Miriam Hanika Sound of Munich #21: Wenn Poesie und Musik eins werden

Geheimtipp Muenchen Soundofmunich Miriamhanika 2 – ©Manuel Nieberle

Eine zarte Stimme und eine Oboe gemeinsam auf der Bühne, das sieht man tatsächlich nicht alle Tage oder auch nie. Genau das macht Miriam Hanika so besonders, sie verbindet Poesie und Oboe, verbindet Klassik und Pop und erzählt ihr Leben in poetischer Schönheit. Mit ihrer Musik hat sie etwas ganz Eigenes geschaffen, einen eigenen Mikrokosmos der Musik, der ihr allein gehört, den sie bespielt mit ihrer Kreativität und ihrer zarten Stimme. Sie hat sich für die Freiheit entschieden, die Möglichkeit anders zu sein und genau damit zieht sie ihr Publikum in ihren Bann.

Geheimtipp Muenchen Soundofmunich Miriamhanika 14 – ©wunderland media GmbH
München's Viertel sind ihr Zuhause.
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München – Liebe auf den ersten Blick

Mit 14 Jahren war Miriam das erste Mal in München, nur zu Besuch, und wie hätte es anders sein können, sie hat sich direkt verliebt in unsere Lieblingsstadt und unter dem Chinesischen Turm verkündet: „ Hier will ich mal leben.“ Sechs Jahre später kommt es tatsächlich so und Miriam beginnt ihr Studium der Oboe hier an der Hochschule für Theater und Musik. Die Oboe, das ist ihr Instrument und München, das ist ihre Stadt. „Es war von Anfang an klar, hier werde ich bleiben,“ erzählt sie uns. Gerade für klassische Musik ist München ein Mekka, aber was Subkulturen und besondere Musik angeht, da würde sich Miriam ein wenig mehr Vielfalt und Akzeptanz in der Münchner Szene wünsche. Ihr ursprünglicher Plan, einem Orchester beizutreten, ist schnell verflogen, denn das lässt sich nicht ganz mit ihrer Vorstellung von Musik und dem Berufsleben vereinen: „ Die Leute sitzen da teilweise schon 30 Jahre und finden es nicht grade cool, wenn du dann da neu dazukommst und dann steht da vorne noch ein Komponist, der dir sagt, was du machen sollst.“ Das ist nichts für Miriam, denn Miriam ist selbstbestimmt, weiß genau was sie will und schätzt vor allem die Freiheit.

Zwischen Sicherheit und Freiheit

Auf die Frage, wie sie zur Musik gekommen ist, findet Miriam eine knappe Antwort: „Meine Eltern sind beide Musiker. End of story.“ Dann muss sie lachen, denn ihr wird selbst direkt klar, so einfach war das doch nicht. Die Musik war auf jeden Fall von Anfang an Teil ihres Lebens, ihr Vater hat eine Musikschule gegründet und in der „bin ich dann quasi aufgewachsen“, erzählt Miriam. So lernte sie früh mehrere Instrumente zu spielen, doch von da an war es noch ein langer Weg bis hin zu der Musik, die sie jetzt macht. Musikgymnasium in Weimar und dann das Studium der Oboe. Musik ist eigentlich zu jedem Zeitpunkt der größte Teil ihres Lebens, doch als Ausgleich zum ständigen üben mit der Oboe dichtet Miriam und schreibt eigene Lieder. Das hat sie schon als Kind geliebt. Nach mehreren Vorspielen für Orchester entwickelt sich immer mehr der Drang, eigene Musik zu machen. Sie entscheidet sich bewusst gegen die Sicherheit einer staatlich geförderten Oper und für die Freiheit, die Musik zu machen, die sie fühlt und die sie berührt. Miriam in ihren eigenen Worten: „Musik, das ist für mich auch eine Art Selbsttherapie.“

Geheimtipp Muenchen Soundofmunich Miriamhanika 13 – ©wunderland media GmbH
Wir haben Miriam in ihrem Lieblingscafé getroffen, dem Tushita Teehaus.
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Lyrik und Oboe vereint

Die Richtung ist jetzt klar und nicht ganz ungelegen kommt da, dass ihr Freund ein freier Musiker ist, der sich gut mit eigenen Tonaufnahmen und der Eigenproduktion von Musik auskennt. Auch von zu Hause erfährt sie kompletten Rückhalt, denn die Eltern verstehen das Bestreben der Tochter, sind sie doch selbst beide freie Musiker. Mit der großen Unterstützung ihres Freunds entsteht dann tatsächlich ihr erstes Album Wanderlust. Ein Album, in dem sie singt und auch Oboe spielt, dabei geht das doch gar nicht gleichzeitig? Das dachte sie zumindest lange: „Das kann doch nicht funktionieren.“. Aber, die Liebe zum Liedermachen und der Poesie, ist genauso groß wie die Leidenschaft für die Oboe und da wir doch alle immer versuchen zu verbinden, was wir lieben, hat Miriam die zwei Gegensätze künstlerisch vereint. Rausgekommen ist dabei ein pures und berührendes Kunstwerk. Miriams lyrische Texte verschmelzen harmonisch mit den Klängen der Oboe.

„Sinken wir hinab in diese Nacht,
Es ist bestimmt wir sehn uns wieder, 
Wenn der Tag erwacht.
Und dann können wir zusammen, weniger allein,
Gemeinsam einsam sein.“

Miriam Hanika

Geheimtipp Muenchen Soundofmunich Miriamhanika 4 – ©Dominik Wolf
© Dominik Wolf
Geheimtipp Muenchen Soundofmunich Miriamhanika 5 – ©Dominik Wolf
© Dominik Wolf

Musik braucht keine Schublade

Das ist gleichzeitig der Beginn einer erfolgreichen Zusammenarbeit, denn ihr fertiges Album verkauft sie an das Musiklabel Sturm und Klang von Liedermacher Konstantin Wecker. Das gibt ihr Bestätigung: „ Es gibt da draußen also tatsächlich einen Platz für meine Musik.“. Ihre Musik ist außergewöhnlich und so einzigartig, dass sie sich nicht wirklich in eine Schublade stecken lässt. Genau das kann auch zum Problem werden, wie sie erläutert: „Je schwerer man etwas in eine Schublade schieben kann, umso schwerer ist es dann auch, es zu verkaufen.“. Doch bei Miriam klappt es: Ihre Musik wird gemocht, mittlerweile gibt es schon ein zweites Album. Louise. Sie arbeitet aktuell an drei Projekten parallel – und die Ideen gehen ihr noch lange nicht aus. Warum Miriam so erfolgreich ist mit dem was sie tut, wird sehr deutlich, wenn sie erzählt, wie es sich für sie anfühlt, neue Musik zu kreieren: „Wenn ich dann an einem neuen Lied schreibe, das ist wirklich so wie beten oder meditieren hoch zehn. Alles andere ist egal, die Welt um dich herum könnte auseinanderbrechen.“

Geheimtipp Muenchen Soundofmunich Miriamhanika 1 – ©Manuel Nieberle
Durch die Musik findet Miriam zu sich selbst.
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