Nachhaltigkeit durch zeitlose Mode

Nachhaltigkeit durch zeitlose ModeFünf Geheimtipps zu Fair Fashion von der Modedesignerin

Dass Fast Fashion unserer Umwelt nicht gut tut, wissen wir eigentlich alle. Doch welche Alternativen gibt es? Nachhaltige Mode heißt längst nicht mehr Filzpantoffel und Batikmuster. Die Münchner Modedesignerin Leonie Isabel Appels hat sich mit ihrer eigenen Brand Liapure nicht nur einen Traum erfüllt, sondern setzt auch zeitlose und Basic-elegante Mode nachhaltig und lokal um. Wir haben sie in ihrem Atelier am Viktualienmarkt besucht und haben seitdem das Bedürfnis, unseren kompletten Kleiderschrank auszumisten und auf Fair Fashion umzustellen. Aber wie erkennt man eigentlich als Kunde, welche Mode wirklich nachhaltig produziert wurde? Was sind die Anzeichen für Green Washing? Und: Welche konkreten Tipps helfen mir, wenn ich meinen Modekonsum verantwortungsvoll umgestalten will?

Gründerin Leonie vor ihrem Atelier © Liapure

Tipp 1: Wer zeitlose Designs wählt, hat länger was davon

Leonie wusste schon früh, dass sie etwas Kreatives machen will. Die Entscheidung fiel schlussendlich zwischen Modedesign und Architektur. In Berlin studierte die Münchnerin an der Modeschule ESMOD Design. Nach einigen Jahren Arbeitserfahrung bei verschiedenen Brands in Hamburg und Italien fehlte der 28- Jährigen nur noch die Businesserfahrung. Diese holte sie in einem Masterstudium in Mailand nach. Danach gründete sie ihre Firma Liapure. Zusammengesetzt aus ihren Initialen und dem englischen Wort „Pure“, bekommen wir schon einen guten Überblick über ihre Designs. Persönlich und pur. „Mir ist es wichtig, Mode zu machen, die zeitlos und langlebig ist. Denn auch das macht sie nachhaltig: Wenn sie nächstes Jahr genauso getragen werden kann, wie dieses. Deshalb muss auch die Qualität wirklich gut sein. Ich arbeite mit Modal, Tencel und anderen innovativen Stoffen. Meine Verpackungen werden mit Soja gefärbt und die Etiketten sind recycelt.“ Wert legt Leonie auch darauf, dass die Transportwege kurz sind. Daher produziert sie ausschließlich in Deutschland. „Wir Deutschen können sehr gut Mode machen und haben viele kreative Köpfe. Deshalb sollte man lokale Produkte unterstützten. All das macht natürlich einen höheren Preis als bei Fast Fashion Labels. So zahle ich alleine bei meinen Stoffen wegen der kleinen Mengen 40% Aufschlag beim Großhändler. Aber man hat dadurch einen ganz anderen Bezug zu der Mode.“

Pur... © Liapure

... lokal produziert ... © Liapure

... nachhaltig ... © Liapure

und zeitlos. © Liapure

Tipp 2: Mode wertschätzen, statt billige Kleidung kaufen

Bei all dem hat Leonie in keiner Minute in Frage gestellt, ob sie nachhaltig arbeiten will - das war für sie immer schon selbstverständlich. „Wenn man heutzutage eine Brand gründet und es nicht nachhaltig macht – das geht nicht, es sollte eine Grundvoraussetzung sein.“ Auch das Marketing legt sie nicht nur auf die Nachhaltigkeit an. Für sie sollte das jede Marke als Identitätsmerkmal und nicht nur als Werbeinhalt haben. „Ich könnte nicht dahinterstehen, würde ich mit Plastikstoffen und Produktionen arbeiten, die Hungerlöhne bezahlen.“ Abheben will Leonie sich vor allem von Fast Fashion. „Dadurch haben wir eine Wegwerfmentalität bekommen und die Wertschätzung des Produkts vollkommen verloren. Mode ist auch nicht mehr Mode, sondern nur noch Kleidung. Klar kann man nicht alles komplett umkrempeln, aber man kann seinen Teil dazu beitragen.“

Blumenmuster an den Krägen - Natur in den Designs © Geheimtipp München

Tipp 3: Nachhaltige Basics mit günstigen Teilen kombinieren

Bei ihrer eigenen Gründung hat Leonie trotzdem gezweifelt. „Ich habe mir lange überlegt, überhaupt eine Brand zu gründen, denn der Markt ist übersättigt. Aber ich finde, man muss dagegen arbeiten und seinen eigenen Teil dazu beitragen, dass es sich ändert.“ Laut Leonies Einschätzung interessieren sich viele Leute für nachhaltige Produkte und beschäftigen sich damit. Kaufen würden sie sie aber trotzdem nicht. „Das ist erschreckend. Das Umdenken ist zwar da, aber die Mehrheit kauft dann doch wieder wie gewohnt ein. Wir sind aber auf einem guten Weg.“ Ein Tipp der Expertin darum: eine gesunde Mischung finden aus Massenbrands und nachhaltiger Mode. Zum Beispiel einfach mal ein paar nachhaltige Basics einfließen lassen und die mit den günstigeren Kleidungsstücken kombinieren. Auch deshalb hat Leonie sich dazu entschlossen, sich vor allem auf Basicmode zu konzentrieren. Zwar macht sie pro Saison auch eine stark limitierte Kollektion, in der sie sich kreativ auslebt – ihrem Farbschema schwarz, weiß und beige bleibt sie jedoch trotzdem treu. Und das alles tut sie in ihrem Hinterhof-Atelier am Viktualienmarkt.

Leonie bei der Arbeit an ihren Designs © Liapure

Auch Hund Charly genießt das Atelier © Geheimtipp München

Stoffe, Schnitte und Skizzen - alles Teil von Leonies Arbeit © Geheimtipp München

Tipp 4: Modesünden identifizieren und eliminieren

Und wie schätzt die Expertin das Modeempfinden der Münchner ein? „In München gibt es viele modische Leute. Klar, in anderen Ländern gibt es ein größeres Interesse an Mode. Aber ich höre oft, dass es hier innerhalb Deutschlands die bestangezogendsten Menschen gibt. München ist einfach meine Stadt. Es war für mich so schnell klar, dass ich wieder zurück will. Und ich glaube auch, dass München als Base für eine nachhaltiges Unternehmen wie meins die perfekte Stadt ist“, erzählt uns Leonie. Die größte Modesünde der Münchner in Leonies Augen ist und bleibt aber das Polohemd mit großem Logoprint.. „Schrecklich, wirklich", lautet ihr knapper Kommentar.

Eine Nähmaschine darf bei keinem Modedesigner fehlen © Geheimtipp München

Tipp 5: Den eigenen Stil finden

Aber das Schöne an Mode sei ja, dass man so viel damit ausdrücken könne, fügt die Fair Fashion Expertin hinzu. "Mode gibt uns Power. Sie zieht uns nicht nur an, sondern macht etwas mit unserer Psyche. Durch Kleidung kann man sich vollkommen verändern.“ Ihre Inspiration nimmt Leonie aus jeder Ecke ihres Umfelds, aber vor allem aus der Natur. Deshalb zieren auch Blumenmuster einen ihrer Krägen und ist in einem Kleid wiederzufinden. So oder so, wir sind fasziniert von der Einfachheit, Schlichtheit und nachhaltigen Eleganz, die ihre Kollektion mit sich bringt und schaffen gerne einiges an Platz für nachhaltige Basics. Sicher ist auch das ein oder andere Teil von Liapure dabei. Und dann wird fröhlich kombiniert. Mit kleinen Schritten zum nachhaltigen Kleiderschrank - wir gehen's an! Ihr auch?

Nachhaltige Beauty in München

Fünfmal natürlich schön, von Friseur bis Facial

Bilder von Sarah Langer für Geheimtipp München und von Liapure.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Sarah Langer

Sarah ist ein echtes Münchner Kindl. Heißt: „Gmiatlichkeit” hat für sie oberste Priorität. Ihr Herz schlägt für Electro-Funk-Musik und Weinschorle. Bar oder Berge, Currywurst oder Salat, Hund oder Katze – festlegen gehört definitiv nicht zu ihren Stärken. Dafür aber Kreativität, Lebensfreude und ein guter Schuss Sarkasmus.