Mit Stefan Dettl und der LaBrassBanda Lokomotive durch das Chiemgau

Mit Stefan Dettl und der LaBrassBanda Lokomotive durch das ChiemgauHacker-Pschorr's Spezltour Vol. 3

Die ultimative bayrische Gaudi-Maschine, auch besser bekannt unter dem Namen LaBrassBanda, hat uns bei der dritten Ausgabe der Hacker-Pschorr Spezl Tour in ihre Heimat, den Chiemsee, mitgenommen. Einmal rund ums Bayrische Meer durch die Schaffensgeschichte von Stefan Dettl und der Mannschaft der Hochleistungslungen.

Während die ersten Ausgaben der Spezl-Touren uns durch Viertel der Stadt führten, war dies die erste Runde in ländlicher Atmosphäre. Was als LaBrassBanda typische Mofa-Tour geplant war, fiel Chiemsee-typisch ins Wasser, um dann kurzerhand als Traditionsbustour um geplant zu werden.

© Achim Schmidt

© Achim Schmidt

© Achim Schmidt

Startschuss (Peter Fox wäre neidisch): Das Haus am See.
Dort schon auf uns wartend, werden wir erst einmal mit einem Ständchen begrüßt. Die Bande hat es sich schon gemütlich gemacht und die Wartezeit mit einem kleinen Spontanfrühschoppen überbrückt – mit der gesamten Aufmerksamkeit aller Gäste auf ihrer Seite. Fast könnte man meinen, es handele sich um eine örtliche Wirtshauskappelle, so gut wie sich alle Mitglieder ins Gasthaus-Ambiente eingegliedert haben. Dieser Gedanke wird aber ab dem ersten Ton aus dem Weg geräumt. Nach einem kurzen Hallo geht es auch schon los: Auf Tour mit LaBrassBanda. So fühlt sichs also im Nightliner an...

Mittlerweile nur noch leicht nieselnd kommen wir an der St. Nikolaus Kirche an. Für einen kleinen Ort am See eine ganz schön große Kirche, was wiederrum auch der Grund unserer Anreise sein soll, wie wir später erfahren. „Bei uns gibt’s eigentlich nur zwei Zustände, Vollgas Party oder ganz ruhig und andächtig“, sagt Stefan mit einem Grinsen im Gesicht. „Diese Kirche hat einen ganz besonderen langen Nachhall und das ist wunderbar geeignet für eines der Stücke, das wir aus unserer Russlandreise mitgebracht haben“. Name des Stückes, jetzt kommt´s: Russland. Zeit zur Andacht beim ersten kleinen Privatkonzert in erhebendster Atmosphäre.

Ausreichend beruhigt und geerdet bleibt noch kurz Zeit, um sich der Architektur zu widmen, um dann gen zweiter Etappe anzutreten. Erneut mit formidabler Privatmusik reisend kommt geradezu Klassenfahrtstimmung auf. Alle wollen möglichst weit im Heck des Busses sein, denn dort spielt die Musik. Gott sei dank besteht in einem 1962er Setra keine Anschnallpflicht.  So viel Stimmung macht hungrig, was die Planer dieser Tour wohl schon geahnt haben. Jetzt wird eingekehrt!

Als traditionsreiche Brauerei tief in der Region verwurzelt, veranstaltet Hacker-Pschorr von Juni bis September im Rahmen der „Nix für Preißn“-Kampagne eine Stadtviertel-Tour-Serie, "Spezltour" genannt. Darin soll „Zuagroasten“, aber auch interessierten Ur-Bayern unsere schöne Stadt mit besonderen Einblicken mal etwas anders näher gebracht werden. Und zwar von Originalen aus dem Viertel. Münchner Kindl, die die Rolle des Stadtviertelführers übernehmen und die Teilnehmer an ihre Lieblingsplätze führen.

Der Gasthof Alter Wirt in Bernau ist ein wirklicher Geheimtipp guter bayrischer Küche. Bei zünftiger Wirtshaus-Atmosphäre bleibt Zeit, sich mit dem ein oder anderen Bandmitglied über die interessanten Fragen des Tour-Lebens zu unterhalten. Spannend auch herauszufinden, dass man beinahe Nachbar des Schlagzeugers ist, der in München wohnt. Auch wenn es sich fast nicht lohnt, eine Wohnung in der Stadt zu haben bei dem vollen Tourplan. Als Dessert gibt es einen weiteren Spontanauftritt und ein paar halbe Hacker, bevor es wieder in den Bus geht. Auf zum See!

Was uns dann beim nächsten Halt erwarten würde, hat wohl niemand geahnt. Da bei dieser Tour im allgemeinen nur die Sprache der Musik gesprochen wird, bleibt alles eine konstante Überraschung. Die Ankunft in Gstadt wird seitens Stefan Dettl nur mit den Worten „ Such ma uns scheenes Plätzchen!“ kommentiert. Wofür? Natürlich für ein Konzert. Da allerdings das Wetter immer noch nicht wirklich mitspielen möchte, sucht der ganze Tross spontan Unterschlupf im Dampfersteg Wartehäuschen. Eine zuvor noch einsam und alleine, frierend wartende alte Dame wird vom Zugführer Dettl mit einem kurzen „Griaß Eana“ und seinem Janker versorgt. Mangelnde Körperwärme wird  auf anderer Art und Weise bekämpft. Egal ob Blasmusik in moderner oder in traditioneller Form dem persönlichen Geschmack entspricht oder nicht, am Dampfersteg erlebt jeder live, welche Energie von dieser Truppe ausgeht. Nach wenigen Takten ist jeder Mitreisende gefesselt. Die kurze Zeit später anlegende Chiemsee-Fähre spukt zusätzliche Konzertbesucher aus, die große Augen machen. Ist das etwa LaBrassBanda? Jepp genau! Das Livespektakel voll im Griff lässt man sich gar nicht erst auf das gute alte Zugabe-Spiel ein,  sondern lockt nach einer guten halben Stunde alle Hacker Tour Mitglieder mit einem Marsch zurück in den Bus. Alter Schwede! Das war das intensivste Konzert seit ungefähr immer.

Ausnahmslos mit leuchtenden Augen, egal welchen Alters, wird die angestachelte Audience via Setra zum Haus am See zurückbefördert. Jetzt heißt es, schnell einen guten Platz nahe der Band zu sichern, denn niemand zweifelt noch daran, dass die nächste Konzertrunde lange auf sich warten lässt. Kurz unterbrochen von einem kleinen Buffetteil warten alle auf den nächsten Anklang. Wir haben es hier tatsächlich mit einem Buffet zu tun, das trotz feinster optischer Ansprache auf Besucher warten muss, da jeder vom Brass-Virus infiziert ist. Erst eine noch beherztere Buffet-Eröffnung lässt den ein oder anderen Mutigen seinen Platz im Wirtshaus-Konzertgraben verlassen.

Der wohl leider letzte Teil dieses Etappenkonzertes artet dann vollends zum Hochleistungssport aus. Das beschaulich kleine, gemütliche Seehaus, quasi auf dem Chiemsee liegend, wird zur tosenden Muffathalle. Niemand sieht ein, seinen Stuhl zum sitzen zu benutzen. Restlos alle, inklusive des 80jährigen Spezl Tour-Gewinners, stehen auf Bein, Stuhl und Tisch - und gießen weiteres Feuer in die brennende Luft. Auch wenn die Bezeichnung „Brannstiefter der guten Laune“ ein bisschen nach Marianne und Michael klingt, ist es genau das, was hier gerade passiert. Vor der Tür steht jetzt das einzig relevante Büffet des Tages, kalte Kästen mit verschiedenen Variationen Hacker, die in den Pausen überfallen werden. Ein guter Motor braucht Kühlung.

Nach diesem fulminanten Endspurt muss die Crowd mit einer echten Andachtsminute gebremst werden. Das schon gehörte „Russland“ scheint hierfür perfekt. Und siehe da: Die Götter des Sees scheinen endlich durch die Trompeten LaBrassBandas besänftigt und präsentieren das Bayrische Meer im langersehnten Abendlicht. Danke für dieses Live-Erlebnis!

Was kommt als Nächstes?

17 Jahre war Erwin Noll als „Schandi“ unterwegs, als Kontaktpolizist am Viktualienmarkt. Nun ist Erwin Noll zwar in den Ruhestand gegangen – von seinem Viktualienmarkt konnte er sich jedoch einfach noch nicht trennen: Die Uniform hat er gegen eine Schürze eingetauscht und bringt heute geräucherte Wurstspezialitäten an die Münchner und all seine Besucher. All die Geschichten, die er in den letzten Jahren auf dem Viktualienmarkt erlebt hat, erzählt er uns auf der Spezltour durch die Altstadt – sein altes, wie neues „Revier“. Wir sind dabei! To be continued… Halt dich auf dem Laufenden! Sowohl über die Facebookseite von Hacker-Pschorr, als auch - natürlich - über unsere Folgeartikel.

Oliver Rothstein

Olli ist eine gebürtig rheinische Frohnatur, wurde aber um ein Haar in München geboren. Keiner ist perfekt. Die Stadt erkundet er ausschließlich zu Rad, so entgeht ihm kein versteckter Winkel. Er liebt die Seen, die Berge aber vor allem den Stadtdschungel.