Stefan Weiss

Stefan WeissSchwabinger Autor und Mai Tai Mönch

Mal ehrlich: wer geht jeden Tag zur Arbeit und fragt sich: warum mache ich eigentlich das und nicht etwas ganz anderes? Wiederum andere leben mit einem Menschen zusammen, mit dem sie nicht viel mehr teilen als das Bett. Oder sie wohnen in einer Stadt, die sich für sie nicht nach Heimat anfühlt. Und es wohl auch nie tun wird. Warum ist das so? Warum bleiben wir viel zu oft einfach dort liegen, wo uns das Leben hinspült? Aus Angst, Trägheit, Mutlosigkeit? Vielleicht alles zusammen? Eine Antwort auf diese Frage hat auch der Schwabinger Autor Stefan Weiss nicht. Aber er hat eine Mission: selber authentisch leben. Und anderen Mut machen, das auch zu tun. Ein Thema, das anscheinend nicht nur bei Münchnern gut ankommt. Seine bisherigen Lesungen waren alle proppenvoll und sein Buch „Der Mai Tai trinkende Mönch“ klettert auf der Amazon-Bestseller-Liste weiter nach oben.

Mit jugendlichen 21 Jahren ein Restaurant eröffnet, danach ein Unternehmen für spezielle Kameratechnik gegründet, dann zum Trainer für große Businesskunden geworden und jetzt zusätzlich noch Autor. Der Mangel an Erfolg war es nie, der Stefan Weiss zur Veränderung gebracht hat. Im Gegenteil, die von ihm entwickelte Hochgeschwindigkeitskamera Weisscam ist heute noch im Einsatz, von Hollywood bis Bollywood. Nein, es war einfach Stefans innere Stimme, seine Überzeugung, die ihm sagte: das ist noch nicht deine Bestimmung, fang etwas anderes an! Und das tat er auch, mehrfach. Immer mit dem Hintergedanken „authentisch“ leben zu wollen - in einem Alltag, den er für sich selber gewählt hat, weil er ihn erfüllt. In einem Berufsbild, das es so eigentlich gar nicht gibt. „Ich bin einabsoluter Autodidakt. Und ich sehe mich eher als Trainer, der den Leuten Impulse gibt. Was sie daraus machen, ist ihnen selbst überlassen.“

Die meisten Menschen seien sich einfach nicht im Klaren darüber, wie selbstbestimmt sie eigentlich sind, sagt Stefan und erzählt von einem üblen Fall von Burnout: ein Geschäftsmann, den es so umgehauen hat, dass er nicht einmal mehr sprechen konnte. „Das ist ein Symptom beim Burnout, Wortstörungen. Als es ihm wieder etwas besser geht, stellte sich heraus: er hasst seinen Job. Sein ganzes Leben lang schon. Ist das nicht unglaublich? Ein Mann, der sein Geld mit etwas verdient, das er eigentlich furchtbar findet?!“

Tatsächlich unglaublich finden wir, aber leider sind das Geschichten, die man aus dem eigenen Bekanntenkreis kennt. Oder sogar selber erlebt (hat). Dabei zwingt uns ja niemand zu leben wie wir leben. Sondern wir kommen im Tunnel unseres Alltags vielleicht gar nicht erst darauf, die Scheuklappen abzulegen und einfach mal nach rechts und links zu schauen. „Dabei musst du dir nur die richtigen Fragen stellen und ein bisschen über dich selber nachdenken", meint Stefan.

Wer authentisch ist und lebt, kann die folgenden drei Fragen mit ja beantworten:

Sage ich was ich denke?
Tue ich was ich sage?
Will ich was ich tue?

Wer vor allem die letzte Frage nicht positiv beantworten kann, sollte sich vielleicht mal Gedanken machen, schlägt Stefan vor. „Denn zum Zufriedensein gehört ja, dass ich mir selbst treu bleibe.“ Oft höre er dann in seinen Trainings: „Für eine  Veränderung muss man sehr mutig sein!“ Was er darauf erwidert? „Ich finde es eher mutig, sich nicht zu verändern und damit sein Leben lang unglücklich zu bleiben. Wenn du dir die richtigen Fragen nicht selber stellst, stellt sie dir dein Körper irgendwann.“ Siehe die Geschichte vom sprachlosen Manager.

Im Gegensatz zu den Geschichten, die der Schwabinger Autor und Trainer im Berufsalltag erlebt, sind die Geschichten in seinem neuen und ersten Buch erfunden. Grundlage für alle: die Lehre der Authentizität, die er auch in seinen Seminaren vermittelt. Der rote Faden: der freundliche Mönch Kenzo, der aus einem inneren Bedürfnis heraus sein Kloster verlässt, um in die Welt zu ziehen und in einer Bar bei diversen Gläsern Mai Tai immer anderen Typen von Menschen freundlich und sensibel ihre Fragen zum Leben beantwortet.

Wer ein fiktionales Feuerwerk an Finten, Verstrickungen und konfliktbuösen Höhepunkten erwartet, der sollte lieber zum neuen Schinken von Dan Brown greifen. Stefan Weiss schreibt kurze Geschichten, in denen jeder Protagonist nur einen Auftritt bekommt und somit keine Charakterentwicklung stattfindet. Es geht vielmehr um die Frage, die jeder von ihnen stellt. Ziel des Buchs nicht etwa Unterhaltung, sonder der Anreiz zum Nachzudenken. Klingt alles etwas philosophisch. Ist es auch. Aber eben an ganz praktischen und konkreten, wenn auch fiktiven Beispielen erzählt: die ältere Frau mit der Frage über die Zeit, die Psychologin mit der Frage zur wahren Liebe, der Geschäftsmann mit der Frage über Erfolg usw.

Das Thema Authentizität und im weitesten Sinne Selbstfindung hat Stefan nicht etwa gewählt, weil er das als Trend sieht auf den er aufspringen wollte. „Sondern weil das mein Lebensthema ist. Ich hab immer schon selber versucht so authentisch wie möglich zu sein und zu leben.“ Darum habe er sein Buch auch innerhalb kürzester Zeit aus dem Bauch heraus geschrieben. Ein Buch, das für viele Leute den Nagel auf den Kopf trifft. Denn Weiss Lesungen Ende des Jahres wurden so gut angenommen, dass weitere in Planung sind. Und seit der BR über ihn und sein Buch berichtet hat, klettern die Verkaufszahlen in die Höhe. Das Skript für das zweite Buch liegt bereits beim Verlag. „Die Zuschriften, die ich bekomme, motivieren mich sehr zum Weiterzumachen,“ sagt er.

Lesung und Klassik

Stefan Weiss und seinen Mai Tai trinkenden Mönch könnt ihr am 16. März in der Orangerie kennenlernen. In den schönen Hallen wird Stefan aus seinem Buch lesen und davor und danach von drei Streichern begleitet. Der Eintritt auf Spendenbasis beträgt 15 Euro. Da ist dann natürlich auch ein Mai Tai für euch drin. Mehr Infos gibt's bei Facebook.

Da wäre zum Beipiel die junge Münchnerin, an Magersucht erkrankt, die Stefan per Mail schrieb: Sein Buch habe ihr gezeigt, dass sie etwas ändern müsse. Oder die junge Frau, die den Inhalt des kleinen Büchleins so erzählenswert fand, dass sie es für ihre ausländische Freundin komplett ins Englische übersetzt hat. Diese Geschichten erzählt Stefan nicht ohne Stolz. Und stolz kann er auch sein. Ist er doch auf dem Besten Weg, selber zu dem freundlichen Mönch aus seinem Buch zu werden. Jemand der offensichtlich ganz in sich selbst ruht, und der auf ganz unaufdringliche und sympathische Weise andere Menschen inspiriert. Wir können nur hoffen, dass auch er wie sein Protagonist immer einen Barkeeper findet, der ihm einen guten Mai Tai kredenzt. Aber so bekannt wie Stefan in der Münchner Gastroszene ist, sollte das wohl kein Problem sein.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.