Mit Florian Tenk in der Akademie der Bildenden Künste

Mit Florian Tenk in der Akademie der Bildenden Künste#9 Faces of Minga

Die Kunst ist ein vielschichtiges Konstrukt - fernab von Schönheitsidealen und 90-60-90. Florian Tenk visualisiert dieses per Kameraauslöser, um den einzigartigen Moment einzufrieren. Sein Motiv, das Gegenüber, kennt er dabei oftmals gar nicht. Und so ist schon das ein oder andere Foto über eine Dating-App entstanden. Die analogen Fotografien sind momentan in seiner ersten Einzelausstellung zu sehen. Wir treffen den jungen Künstler an dem Ort an dem für ihn die Reise in die bunte Welt der Kunst begann.

Der Weg zur Kunst

Florian hatte schon immer den Drang sich künstlerisch auszudrücken. Eine Zeit lang schwang er den Pinsel, bis er diesen durch eine Kamera ersetzte. „Fotos zu machen, hat mich schon immer interessiert. Schon früher als Kind habe ich mit den Polaroidkameras von meinem Vater rumgespielt.“ Sechs Jahre studierte er Freie Kunst an der Kunstakademie in München in einer Klasse, die auf Fotografie spezialisiert ist. Und genau hier treffen wir den Künstler, der unter anderem als Informatiker arbeitet. Unter seinen Bildern finden sich viele Portraits junger Menschen, den Blick vielsagend in die Kamera gerichtet - oder eben auch abgewandt. Sie sind ein Mix aus stiller Provokation und der Schönheit des Augenblicks. Der Moment ist eingefroren - so scheint es. Und so hat jedes einzelne Kunstwerk etwas Eigenes, Individuelles, das uns stehenbleiben und innehalten lässt. 

Florian studierte Freie Kunst... © Geheimtipp München

...an der Akademie der Bildenden Künste. © Geheimtipp München

Seine große Leidenschaft fand er... © Geheimtipp München

...in der analogen Fotografie. © Geheimtipp München

Rauchen ist ungesund. © Geheimtipp München

Ich habe schon Dinge, die mich immer wieder verfolgen und einfach nicht loslassen wie zum Beispiel Sexualität und Homosexualität.

Florian Tenk (31), Freier Künstler

Freunde versus Fremde

Dabei entstehen seine Bilder ganz natürlich, ohne große Vorgaben. Florian will die Menschen durch die Kamera kennenlernen - sind sie ihm schließlich oft so fremd. „Mir fällt es schwerer, Freunde zu fotografieren als fremde Menschen. Es ist dann vielleicht mehr Respekt im Spiel, eine andere Erwartungshaltung oder man hat schon ein Bild von der Person.“ Seine Motive kennt er meist nicht, lernt sie zunächst über Soziale Netzwerke oder sogar Dating Apps kennen. „Aber da schwingt eben manchmal mit, ob das nicht irgendwie eine zwielichtige Sache ist oder so", lacht er. "Das kann ich natürlich auch verstehen, wenn die Leute das dann annehmen.“ Florians Bilder sprechen für sich - ob Freund oder Fremder, ziehen sie einen voll und ganz in ihren Bann. 

Do it yourself!

Den ganzen Juni lang hat Florian seine erste Einzelausstellung in München. "Es ist ein Raum ganz nach meinen Vorstellungen. Das wollte ich schon lange haben, aber in München ist es sowieso super schwierig da irgendwas zu finden." Diese Ausstellung hat er nun komplett selbst organisiert - ein ganz schöner Haufen Arbeit, der dem jungen Künstler gerade jede freie Minute neben der Arbeit abverlangt. Gezeigt werden Fotografien, aber auch bildhauerische Arbeiten und sogar ein von ihm produzierter Film. 

Tag und Nacht arbeitet Florian an seinen Bildern. © Geheimtipp München

In der Akademie der Bildenden Künste... © Geheimtipp München

...stehen ihm allerhand Sachen zur Verfügung... © Geheimtipp München

...damit er seine Ausstellung im Juni optimal vorbereiten kann. © Geheimtipp München

Ich habe nicht das Bedürfnis, dass der Betrachter alles versteht, sondern das jeder ein Bild lesen kann, wie er es lesen möchte.

Florian Tenk (31), Freier Künstler

Mosaik des Lebens

Ein spezielles Thema gibt es nicht; kein einzelnes, narratives Element - die Ausstellung setzt sich aus verschiedenen Inspirationsquellen aus Florians Leben zusammen. So findet man auch Fotografien von seiner Reise nach Kiew im letzten Jahr, wo ihn der Besuch von Tschernobyl nachhaltig beeindruckte: „Es war beeindruckend, diese brutalistischen, verlassenen Bauten zu sehen und auch wie sich die Natur da alles zurückholt. Die gedeiht nämlich wunderbar dort. Wie abgefahren ist eigentlich Radioaktivität? So gefährlich und du siehst es nicht mal.“

Kommt's vorbei!

Wer mehr von dem jungen Fotografen sehen möchte, der im Juni die Chance dazu. Am 19. Juni findet die Vernissage in der Oberländerstraße 24 in der Isarvorstadt statt. Danach kann man sich die Kunstwerke, Skulpturen und seinen Film vom 20. bis 23. Juni in der Ausstellung ansehen. Und auch er wird selbst vor Ort sein für die ein oder andere Frage. Und wer weiß, vielleicht läuft ihm ja direkt das nächste Model über den Weg!

Der Wind weht und die Jungen weinen. © Florian Tenk

Pic's by Anna Pauels & Miles Köhler

Fotografien mit freundlicher Genehmigung von Florian Tenk

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt, hat mehr Platz zum Tanzen.