Mit dem Obstandl Didi durchs Univiertel

Mit dem Obstandl Didi durchs UniviertelHacker Pschorr Spezltour #1

S Leben is a Freid! Und wie man mit knappen 60 Jahren bei anhaltender Urlaubsbräune, liebevoll grantelnd und Regenbogen pupsend auch noch Tag für Tag mit einem Lächeln Obst verkaufen kann, hat uns Autor, Moderator und Obst-Dandler Dieter Schweiger auf der nunmehr 5. Ausgabe der Hacker Pschorr Spezl Tour erzählt. Zusammen mit seinem langjährigen Freund und 1860-Stammmoderator Sebastian Schneider ging es höchst süffig süffisant im Schweinsgalopp durch das Univiertel.

München, Du hast es nicht leicht. Stets zwischen den Stühlen und allerweil in der Identitätskrise befindlich suchst Du neben Laptop und Lederhose immer noch Deine Originale. Wie müßig das sein kann, beweisen zahlreiche Image-Kampagnen namenhafter Werbetreibender. Dass diese Originale aber oftmals tagtäglich vor der eigenen Haustüre repräsentieren, daran muss man allzu oft erinnert werden. Den einen mögen sie nerven, diese Originale, dem anderen bereiten sie Freude. Nicht selten sind sie nämlich Zeugen vergangener Szene-Bewegungen, die das Stadt- und Gesellschaftsbild geprägt haben. Einen munterheiteren Spagat zwischen Werbehölle und bajuwarischer Originalität hat jedoch der Gastgeber des diesjährigen Spezltour-Auftakts hingelegt.

S'Lebn is a Freid

Obststandl Didi

Schon seit dem 6. Februar 1984 kümmert sich Dieter Schweiger am Geschwister-Scholl-Platz um die Gesundheit der von Vorlesungen gerupften, in den Jahresberichten aber stets als Elite ausgewiesenen, Studenten der Ludwigs-Maximilians-Universität. Der Obstandl-Didi, so kennt man ihn, verteilt um keine wilde Anekdote aus nunmehr drei Jahrzehnten Standl-Kultur verlegen, neben Obst und Gemüse ein ganzes Arsenal an kreativen Lebensweisheiten, die weit mehr füllen würden, als sämtliche Klowände der hiesigen Universität zusammen. Und so ist allen Anwesenden noch während Didi seinen Stand verschließt bereits klar, dass wir es hier mit der wohl redseligsten Spezltour bisher zu tun haben werden.

Die Spezl-Bag auf dem Rücken und einem ersten Schluck kühlen Bier in Nacken und Rachen setzt sich der Rundgang durch sein Univiertel allmählich in Bewegung. Da das uns begleitende Lastenfahrrad bei Weitem nicht nur ein oder zwei Fläschchen des güldenen Ambrosia verspricht, hat sich Didi, der einigen auch als Sechzger-Didi bekannt ist, folgerichtig tatkräftige Palaver-Unterstützung gesichert. Während die ersten Bügelflaschen zu Ploppen beginnen und ein erstes Lied auf das Viertel anstimmen, hebt auch 60er-Stadionsprecher und ehemaliger Radio-Energy-Moderator Stefan Schneider den Humpen gen Sonne.

Vorbei an den Fakultäten dauert es jedoch nicht lange, ehe sich Didi und Stefan vor einer der vielen Eckbars niederlassen. Zu schön knallt die Sonne auf die stolz ergriffenen Flaschen und lässt kaleidoskopische Schimmerfiguren durch das braune Glas hindurch auf das Trottoire los. Eingelullt von Sun-Downer und Hopfen-Upper lauschen wir gespannt den Fabeln um die Rivalität zwischen Blauen und Roten auf den Feldern, die zumindest hier einigen die Welt bedeuten, und merken selbst nicht wie uns die Solarstrahlung allmählich zu Roten macht.

Spätestens beim Passieren der Schellingstraße und ihrem grünlich-blassen Biertempel, dem berüchtigten Schellingsalon, wird klar, dass man es vor allem bei Stefan Schneider mit einem absoluten Fußball-Almanach zu tun hat. Kurz skeptisch die gehisste Fahne „der Bayern“ geschmäht, folgt ein verbales Watsch‘ngewitter aus den Mündern der beiden freudestrahlenden Löwen-Fans ehe sich der Biermarsch wieder in Bewegung setzt.

Zugegeben, den immer noch, ehemaligen oder nicht mehr Studierenden sind die Anekdoten aus dem Univiertel längst bekannt, abgedroschen oder als Märchen entlarvt worden. Den wirklichen Spaß beschert uns tatsächlich die an zwei Lausbuben erster Güteklasse erinnernde Freundschaft zwischen dem alten RTL-München-Wetterfrosch und dem früheren Musikredakteur von Radio Gong und Konsorten. Derart aufgepeitscht vom Frohsinn und der sympathisch nahbaren Aura der beiden, ja doch, Münchner Originale, komplett mit Sonnenbrand und grau meliertem Haar-Chic, kippen sich Radler und Helles immer besser, ehe wir natürlich über Monaco Franze und Kir Royale sinnieren müssen.

Aber auch diese Ehrerbietung im Zeichen des großen Helmut Dietl findet ihr Ende und so kehrt man, nachdem sämtliche Stenz-Weisheiten abgefeuert und ein halbes Polt-Programm niederzitiert wurde, zurück zum einzig wahren: dem Hopfen, dem Glück, dem Bier. Die uns immer noch wie ein Delphinschwarm bei Seenot umkreisenden Lastenfahrräder um gefühlte 60 Liter erleichtert, wird uns noch kurz verraten wo OB Reiter wohnt, wo des GröFaZ liebster Italiener war (oder so... ist ja auch egal!) und in welchen Clubs Freddy Mr „Queen“ Mercury noch so die Tablettes voll bolivianischem Kokain hat kreisen lassen. Warum uns beim Lauschen unsere eigene Studienzeit fast schon katholisch orthodox vorkam, bleibt uns jedoch wohl selbst geschuldet...

Und als schließlich alle Social-Media-Kanäle zu Genüge bespielt wurden, die Stories gemacht und die Hashtags auserkoren waren, wich der Abend der Nacht und wir stießen an im Neuhauser mit Stefan Schneider und der vielleicht einzigen liebenswerten Konstante im Münchner Studentenleben: unserem Obstandl-Didi.

Es hat grade erst begonnen!

Die "Spezltour" Season hat gerade erst begonnen. Und ihr könnt dabei sein. Spezl-was?! Als Brauerei mit lokalen Wurzeln, veranstaltet Hacker-Pschorr von Juni bis September eine Stadtviertel-Tour-Serie, "Spezltour" genannt. Darin soll euch unsere schöne Stadt von Originalen aus dem jeweiligen Viertel nährgebracht werden. Wie ihr teilnehmen könnt erfahrt ihr in unserem nächsten Teaser.

Tim Brügmann

Tim Brügman, dessen Wohnzimmer die Konzertsäle dieser Stadt sind, ist der Rockstar unter den Musikjournalisten. Doch kennt die Klaviatur des gebürtigen Münchners nicht nur die groben Feinheiten der musikalischen Welt, auch die feinen Grobheiten des Münchner Nachtlebens lassen ihn nicht kalt.