Münchner Kindl Michael Wiethaus

Münchner Kindl Michael Wiethausaka. „der Mixen“

Wenn nach der ersten Halben in der Boazn um die Ecke das Grantln beginnt, kommt beim biergetränkten Kauderwelsch der Tresengäste selbst der ein oder andere Ur-Bayer in Punkto Verständlichkeit so manches Mal ins Schwitzen. Doch auf bayrisch ratschen scheint grad’ nicht nur alltagstauglich, sondern vielmehr absolut IN zu sein. Dialekt-Typo ziert Hoodys, Caps und eigentlich alles, was sich sonst noch so bedrucken lässt. Michael Wiethaus alias „der Mixen“ (34) kommt aus einem kleinen Kaff bei Markt Schwaben und ist quasi direkt im Dialekt-Sumpf großgeworden. Vor acht Jahren kam er nach München und wurde selbst oft nur mit großen Fragezeichen angeschaut, wenn er in Bars die Dialekt-Keule ausgepackt hat. Die Auszüge aus den feucht-fröhlichen Boazn-Talks hat er über die Jahre fein säuberlich im kleinen Notizbüchlein gesammelt. Heute ist Mixen freischaffender Grafiker und hat den Kult um die bayrische Sprache neu aufgemischt und zu Papier gebracht. Mit Inszenierungen von Sprüchen wie „da ganze Bua a Depp“ oder Begriffen mit Lokalkolorit wie „der Butter“ (für alle Zugereisten: auf Bayrisch heißt es nicht "die" Butter!) lockert er die Kontroverse zwischen Kult-Dialekt und Kunst auf.

Doch bevor er überhaupt zur Kunst gekommen ist, hat er erst einmal mangels Alternativen - ganz bodenständig - `ne Ausbildung zum Energieelektroniker absolviert. Nach seinem Gesellenjahr bei der Bahn war aber klar: Das ist nicht seine Welt. Nächster Halt: Landschaftsarchitekturstudium. Zwischendrin immer wieder jobben in der elterlichen Gärtnerei. Allerdings dauerte auch diese Reise nur vier Semester. Nach versemmelter Drittprüfung hieß es für Mixen: alles zurück auf Anfang. Was Neues musste her und ein Grafikdesign-Abendstudium an der Ifog Akademie sollte es werden. Derzeit arbeitet er freiberuflich als Grafiker, doziert an der Ifog, steht einmal die Woche im SHRN Skateshop, für deren visuellen Auftritt er verantwortlich ist und verkauft dort Boards und Klamotten.

Das ich mit den Sachen, die mir Spaß machen, Geld verdienen kann, ist das Geilste daran. Ein Projekt [als das Beste] rauszuheben wäre nicht fair - es ist die Summe von dem Ganzen!

Mixen

Besonderen Hype geniessen dabei allerdings seine Plakate mit bayrischen Kult-Sprüchen. Die hängen mittlerweile quer durch die Stadt verteilt in Büros, Bars und schmücken auch die Wände so manch einer privaten Wohnung. Dabei war der Ursprung der Idee eigentlich alles andere als geplant. Vielmehr wurde aus der Not mal wieder eine Tugend gemacht, als es darum ging bei einer Ausstellung die überkalkulierte Fläche doch noch auf die Schnelle mit Plakaten zu füllen. Die Auszüge aus Boazn-Talks hatte Mixen zuvor immer wieder in seinem Notizblock gesammelt und dann kurzerhand mit schwarzem Marker auf’s Papier gebracht. So einfach die Idee, so pragmatisch ihre Umsetzung und so catchy das Ergebnis. Vor rund einem Jahr hat Michael sein Container-Office im angesagten Werksviertel-Komplex am Ostbahnhof bezogen. Wenn er nicht im Skateshop hinter’m Tresen steht, ist er meistens in seiner Werkstatt anzutreffen. Einen Auszug seiner Arbeiten und die neusten Projekte findet ihr online auf seiner Website oder seinem Instagramaccount

Geplant war das Ganze eigentlich nicht und jetzt hängt’s Zeug halt überall rum. Läuft, glaub ich.

Mixen

Von der Kunst alleine leben geht noch nicht - ist aber auch gar nicht Michaels Plan. Die Abwechslung macht für Mixen die Essenz aus und so hält er es auch, wenn es um seine Projekte geht. So spiegelt sich seine große Leidenschaft, der Fußball, immer wieder in seiner Arbeit wieder und hat sowohl beruflich als auch privat einen großen Einfluss auf ihn. Die Wochenenden spielen sich bei Mixen nicht selten im Stadion oder auf dem Rasen ab. Und der Spieltagsmarathon durch die Londonder Fußballstadien in der Weihnachtswoche, wenn hier mehrfach täglich Partien ausgetragen werden, ist jedes Jahr ein Muss für Mixen. Die Spiele guckt er lieber live als im TV an und so treibt es ihn regelmäßig nach Giesing ins Stadion zu seinen '60ern. 

„Mixen“

ist ein Spitznamenrelikt aus Schulzeiten mit `zig Michaels in der gleichen Klasse. Long story short - war er mit thailändischen Wurzeln bei den Dorf-Bayern „Mischlingskind“, der Mixen eben.

Ich bin jetzt 34, da muss man auch ab und an Mal ein bisschen weiter denken - so an Frau, Kind, Altersvorsorge und so `n Scheiß.

Mixen

Das viel zu häufig unterschätze Giesing, dem immer noch völlig zu Unrecht der Ruf des rauen, tristen Arbeiterviertels nachhängt, ist hier in München neben der Maxvorstadt seine zweite Heimat. Hier schlägt sein Herz, hier fühlt er sich zuhause. Umziehen oder gar die Stadt verlassen? Kommt für Mixen nicht in Frage! Dafür nimmt er auch weiterhin uferlose Staffelmietpreise und den Döner für 4 Euro in Kauf. Wo es mit seiner Kunst noch hingehen soll? Das sieht er locker und genießt die Reise. In diesem Sinne - Hakuna Matata. Servus Mixen!

Bock auf mehr?!

Wer die Arbeiten von Mixen mal live sehen möchte, der sollte unbedingt im Wirtshaus Obacht in der Maxvorstadt vorbeischauen. Beim Betrachten der Werke könnt ihr es euch dort auch in Sachen "deftige Künste" ordentlich gut gehen lassen... Prösterchen!

Für Illustranstionsanfragen: servus@michaelwiethaus.de

Miles Köhler

Miles - mit dem Herz auf der Zunge und dem Bass im Ohr, tanzt sich unser ehemaliges Hauptstadtkind munter durch Münchens Elektroclubs. Von Kopf bis Fuß in schwarz - aber mit 'ner großen Portion Konfetti, bitte! Auf der Suche nach dem kleinen Hauch Berliner Luft im Augustinerland und dem Tofu-Steak im Weißwurst-Heaven.