München heldenhaft

München heldenhaftEine Kolumne zur lokalen Nachhaltigkeitsfreude

"Von wegen nachhaltig – in München weiß man gute Qualität nicht wirklich zu schätzen. Alle wollen sie zwar haben, aber man ist nicht bereit dafür zu zahlen!" Solche beziehungsweise so ähnliche Worte, kamen mir zu Ohren, als ich während meiner letzten Recherche über ein Start-Up stolperte, das wir euch eigentlich näher vorstellen wollten. Leider kam ich zu spät: Sie ziehen sich aus dem Münchner Markt zurück, wollen stattdessen in die USA ausbauen. Da habe man wohl mehr Verständnis für das was sie tun. Hat man das? Sind wir Münchner wirklich nicht dazu bereit, für ein bisschen Nachhaltigkeit draufzuzahlen? Ich komme ins Grübeln... Wie "sustainable" lebe ich persönlich eigentlich wirklich?

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Schön festhalten... wer weiß wie lange das noch so aussieht!

Ja, was denn nun?

Wenn man sich so umhört in unserer Gesellschaft, könnte man eigentlich davon ausgehen, dass München ein wahres Schlaraffenland der Nachhaltigkeit ist: Die jungen Modelabel, die gerade aus dem Boden sprießen, sind fast alle vegan und achten auf faire Produktion; Start-Ups aus dem Foodbereich haben die Zusatzstoffe auf ihrer Speisekarte durch frische Zutaten ersetzt und bei den ganzen Fahrradstraßen, die momentan gebaut werden, weiß man gar nicht mehr, wo man seinen PS-starken SUV parken soll. So weit, so gut. Ich finde das alles grundsätzlich super, schließlich muss man ja irgendwo mal anfangen. Einziges ABER an der Nummer: Nehmen wir die “grünen“ Alternativen, die uns als Konsumenten gegeben werden, denn auch wirklich an? Oder sagen wir immer nur, dass wir das zwar superklasse finden – gehen für ein schlichtes weißes T-Shirt aber doch eher zum weltweit populären Moderiesen und sparen uns die 50€, die wir für ein T-Shirt mit geringerem CO2-Fußabdruck ausgegeben hätten?

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Wie grün sind wir wirklich?

Das Start-Up-Schlamassel

Gehen wir nach der Meinung zielorientierter Start-Ups, die helfen wollen, die Welt zu bewegen, unterscheiden sich Worte und Taten oft gewaltig. Bestes Beispiel: Urban Soup. Die selbsternannten hungrigen Träumer Tim und Daniel wollten mit ihrem healthy fast food (Suppen statt Fritten) den Münchner Markt erobern – scheiterten aber laut ihrer eigenen Aussage daran, dass das Interesse an nachhaltiger Zubereitung und hoher Qualität, für die man dann vielleicht mal ein oder zwei Euronen mehr ausgibt, eben doch nicht so gewünscht ist. Obwohl alle danach schreien. (Am Geschmack kann’s übrigens nicht liegen, wir haben selbst getestet.) Einzelschicksal oder Massendilemma? Das wird sich wohl erst noch rausstellen. Fest steht aber, dass wir schon viele Konzepte in der letzten Zeit kommen und mindestens genauso schnell wieder haben gehen sehen.

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Der Urban Soup Laden im Rosental... ein Bild der Vergangenheit.

Die harte Wahrheit

Zeit, sich an die eigene Nase zu packen. Ich bin mal so frei und mache den Anfang. Auch wenn ich Gefahr laufe, dass mir das beim nächsten Freundestreff mit Karacho um die Ohren fliegt. Ja was mach ich denn eigentlich genau? Gut, im Supermarkt kriege ich die Basics gerade noch so hin. Dass Plastiktüten böse sind und ich mein Gemüse lieber in Papiertüten betten sollte, das habe ich begriffen. Auch dass ich lieber zu den lokalen Äpfeln greife, statt zu denen aus Chile, ist mittlerweile im Betriebssystem angekommen. Und beim Essen gehen bin ich auch eine von den Guten – für eine Suppe gebe ich auch gerne mal mehr aus, wenn sie dann frisch und voller natürlicher Zutaten ist.

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Eigentlich gar nicht so kompliziert mit diesen wiederbefüllbaren Bechern... © Recup

To be honest...

Darüber hinaus wird es dann ehrlicherweise schon zäh: Mein Vorsatz, einen reciclebaren Kaffee Becher zu kaufen, um den ewigen Coffee-To-Go-Cup aus meinem Leben zu verbannen, hat ungefähr so lange gehalten, wie eine Zimmerpflanze in meiner Wohnung es normalerweise tut – also keine drei Tage. Mülltrennung ja – aber alles was über Papier und Restmüll hinausgeht, wird schon „kompliziert“. Und ja, Fahrrad fahren ist schon schön, aber halt auch nur, wenn die Sonne scheint (und jeder der mich kennt weiß, dass ich einen an der Waffel habe, wenn es um meine Passion für straßentüchtige Raketen auf vier Rädern geht). Und wenn wir gerade schon beim Beichten sind: Ich habe auch das ein oder andere Massenware-Shirt im Schrank hängen. Zieht man aus all den genannten Beispielen eine Zwischenbilanz, stehe ich jetzt irgendwie ziemlich besch…eiden da. Setzen, sechs. Minus.

Was ich für mein gutes Gewissen tun kann, ohne mir ein Bein auszureißen:

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Die Too good to go App runterladen: Hier landen nicht gegessene Gerichte auf dem Teller statt in der Tonne.

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Geht auch im Urlaub: Wenn die Bücher ausgelesen sind, eine Runde Müll sammeln am Strand. Beim Bewegen wird man eh schneller braun.

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Strom sparen! Ist das Licht wirklich aus wenn ihr geht?

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Nicht nur Bier schmeckt aus dem Hahn... füllt euch eure Flaschen auf, statt neue zu kaufen.

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Wenn ihr einen Balkon habt: Pflanzt was an. Freut nicht nur euch, sondern vor allem die Insekten.

Make myself great again

Während ich jetzt hier also so sitze und mir überlege, was ich so tue (oder eben nicht tue), versuche ich mir zu erklären, woran das denn wohl liegen mag, dass mein innerer Umwelt-Moralapostel sich wohl schon vor langer Zeit einem niemals enden wollenden Powernap hingegeben hat. An der mangelnden Aufklärung, was mit unserem Planeten passiert, wenn wir ihn nicht langsam ein bisschen freundlicher behandeln, kann es ja dank bewegender Netflix-Dokus, plakativen Kampagnen von WWF oder Miss „Fridays for Future“ aka Greta Thundberg eigentlich nicht liegen. Ich tippe also auf folgende zwei Denkfehler: Erstens ist es einfach bequem, so zu leben, wie ich es momentan tue und zweitens habe ich das Gefühl, dass ich so ganz alleine mit meinem Tun sowieso nichts ändern kann an dieser misslichen Lage. Ich sagte ja: Denkfehler. Denn auch wenn ich alleine ganz bestimmt nicht die Welt retten kann – ich kann zumindest meinen klitzekleinen Teil dazu beitragen, wenn ich mir über gewisse Dinge in Zukunft einmal mehr Gedanken mache. Insofern lautet die Moral von der Geschicht‘: „Julia, nächstes Mal mit ein bisschen mehr Köpfchen, bitte!“ Und wenn ich mit diesem kleinen Text dazu beigetragen habe, dass du da an deinem Handy oder Laptop jetzt vielleicht auch einfach mal drüber nachdenkst, wie ehrlich du es mit der Nachhaltigkeit meinst, dann ist meine Beichte ja tatsächlich schon ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Und zwar dahin, das wieder gut zu machen, was ich bisher vermasselt hab. Am Ende kann das aber nicht das Ende sein. Denn mit einem guten Gewissen ist es nicht getan. Auch nicht damit, teure Suppe zu kaufen. Aber es ist ein Anfang.

Julia Knobe

Seit sich unser abenteuerlustiges Nordlicht Julia mit 'nem echten Bayern eingelassen hat, hat sich in ihrem Leben einiges geändert: Statt steifer Brise ist frische Bergluft angesagt! Den Heimathafen Hamburg immer im Herzen, könnte Julia sich ans fesche Dirndl, das süffige Helle und den charmanten Dialekt durchaus gewöhnen.