MUCA

MUCAUrban Art im Herzen der Stadt

Das erste Museum für Urban Art steht seit gut einem halben Jahr fix und fertig mitten im Herzen von München. Vor ein paar Wochen war das Grand Opening und wir haben für euch schon einmal einen Blick riskiert. Das München die eigentliche Mutterstadt der deutschen Gaffiti-Szene ist, ist ebenso ein Fakt wie auch die Tatsache, dass hier die erste Soko Graffiti entstand. Das MUCA (Museum of Urban and Contemporary Art) tritt nun an, die Stadt auch am legalen Ende der Gafitti-Skala bunter zu machen. Merci dafür!

„München ist eine Herzensstadt. Der der hier angekommen ist, wird sehr sehr viel Wärme und Freundlichkeit erfahren. Ich glaube aber, dass wir durchaus noch ein bisschen offener sein könnten. Im jetzigen Stadtbild fehlt es sicherlich unter anderem an noch mehr Kunst im öffentlichen Raum.“ Mit diesem Plädoyer bringt Mitinitiatorin Stefanie Utz auf den Punkt, worum es dem MUCA Team geht. Zusammen mit ihrem Mann Christian Utz und der Unterstützung vieler Freunde und Helfer hat die MUCA Crew ein Streetartstatement mitten in Münchens Altstadt gesetzt. Wie eine ausgestorbene Art ruht der Hinterhof des alten Umspannwerkes in der Hotterstraße. Ein verstecktes Kleinod wie man es selbst in Schwabing vergeblich suchen würde.

Jeder der ungeahnt die Hottersteaße durchkreuzt, wird automatisch erweckt, wenn er plötzlich vorm größten Mural der Innenstadt und dem komplett kaligraffierten Hauptgebäude steht. Ein wirklicher Glücksgriff, dass das alte Umspannwerk frei wurde und Platz geschaffen werden konnte für solch ein massiges Gegengewicht zur Münchner Hochkultur. Es lebe die Subkultur! Das hinter diesem Umbau ein unbeschreiblicher Berg von Arbeit steht, ist nicht mehr zu erahnen und somit umso anerkennungswürdiger, zumal es sich um ein komplett privat finanziertes Projekt handelt. Hier ist wohl der Titan Kahn angebracht, der einst sagte:

Eier, wir brauchen Eier!! Sie wissen was das heißt!

Oliver Kahn

Am Ende gehört Streetart auf die Straße. Sich dieser Tatsache völlig bewusst, ist das MUCA auch Ausgangspunkt für die unterschiedlichsten Projekte quer über die Stadt verteilt. Ausstellungen können über thematisch angelehnte Streetpieces eingeleitet werden oder ein Streetcollective bekommt gleich im eigenen Hinterhof Raum zur Gestaltung. So hat das Tape Art Kollektiv Klebebande Berlin im Rahmen des Urban Art Festivals den Oris Art Cube entworfen. Der ist aktuell noch bis Ende August in der Hotterstraße zu bewundern.

Die Hauptausstellungsfläche und das eigentliche Herz im Inneren des MUCA bietet stetig neue Ausstellungsreihen unter Leitthemen wie z.B. „The Art of Writing“. Diese aktuell zu bewundernde Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema "Kalligraffiti", ein Ableger der Streetart, der sich aus dem Tagging entwickelt hat. Am Ende geht es darum zu beweisen, dass auch Tags eine eigene Kunstberechtigung haben und auf der Liebe zur Schrift basieren. Der eindrucksvollste Beweis ist wohl die Fassade des MUCA selbst.

Dieses Museum versteht sich definitiv nicht als Standardort der Hochkultur. Hier werden Fans generiert und man versucht Wiederkehrer zu erschaffen (keine Sorge nicht die aus GOT). Wer einfach nur seine Mittagspause hier verbringen möchte, findet eines der stylistschsten (wenn nicht das stylischste) Restaurant innerhalb des Altstadtringes. Der Name: Mural. Wie das vor dem Fenster befindliche Kunstwerk, ist auch das Restaurant ein Kunstwerk für sich. Wie ein Komplettwerk gestaltet von verschiedenen Streetartgrößen liest sich auch die Karte sehr farbenprächtig. Südamerikanische Einflüsse sind nicht von der Hand zu weisen. Wer sich beim ersten Besuch einfach nicht entscheiden kann, für den haben wir einen Tipp: Cevice - in den verschiedensten Interpretationen - ist unser absoluter Liebling!

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass wir in München einen neuen Ort der subkulturellen Begegnung gewonnen haben. Und das sogar im Herzen der Stadt, wo eigentlich schon alles an den Profit verloren geglaubt war. Das sich immer wieder erneuernde Konzept lädt dazu ein, sich häufiger mit dem Thema Urban und Contemporary Art auseinanderzusetzen. Wir sind definitiv Fans vom MUCA und MURAL geworden. Und kommen gerne wieder.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.