Münchner Kindl Moritz Butschek

Münchner Kindl Moritz ButschekEin Treffen mit einem erfrischend bodenständigem DJ

Wir alle kennen sie, die großen DJs à la David Guetta, die sich hinter dem DJ-Pult selbstinszenieren und meinen, kluge Sprüche durch ein Mikrofon zu brüllen. Sie werden damit von vielen als lustige Hobbyanimateure belächelt. Naja, eines können sie auf jeden Fall – ordentlich feiern. Und zwar am besten sich selbst. Aber auch DJs, die bei weitem keinen derartigen Bekanntheitsgrad haben, nutzen die Gunst eines zwei Stunden Sets, um das geringe Selbstwertgefühl durch eine „atemberaubende“ Show für ihre „Fans“ ein bisschen aufzupeppen. Instagram und Facebook sei Dank, kann man sich das Ganze die darauffolgenden Tage bis zum nächsten Wochenende immer und immer wieder zu Gemüte führen. Herrlich! Moritz Butschek ist anders. Wer den München DJ kennt, weiß: der 25-Jährige will mit seinen Sets überzeugen. Und nicht durch wildes Rumgehampel vor den Clubbesuchern.

Er wirkt stets zu 100 Prozent konzentriert, nur selten weicht sein Blick beim Auflegen in die Menge. Schüchtern, könnte man fast sagen. Jedenfalls ist er keiner, der die Selbstinszenierung liebt oder braucht. Sein Fokus liegt klar darauf, lieber ein gutes Set zu spielen. Und wer Moritz Butschek schonmal live gesehen hat, der weiß – das kann er ziemlich, ziemlich gut. Aus dem Nachtgeschehen Münchens ist er mittlerweile nichtmehr wegzudenken. Dabei hat damals alles ganz unvermittelt begonnen.

Ich hab das erste Mal im Club geübt, vor Publikum. Da wusste ich noch nicht einmal, wie all diese Geräte alle funktionieren!

Moritz Butschek

Seine ersten Übungsstunden hatte er nicht Zuhause, sondern direkt in der ehemaligen Blumenbar vor über 500 Gästen. Es war die Gründungsparty seines Blogs „Two in a Row“, den er bis heute mit Angelika Schwarz betreibt. Auflegen sollte der Gründer selbst – nur wusste der bis zum Tag der Party nichts davon. Man muss dazu sagen: Moritz stand zuvor noch nie an einem DJ-Pult! „Ich hab das erste Mal im Club geübt, vor Publikum", erinnert sich Moritz. "Da wußte ich nicht einmal wie all diese Geräte funktionieren. Es waren mindestens 500 Leute da. Vor denen habe ich quasi „All Night“ geübt.“

Und so hört sich das dann an...

Ein einstündiger Crashkurs und los ging`s – sicher nicht der übliche Weg und er gibt selber zu: Die Übergänge waren durchaus ausbaufähig. Weitere Blogpartys folgten – immer mit Moritz als Act. Sechs Jahre ist das jetzt her und der Münchner legt mittlerweile nicht nur in zahlreichen Clubs dieser Stadt auf, sondern auch auf mehreren Festivals und dem Sisyphos in Berlin. Wer den Club kennt, weiß: in der Hammerhalle oder dem Wintergarten legen sie auf, die ganz Großen. Hier nur kurz ein Auszug der Residents: Juli N. Moore, Foolik, Leon Licht. Als Resident konnte sich Moritz mittlerweile auch schon mehrfach bezeichnen – zwar nicht im Sisyphos, aber im Harry Klein, der Blumenbar, dem Pimpernel und derzeit bei Wannda. Also – wer sich selbst von seinem Können überzeugen will oder das schon getan hat, der hat im bunten Zirkuszelt gerade die besten Chancen. 

"Es gibt immer den einen Betrunkenen, der seinen kompletten Gin Tonic über alle Platten schüttet. Und dann kannst du Zuhause die Hälfte der Cover wegschmeißen.

Moritz Butschek

Der 25-Jährige kann mittlerweile gut von dem Auflegen und seinem Blog leben. Außerdem arbeitet er unter der Woche bei dem Plattenlabel „Gomma / Toy Tonics“. Eigentlich (und das sagt er auch selbst über sich) beschäftigt er sich Nonstop mit Musik. Er produziert hier und da mit verschiedenen Freunden, sammelt Platten. Auflegen tut er mit denen aber nicht. Denn: "Es gibt immer den einen Betrunkenen, der seinen kompletten Gin Tonic über alle Platten schüttet. Und dann kannst du Zuhause die Hälfte der Cover wegschmeißen. Ein paar zerkratzen, weil Scherben draufliegen. Es gehen einfach immer viele kaputt. Und dann wäre da natürlich noch das Geschleppe. Lieber nach dem Auflegen unbeschwert noch ein Bisschen feiern gehen.“

München ist einfach eine schöne Stadt. Es ist eben eine Großstadt wie ein Dorf. Das ist das Coole!

Moritz Butschek

Berlin oder München – für Moritz ganz klar zu beantworten. Natürlich hat die Hauptstadt ihre Reize, gerade für einen jungen Menschen, der sich als DJ etabliert. Doch eine andere Stadt als München kommt für ihn nicht in Frage – alleine wegen seines Blogs, seinen Freunden und dem Netzwerk, dass er sich hier mittlerweile aufgebaut hat. "Es gibt in München viel, wo man einfach draußen sein kann. Und es ist eine Großstadt wie ein Dorf, das ist das Coole!" Nur eines wünscht er sich: mehr Platz für Kulturschaffende. Vielen wird es schwer gemacht, Anträge für neue Clubs und Veranstaltungen werden so lange vom Amt geprüft, bis sie in den Ablagen verstauben. Oder sie werden eben gleich abgelehnt. Den Raum, den man hat, besser nutzen – das wär doch was! Wie bei dem neuen Kreativviertel, das auf dem Pathos-Gelände entsteht. Oder das Container Collectiv beim Ostbahnhof.

Der nächste Streich des Moritz Butschek...

Termin vormerken!

Genau hier, auf dem Lit Roof, dem orangenem Haus neben dem Container Collective, findet diesen Samstag, 8. Juli,  wieder eine Two in a Row-Party statt. "Die 25te oder so", da ist sich Moritz nicht so ganz sicher. Sicher ist aber: es wird grandios – und erstmals tagsüber stattfinden! Mit kleinem Pool auf der Dachterrasse und mit einem tollen Line-up. Neben Moritz selbst werden Stefanie Raschke und Mellowflex vom Harry Klein, sowie Shimé und Robinson der Pfandfinderei auflegen. Der Eintrittspreis von 12,-€/ VVK 8,-€ fließt dabei nicht in die Hände der DJs, sondern geht komplett für die schöne Location und die Deko drauf. Von 14 bis 23 Uhr könnt ihr hier tanzen, die Füße in den Pool hängen oder dem Moritz mal „Hallo“ sagen. Danach geht’s dann weiter ins Harry Klein – mit dem Stempel ist der Eintritt sogar kostenlos!

The LIT ROOF - die Location für Moritz Rooftop&Pool Blog Party © München Hoch5

Akustisches Artikel-Outro - natürlich a la Moritz

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt hat mehr Platz zum Tanzen.