grenze ist, auch wenn der Übergang fließend gestaltet ist. Bestellen könnt ihr alles, egal wo. „Die beiden Bereiche sollen sich bereichern und beleben“, erklärt Karsten. Den Vorwurf ein „Hipsterladen“ kreiert zu haben, weisen die Gründer aber entschieden zurück.

Sie wünschen sich ein ganz gemischtes Klientel - die Burger Esser sitzen hier neben den Wein-zum-Grünkohl-Fans. „Genau dafür steht Schwabing ja auch“, sagt Mitgründer Karsten. „Dass hier ganz unterschiedliche Menschen mit den verschiedensten Hintergründen zusammenkommen und dadurch eine ganz besondere Atmosphäre entsteht.“

Immer wieder kommen Leute rein, die genau dieses alte Schwabing erlebt haben und die es selber verkörpern. „Sie erzählen uns dann von den legendären Abenden im Drugstore“, sagt Karsten. Als Leute wie Mick Jagger, Romy Schneider und andere Koryphäen der Popkultur hier ihre Drinks schlürften. Zusammen mit Leuten wie du und ich. Bei all den hohen Erwartungen, die an sie gestellt werden, gehen die Komplimente, die die NordSüd Crew zu ihrem neuen Schwabinger Baby bekommt, natürlich runter wie Öl. Sommelier Guido Walter: „Besonders über unsere Weinauswahl äußern sich die Gäste sehr positiv, das freut uns natürlich sehr.“ Wer dem NordSüd also mal "Ahoi und Servus!" sagen möchte, der sollte also wohl nicht unbedingt mit dem Auto anreisen. 

Pics by Frank Achim Schmidt & Geheimtipp München School of Photography.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.