Sieben Großbuchstaben, die sich zu einem Namen formen, der wohl jedem Münchner ein Begriff ist - oder zumindest denen, die sich dafür interessieren, "was in der Stadt so geht": MUCBOOK. Das Buch aus und über München - das vermittelt uns der Name. Interessanterweise (und das wissen wahrscheinlich besonders viele junge Münchner nicht) entstand der Printgedanke hinter diesem "Buch" erst im Nachgang zur Onlineversion, dem Stadtmagazin www.mucbook.de. Fünf Jahre lang "butterte" der Journalist und München-Lover Marco Eisenack in seine Idee des Onlinelokalmagazins noch bevor er mit seinem Team 2014 die erste Printversion an den Start brachte. Heute erscheint das MUCBOOK Printmagazin zwei mal im Jahr. Immer mit einem anderen Leitthema. Zum Beispiel Design made in München, Stadtviertel und ihre Lebensart, der Wohnungsmarkt in der Landeshauptstadt und andere Überbegriffe, unter denen sich Geschichten zusammenfassend erzählen lassen, die uns Münchner nicht nur heute, morgen oder übermorgen, sondern eben langfristig beschäftigen. 

 

Print is not dead?

Unsere neue Rubrik

Print stirbt aus - die Behauptung hört man so oft, dass man meinen könnte, sie sei bereits Realität. Schlimmer noch: immer wieder gibt es Erhebungen, die sie mit dem gewissen Quäntchen Realität untermauern. Zahlen gefällig? Laut einer Statistik beziehen nur ein Drittel der Deutschen ihre News über eine Zeitung oder ein Magazin. Aber knapp 100 Prozent bedienten sich an Onlinequellen. Und diese Untersuchung ist bereits zwei Jahre her! Trotzdem gibt's viele Magazine - auch in München und dem Umland - die auf das gute, alte haptische Papier setzen - noch heute. Oder eben gerade heute?! Warum ist das so? Was macht diese Printmedien aus? Wer steckt dahinter und aus welcher Idee heraus sind sie geboren? In unserer neuen Rubrik "Print ist not dead!" klettern wir über den Tellerrand unseres eigenen Mediums. Um Personen zu treffen, die es wie wir lieben, Geschichten zu erzählen - von Menschen, Orten, Genüssen und Leidenschaften. Was macht die Faszination Print aus? Kommt mit und findet's zusammen mit uns heraus!

"Am Anfang stand eigentlich die Erkenntnis, dass ich am Kiosk einfach kein Stadtmagazin bekomme, das mich als  jungen, kulturell und politisch interessierten Menschen anspricht. Also musste ich selber eins machen." Das erklärt uns Marco beim Interview. Nachdem er mehrere Jahre in das Onlinestadtmagazin investiert hatte - eine Idee, die es vorher noch nicht gab, aber hinter der er voll und ganz stand, auch als die ersten Partner aus seinem Berufsumfeld Süddeutsche Zeitung ausstiegen - machte MUCBOOK erste Gewinne. "Bis dato hatten wir als Kernteam eine Autorenschaft hinter uns, die aus reiner Leidenschaft am Lokaljournalismus und dem Schreiben von Geschichten dabei war. Wir wollten keine Werbebanner und Co. auf unserem Magazin. Also haben wir auch nichts verdient. Trotzdem mussten wir täglich Beiträge bringen. Darum haben wir Menschen eingeladen, die für uns schrieben", erinnert sich Marco. Was ihn auch ohne Verdienst motiviert hat: "Wenn etwas für dich total Sinn macht, wenn du daran glaubst und es spürst, dann solltest du auch dran bleiben." Marcos langer Atmen zahlte sich aus. Und seine Idee, das Onlinemagazin bekannter zu machen, indem man eine Printvariante herausbringt.

Aber wie sollte die aussehen? Marco war von Anfang an klar: "Heute brauche ich weder das 20-seitige Kalenderprogramm, noch Annoncen wie Sie sucht Ihn, er sucht sie und beide suchen alle... wobei das wahrscheinlich noch am besten gehen würde. Was man braucht sind Themen, die nicht verfallen." Qualität, Langlebigkeit und Relevanz, statt super-aktuelle Berichterstattung - Letzteres gab es ja schon auf MUCBOOK online. "Wir entschieden uns dafür, zwei mal im Jahr ein Magazin mit Buchcharakter herauszubringen, in dem wir die Anzeigen knapp halten, inhaltlich für die Leser aber so relevant und zeitlos Themen anpacken, dass sie es ein halbes Jahr lang auf dem Kaffeetisch liegen lassen und wie einen Reiseführer immer mal wieder durchstöbern können."

 

Und genau das gehe es heute auch bei Print, findet Marco. "Ein Printmagazin ist heute ein Lifestyle Accessoire. Es sagt was über mich aus, genauso wie die Lampe, die ich mir an die Wand hänge. Es ist ein Statement, das ausdrückt, mit was ich mich identifiziere." Wenn man den Erhebungen glauben dürfe, sei Print tatsächlich auf lange Sicht zum Tod verurteilt, sagt der Gründer von MUCBOOK. Spätestens 2055 werde wohl die letzte Tageszeitung gedruckt werden - "zumindest wenn man den Kurven glaubt". Marco sieht aber eher die Verschiebung vom Print als Massenmedium hin zum Statussymbol. "Gedruckte Magazine bedienen immer mehr eine Nische. Damit gewinnt das ganze Medium an Qualität. Print wird unique - zu etwas, das ich mir gönne, durchaus auch für einen höheren Preis. Ein Liebhaberprodukt, für das es eine spezielle Zielgruppen gibt. Keine Massenware." 

Gut recherchierte Geschichten, hochwertig aufbereitet - das will das MUCBOOK Printmagazin sein. Online werden die Geschichten manchmal angestoßen, hin und wieder weitererzählt. Letztlich sind es aber zwei unterschiedliche Medien mit ebenso unterschiedlichen Zielen. Was sie gemeinsam haben: sie entstehen durch eine mittlerweile rund 300-köpfige Autorschaft aus ganz München. Darunter viele angehende Journalisten, aber auch Menschen, die eigentlich etwas ganz anderes arbeiten und sich unter der MUCBOOK-Fahne kreativ ausleben können. "Es ist eben die bunte Mischung aus den verschiedenen Biographien, die unsere Themenvielfalt ausmacht", sagt Marco. Koordiniert wird alles von ihm selber und dem MUCBOOK Kernteam: Ronja Lotz, Jan Krattiger und Melanie Schindlbeck aus der Chefredaktion. Sie vereinen Knowhow aus Bereichen wie Kultur, Mode, Video und Co. Hinzu kommen Ayla Amschlinger und Leonie Meltzer, die sich um das Marketing und den Member-Club kümmern, plus die Susanne Schöb und Sahika Tetik, die alle Medienkooperationen eintüten. 

Das gemeinsame Ziel? Lokaljournalismus mit Leidenschaft umsetzen. Marco auf die Frage, was er an seinem Job liebe: "Das sind die Menschen. Wenn ich ihnen in die Augen schau während sie von ihrer Passion erzählen. Darum waren meine Geschichten auch immer schon die positiven. Wenn Menschen angetrieben sind, in und aus dieser Stadt etwas Positives herauszuholen. Wenn sie was durchsetzen oder ändern wollen. Das kann mit der Gründung einer neuen Suppenmarke sein, oder wenn sie in einer politischen Initiative engagieren. Durch Social Media ist es heute wunderbar möglich, diese vielen kleinen Geschichten in die Welt zu tragen, die es in die konventionellen Printmedien nicht hineinschaffen würden. Wir Stadtmagazin-Macher sind ein Lautsprecher, den man auf den Marienplatz stellt und damit den kleinen Ideen mit viel Herz ein Sprachrohr gibt. Das ist das, was mich persönlich als Lokaljournalist glücklich macht."

  • What's next?

    Die nächste Printausgabe von MUCBOOK bekommt ihr ab Anfang November. Themenschwerpunkt: Wohnungsmarkt. Die Releaseparty findet im Lovelace statt. Ihr wollt dabei sein? Stay tuned! Wir versorgen euch mit News sobald's konkret wird...

  • How much is the fish?

    Das Magazin kostet i.d.R. 5 Euro und ihr bekommt es beim Zeitschriftendealer eures Vertrauens sowie im MUCBOOK Onlineshop.

Pics by Frank Achim Schmidt.

Julia Katharina Tomski

Ursprünglich aus dem bodenständigen Nordrhein-Westfalen folgte Julia dem Ruf der Medienstadt München und fand als Feingeist mit Hang zu schönen Dingen, gutem Geschmack und herzerwärmenden Menschen hier ihr Glück und einen Quell an Inspiration. Trotzdem: Im Alltag trägt Julia statt weißem Blüschen und Perlenohrringen lieber zerrissene Jeans und das Herz auf der Zunge. Denn: U can take the girl out of the Pott but U can never take the Pott out of the girl.