München geht tanzen

München geht tanzenEine Kolumne zur lokalen Feierkultur

Ach, diese ewige Diskussion über das Münchner Nachtleben – ich bin sie irgendwie leid… Die einen klagen über die fehlende Subkultur und rümpfen die Nase über die champagnerspritzende Bussi-Bussi Gesellschaft, während die Glanz und Gloria-Fraktion sich freispricht von jeglichen Klischees – den gewöhnlichen Biertrinker in ausgewaschener Jeans aber lieber an der harten Club-Tür scheitern sieht, statt sich mit ihm gemeinsam einen hinter die Binde zu kippen. Die Logik dahinter? Die muss mir echt mal einer erklären… Aber es gibt Gott sei Dank einen Hoffnungsschimmer!

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Guck mal der, was ist mit dem denn los? - Kein Plan, ich glaub der hat Spaß...

Darf ich? Ja, ich darf!

No offence – ich will mich nicht freisprechen von Vorurteilen & Co. Ich bin ja schließlich nicht mal eine gebürtige Münchnerin, sondern ein Nordlicht mit schwäbischen Wurzeln und damit wahrscheinlich eigentlich gar nicht berechtigt über die Feierkultur in der bayerischen Hauptstadt zu grübeln. Ich tu’s jetzt einfach trotzdem. Warum? Weil’s mir halt einfach auf die Nerven geht, dass man dieser wunderschönen Stadt, in der ich nun doch schon einige Jahre meines Lebens verbracht habe, immer wieder vorwirft, man könne hier nur in einer Zweiklassengesellschaft feiern.   

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Wer tanzt statt zu Glotzen, hat mehr von der Party. © Geh tanzen

Ein kurzer Steckbrief

Zu welcher Party-Zielgruppe ich eigentlich gehöre? Eine kleine Kurzbeschreibung: Meine Füße fühlen sich in Chucks am Wohlsten, quetschen sich für Anlässe, in denen man vorrangig sitzt aber auch gerne mal in ein paar unbequeme Knöchelkiller. Meine Leber kennt sich in der Weinwelt mittlerweile ganz hervorragend aus und sagt auch zu einem kühlen Hellen selten nein, während sie mir bei Tequila ohne zu zögern die Freundschaft kündigt. Ach, und dann wären da noch meine so gut wie für alles offenen Ohren, die, wenn man sie mit feinen Electrobeats oder mitgrölbaren Evergreens füttert, automatisch Glückshormone an meinen restlichen Körper aussenden, die ihn zum Zappeln bringen. Wobei Zappeln es in der Tat ganz gut trifft. 

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Muss man sich die Münchner Partyszene etwa schön trinken?

Ja, ich könnte...

Im Grundsatz würde ich also sagen, ich kann mich eigentlich auf jeder Party irgendwie wohlfühlen – ob in der Boazn, im Nobelschuppen oder im Electro-Club. Und damit könnte diese Kolumne jetzt schon ein Ende haben. Könnte. Denn ich KÖNNTE mich zwar überall wohlfühlen, tue es aber nicht. Denn trotz meiner recht offenen Einstellung was die Feierei angeht, passe ich dann doch irgendwie nirgendwo so richtig rein. Für die Champagnerbuden fehlen mir laut Klischee die modelmäßigen 90-60-90 und Papis Kreditkarte – und die eingeschweißten Rote Sonne Clubber fragen sich bei meinem Anblick aller Wahrscheinlichkeit nach, was ich mit meinem Designertäschchen in ihrer Stammbude verloren haben. So richtig fancy hipsterig sehe ich nämlich nun auch nicht wirklich aus.

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In welchen Münchner Club sie wohl geht?

Go hard or go home

Aber muss ich das denn? Muss ich wirklich einer bestimmten Norm entsprechen um in München feiern zu gehen? Weil eigentlich sind die im P1 und im HEART ziemlich lässig drauf und haben garantiert auch nichts dagegen, wenn ich mit meinen ungeschniegelten Freunden auf zwei, drei Bier vorbeikomme und die Tanzfläche aufheize. Und eigentlich sind die Anhänger der Subkultur genauso lässig drauf und stören sich gar nicht wirklich daran, dass ich mich gerne auch mal in ein schickes Kleidchen schmeiße, statt in Mom-Jeans und Dad-Sneaker von Fila. Was wir also brauchen, sind keine neuen Locations oder Partyreihen, die sich automatisch einem der beiden Genre zuordnen. Was wir brauchen ist ein neues Mindset, das es uns erlaubt, unsere Schubladen einfach mal Zuhause zu lassen, loszugehen und zu FEIERN. Egal ob Schickeria oder Subkultur, am Ende wollen wir doch alle nur eins: eine gute Zeit haben. Und alle, die das nicht wollen, sondern lieber nur gaffen, die mögen doch bitte einfach zuhause bleiben.

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Einer der wohl schönsten Party-Hinterhöfe Münchens © Luck Who/ Geh tanzen

Glücksmomente bei "Geh tanzen"

Ein Paradebeispiel, dass eine solche Veränderung durchaus möglich ist, kommt übrigens aus dem Hause Clap Club. Die machen es vor, wir tanzen mit: In ihrer Partyreihe „Geh tanzen“, die am 3. Mai bereits stolze zwei Jahre alt wird, dreht sich alles um mitreißende Töne, heiß gelaufene Sohlen und beflügelte Nachtschwärmer, die sich fernab vom Einheitsbrei glückstrunken durch wilde Nächte tanzen. Nach Klischees kann man hier lange suchen – willkommen ist absolut jeder, der Wörter wie „Club-Etikette“ und „Dresscode“ aus seinem Wortschatz gestrichen hat und nicht zu schüchtern ist, seine Dancemoves in die Partycrowd einzubringen. Means: Genau die richtige Veranstaltung für alle, die die Schnauze vom Schubladendenken endgültig gestrichen haben. Wer das mal erleben will: am 3. Mai ins Lucky Who gehen!

Und am Ende? Steht ein Appell.

Lasst uns endlich aufhören über das aus dem Gleichgewicht gekommene Nachtleben unserer Lieblingsstadt zu schimpfen und auf eine gemeinsame Feier-Zukunft anstoßen! Ob mit Bier oder mit Champagner ist mir persönlich wirklich absolut schnuppe.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Geh tanzen entstanden.

Julia Knobe

Seit sich unser abenteuerlustiges Nordlicht Julia mit 'nem echten Bayern eingelassen hat, hat sich in ihrem Leben einiges geändert: Statt steifer Brise ist frische Bergluft angesagt! Den Heimathafen Hamburg immer im Herzen, könnte Julia sich ans fesche Dirndl, das süffige Helle und den charmanten Dialekt durchaus gewöhnen.