Münchner Kindl Christian Ude

Münchner Kindl Christian UdeZu Besuch beim Alt-OB

Was wäre Christian Ude geworden, wenn nicht Oberbürgermeister? Seine Antwort: „Das war eine der frühsten Entscheidungen meines Lebens... richtig reizvoll ist NUR Oberbürgermeister!“  Da wollte jemand als Kind ganz offensichtlich KEIN Lokomotivführer werden. Wie stark es einen Menschen mit seiner Stadt verbindet, wenn er das ganze Leben nach dem einen großen Berufswunsch ausgerichtet, durften wir bei einem Treffen mit unserem Alt-OB erfahren. Wo? Bei ihm zuhause. 

Wenn man kein eitler Affe ist, geht man weder zum Theater noch zum Film, geschweige denn in die Politik.

Christian Ude

Wer sich über Ude informiert und über seine etwaigen Vorberufe ließt, könnte glauben, dass da doch durchaus andere Lebenswünsche existierten, als die Bürde eines hohen politischen Amtes. Dieser Vermutung gibt Ude in unserem persönlichen Gespräch allerdings sofort Gegenwind. Als Journalist habe er bloß die Stadt noch besser kennenlernen und erforschen wollen. Das Jurastudium mit anschließender advokatischer Praxis sei die nötige handwerkliche Vorbereitung auf die Zukunft im Amt gewesen. Klingt plausibel. Denn: Man sollte ja schon wissen, wie man seine eigenen Ideen rechtlich durchsetzen kann, um sie im Anschluss auch fundiert absichert. Hört sich aber auch nach trockenem, kalkulierten Masterplan an? "Nö", findet unser Alt-OB. Stattdessen: einfach nur fokussierte Zielverfolgung. Bei all dem durfte und darf aber eins für Ude nie fehlen: Humor!

Schon zu Amtszeiten war sich Christian Ude nicht zu schade, sich auf der Bühne "zum Affen zu machen". Naja ok, nicht jeder Kabarettist macht sich gleich zum Affen. Aber von ihm stammt ja immerhin das Zitat: "Wenn man kein eitler Affe ist, geht man weder zum Theater noch zum Film, geschweige denn in die Politik. Mir sind Menschen unheimlich, die das bestreiten". Wir finden: Das ist schon einmal mehr Ehrlichkeit, als in politischen Gefilden meist zu erwarten ist. Dann darf man auch als Reich-Ranicki auf der Bühne rumalbern ohne ein anbiedernder Pseudo-Witzbold zu sein. Ein bisschen Schauspiel gehört im Leben ja fast immer dazu. In der Politik vielleicht erst recht.

Als Radfahrer frage ich mich immer: Gibt's trifftige Gründe, wirklich jetzt stehenzubleiben nur weil die Ampel rot ist?!

Christian Ude

Und er liefert bei unserem Besuch ein weiteres sympathisches Zitat, dass auf einen manchmal mangelnden Konventionswillen des Alt-OBs hinweist - und ihn zugleich mit vielen von uns vereint: „Wenn wir das Bein über den Sattel werfen und den Drahtesel besteigen, werden wir alle zu Anarchiste. Das hab ich auch im Selbstversuch festgestellt. Als Radfahrer frage ich mich immer: Gibt's trifftige Gründe, wirklich jetzt stehenzubleiben nur weil die Ampel rot ist?!“ Naja zugegeben, dieses Phänomen ist in München vielleicht seltener zu beobachten, als in Berlin... und übrigens auch seltener als dem Autor dieses Artikels lieb ist. Aber auch hier zeigt Ude die Fähigkeit zur Selbstironie, die die Polotik in der heutigen Zeit leider so völlig verloren hat. Ein Beispiel für einen heute noch aktiven Politiker mit humoristischen Fähigkeiten fällt tatsächlich nicht einmal unserem Gesprächspartner ein. Schade eigentlich... findet auch Christian Ude selber, sagt er.

Zuletzt bleibt noch die Frage ob man nach 24 Jahren als Stadt-Alphatier und einer Lebzeiten als München-Liebender trotzdem manchmal etwas an seiner Heimat vermisst. „Wenn ich eine Münchner Eigenschaft nennen müsste, an der es fehlt, dann ist es die fränkischen Bescheidenheit. Mit der haben wir es nicht", lacht unser ehemaliger OB. Also liebe Leser: beim nächsten Mal bitte die G-Klasse einfach in der Garage lassen und stattdessen ein bissl Radl-Anarchie walten lassen... 

Was uns aber vor allem klar wird, als wir aus Christian Udes Küche (aka sein einem seiner Arbeitszimmer) spazieren: 24 Jahre Bürgermeister, davon 21 als Oberbürgermeister der Stadt, bringen so einige Insights und Anekdoten mit sich, die einzigartiger nicht sein können. Der Kommunalpolitiker hat im Normalfall halt einfach eine wesentlich größere Bindung - sowohl zu seinen Wählern, als auch zu seinem Metier. In dem Fall also: zur Stadt. Dass einem als Stadtoberhaupt diverse Geschichten - auch absurder Natur - über den Weg laufen, ist klar. Wenn sich dieser unendliche Fundus an unterhaltsamen Anekdoten und das Herz für die Heimat noch mit musischer Erzählgabe paaren, ergibt das den wohl qualifiziertesten Cityguide aller Zeiten!

Heraus darf das ganze Entertainer-Talent bei Christian Ude nicht nur bei seinen Auftritten als Kabarettist u.a. im Prinzregententheater. Sondern auch bei der nächsten Hacker-Pschorr Spezltour Ende Juli. Wir werden für euch dabei sein und euch die München Hotspots und Anekdoten unseres Al-OBs in Bild- und Textform kredenzen. Also: see you soon, Christian! Wir freuen uns drauf!

Christian Udes Spezltour

So könnt ihr dabei sein!

Zusammen mit Hacker-Pschorr verlosen wir Plätze für den exklusiven Tagesausflug mit Hopfensupport durch Schwabing und die Altstadt am 26. Juli! Wie easy du teilnehmen kannst, erfährst du in dem Post zum Artikel auf unserem Geheimtipp München Facebook-Kanal. 

Pics by Thomas Tomski.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Hacker-Pschorr entstanden.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.