Mit Daniel

Mit Daniel "Gsölli" Gsöllpointner in der Goldenen BarFaces of Minga #23

Statt es als reinen Beruf abzutun, verschmilzt Daniel Gsöllpointner förmlich mit seiner Bar. Überall besser bekannt als Gsölli, ist Daniel Barchef in der Goldenen Bar. Sein ganzes Leben spielt sich in der Gastronomie und vor allem nachts ab. Was ihn als Gastgeber auszeichnet und warum es in der weltweiten Barszene so einen enormen Zusammenhalt gibt, das alles und mehr hat er uns bei einem gemütlichen Plausch auf der Terrasse der Goldenen Bar erzählt. Und dazu gab's? Ein Wasser mit Sprudel. Richtig wild!

Der Mann, dem man hinter der Bar vertraut © Geheimtipp München

Als der Alkohol ins Spiel kam

Seit mittlerweile sechs Jahren arbeitet Gsölli in der Goldenen Bar. Gebürtig ist er aus Österreich, nach München kam er wegen des Jobs. In seiner Heimat war er auf einer Tourismusschule. Dort hat Gsölli nicht nur sein Abitur gemacht, sondern gleichzeitig eine Ausbildung zum ausgelernten Koch, Restaurant-, Hotel- und Tourismusfachmann. „Die Sache mit der Bar hat sich im Laufe der Zeit so ergeben. Geplant war es nicht, eigentlich wollte ich in die Richtung des Kochs in der gehobenen Küche gehen. Das hat dann alles nicht so geklappt, ich wollte trotzdem etwas Kreatives und Schaffendes machen. Irgendwann kam der Alkohol ins Spiel und durch einen tollen Mentor habe ich da meine Leidenschaft entdeckt.“ Eine richtige Ausbildung zum Barkeeper gibt es nach wie vor nicht.  

Schnacken über Gott und die Spirituosen © Geheimtipp München

Autorin Sarah ist jetzt mindestens genau so ein Experte. © Geheimtipp München

Mit Sprudel in der Hand lässt's sich länger talken... © Geheimtipp München

Ehrgeiz hinter'm Tresen

Und wenn man dann drin ist, im Job hinter’m Tresen - ist das etwas für immer, fragen wir uns? „Es ist natürlich körperlich sehr hart und je älter man wird, umso härter wird es. Ich weiß noch nicht, ob es für mich erstrebenswert ist, auch im Alter sechs Abende die Woche an der Bar zu stehen. Mein Ziel ist, irgendwann einen eigenen Laden zu haben. Klar, bin ich dann auch jeden Tag vor Ort. Aber man kann sich ein Team aufbauen, das einen unterstützt.“ Sicher ist er sich auch, dass viele seiner Kollegen ähnlich denken. „Es kommt immer darauf an, in welcher Art du den Job ausführst. Man kann hinter der Bar stehen und nebenher noch studieren. Aber ich glaube, wenn man wie ich in der gehobeneren Barszene ist, viel herumprobiert und kreativ ist, hat man auch den Anspruch, etwas Eigenes zu machen oder zumindest eine leitende Position zu haben.“

Ein guter Mann hinter der Bar? - Rocks!

Oft wird Gsölli gefragt, was er denn noch so nebenher macht. Dass er diesen Job hauptberuflich ausübt, glauben erst einmal nicht viele Leute. "Und, was studierst du nebenher?" - diese Frage hat er schon oft gehört. „Vielen Leuten ist glaube ich nicht bewusst, wie viel Arbeit in diesem Beruf steckt und dass er nicht einfach so locker flockig nebenher zu erledigen ist. Und dass es auch einfach ein richtiger Beruf ist, kein Hobby.“ Dem gebürtigen Österreicher fällt jedoch auf, dass sich das Berufsbild Barkeeper über die letzten Jahre etwas geändert hat und vor allem bei jüngeren Leuten extrem Anklang findet. „Viele Leute haben Lust, bewusster und besser zu trinken und Qualität im Glas und im Service wird erwünscht. Die Kompetenz, die viele Leute beim Trinken verlangen, bekommen sie eben von uns. Ein guter Mann hinter der Bar hilft dir definitiv weiter.“

Das Haus der Kunst beherbergt die Goldene Bar - seit vielen Jahren © Geheimtipp München

Die Stühle ganz nah am Geschehen © Geheimtipp München

Alles schon gemacht, trotzdem immer neu

In der Goldenen Bar wird viel ausprobiert, Kreativität bei der Kreation neuer Drink-Rezepte ist wichtig. Doch woher holen Gsölli und seine Kollegen sich die Inspiration für die neue Geschmäcker? „Die meisten kreativen Einfälle bekomme ich in meinem Alltag. Sachen, die ich sehe, esse oder trinke – in anderen Bars, im Restaurant, beim Einkaufen, bei Gesprächen mit Kollegen. Der Beruf des Barkeepers ist definitiv kreativ. Denn ohne Kreativität das alles umzusetzen, ist wirklich schwer.“ Und was kommt dann rein ins Glas? Wo genau sind die Grenzen? Gibt es überhaupt welche? Für manche mag schon Vodka und Tomatensaft eine zu wilde Mischung sein. Für andere kann es nicht ausgefallen genug sein. „Wichtig ist immer, zu wissen, was man denn erreichen will, was das Konzept der Bar und der dazugehörigen Drinks sein soll." Im übertragenen Sinn: Nicht jede Boazn muss fancy Drinks anbieten. Sondern das, was zu ihr passt. "Aber eigentlich gibt es keine Grenzen. Es wird ja eh schon alles gemacht. Und das ist auch gut so.“ Zeigt nämlich, dass moderne Barkeeper immer offen sind für Neues.

Die "Crew" ist Gsölli besonders wichtig - quasi Familie. © Geheimtipp München

Der Barkeeper als Seelenklempner

Wir fragen uns, was genau den Österreicher fasziniert, dass er diesen Job so leidenschaftlich ausführt. Uns fällt aber recht schnell auf: eigentlich sieht er seinen Job gar nicht als Beruf. „Mein Team, das sind für mich Freunde, das ist meine Familie. Ich gehe nicht zur Arbeit, um zu arbeiten. Sondern, um meine Family zu sehen. Schon deswegen freue ich mich jeden Tag auf’s Neue. Ich kann mich auch vollkommen mit dieser Bar identifizieren. Ich bin gerne hier, um mit meinen Gästen gemeinsam immer wieder einen schönen Abend zu erleben. Ich kann meine Kreativität in Drinks verwandeln und mich komplett ausleben.“ Auch seine persönlichen Stärken sieht er im Barkeeper-Dasein. „Da es meine Leidenschaft ist, habe ich ein gutes Wissen über viele Themen und kann somit meinen Gästen genau das bringen, was sie wollen. Oder sie komplett überraschen. Mir ist es wichtig, dass die Stimmung gut ist, deswegen versuche ich, immer empathisch zu reagieren und mit viel Humor zu arbeiten. Und ich denke auch, dass ich ein guter Ruhepol bin und man gerne bei mir trinkt. Man muss einfach ein guter Gastgeber sein, das ist das allerwichtigste. “ Auch ein bisschen psychologisches Talent sollte ein Barkeeper mitbringen, sagt Gsölli. Am Bild "der Barkeeper als Seelenklempner" ist also wohl wirklich etwas dran. 

Unser Favorit in der Bar: Haus der Kunst Cocktail © Geheimtipp München

München, eine "Aperitif-Gesellschaft"

Was uns in der Gastronomie oft besonders auffällt, ist der enorme Zusammenhalt. Nicht nur innerhalb des Team einer Bar, sondern in der Gastronomie an sich, städte- und sogar länderübergreifend. Wie kommt es, dass gerade diese Szene sich als großen Familie fühlt? „Eigentlich hilft es niemandem, wenn wir gegeneinander arbeiten. Wir haben ja alle das selbe Ziel. Wir wollen unseren Gästen, around the world, etwas Gutes tun. Und wir wollen alle die Barbranche stetig verbessern. Das alles ist ja nicht die Aufgabe einer Bar, sondern von allen gleichermaßen. Wir ziehen alle an einem Strang. Das kann man einfach nur als Kollektiv erreichen und nicht als Einzelperson. Der Austausch ist deshalb wahnsinnig wichtig. So können auch interessante Trends entstehen.“ Außerdem trinke jede Stadt ein bisschen anders, fügt Gsölli hinzu. Wir Münchner zum Beispiel seien eher eine "Aperitif-Gesellschaft".

Die Frage ist, ob hier etwas nicht gold ist © Geheimtipp München

Trend - gut oder schlecht?

Was hält Gsölli überhaupt von Trends? Wir haben ihn mal nach einem guten Beispiel gefragt - dem Gin. „Es ist natürlich schön, wenn Spirituosen, wieder ein bisschen in den Vordergrund rücken, die länger nicht viel getrunken wurden. Aber ich finde nicht, dass es diese extreme Menge braucht, wie es zum Beispiel beim Gin der Fall ist. Es ist wichtig, dass die Leute nicht auf einer Sache hängenbleiben, sondern viele verschiedene Dinge probieren. Offen durch die Getränkekarte gehen. Trends sind trotzdem sehr wichtig.“ Das nächste Mal bestellen wir aber vielleicht doch mal einen Gin-freien Cocktail. Oder wir lassen einfach Gsölli entscheiden… Ein Sprudelwasser wird es aber nicht mehr, so viel ist sicher. 

Noch mehr Bargeschichten?

MAL HINTER DIE KULISSEN SCHAUEN?

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Bilder von Murat Kaydirma für Geheimtipp München. 

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden. 

Sarah Langer

Sarah ist ein echtes Münchner Kindl. Heißt: „Gmiatlichkeit” hat für sie oberste Priorität. Ihr Herz schlägt für Electro-Funk-Musik und Weinschorle. Bar oder Berge, Currywurst oder Salat, Hund oder Katze – festlegen gehört definitiv nicht zu ihren Stärken. Dafür aber Kreativität, Lebensfreude und ein guter Schuss Sarkasmus.