Geld und Ruhm. Oder Glück. Wofür würdet ihr euch entscheiden? Wie schwer diese Entscheidung tatsächlich ist, zeigt die Geschichte von Mark Tarmonea. Heute ist der Münchner DJ, Producer und Live Act. Doch der Weg dorthin war - wie Xavier Naidoo an dieser Stelle so schön sagen würde - steinig und schwer. Wir haben den Künstler, der es geschafft hat, auf Soundcloud den erfolgreichsten Melodic Techno Track der Welt zu produzieren, in seinem Studio in München getroffen, um mit ihm über die Höhen und Tiefen des Musikbusiness zu sprechen.

Studio meets Balkonien © Geheimtipp München

Früh übt sich

Vor dem Ende des Kommunismus floh der gebürtige Rumäne mit seiner Familie nach Deutschland. Schon im zarten Alter von einem Jahr trällerte er Songs von Kenny Rogers. "Mit 9 Jahren habe ich angefangen zu komponieren, wollte später in die klassische Musik gehen.“ Bei Marks Eltern blieb das musikalische Talent ihres Sohnemanns nicht unbemerkt: Sie kauftem ihm ein elektronisches Kinderkeyboard, sein erstes Instrument. „Das Ding hat echt weirde Sounds rausgeballert und ich habe mir die immer auf Kassette aufgenommen und habe mich sonst für nichts interessiert, auch nicht für die Schule.“ Nur die 1 in Musik blieb auf dem Zeugnis über all die Jahre wie in Stein gemeißelt. Und auch an den Zukunftsplänen änderte sich nichts: Mark wollte Komponist werden. Mit 18 beginnt er ein privates Musikstudium für Jazz und Popularmusik in seiner ursprünglichen Heimat Rumänien. Doch das Angebot für einen Studiojob in Deutschland ändert alles. Wieder bricht er alle Zelte ab und kommt zurück. 

Alles, was ich gemacht habe, war immer sehr verspickt, sehr Underground, sehr unkommerziell.

Mark Tarmonea, Producer und DJ

Gegen die Welle schwimmen

Die Jahre verstrichen, Mark arbeitete fleißig als Gitarrist und Co-Produzent in Stuttgart, produzierte unter anderem für Künstler wie Glashaus oder FourMusic. Doch die Liebe zur elektronischen Musik war immer da, wie auch der Drang selber als Künstler zu arbeiten: „Wenn du mit Computern arbeitest- da ist viel elektronisch.“ 2007 fing er selber an zu produzieren, nur ein Jahr später standen bereits die ersten, eigenen Technotracks mit deutschen Vocals, selber von ihm eingesungen. „Alles was ich gemacht habe, war immer sehr verspickt, sehr Underground, sehr unkommerziell.“

Mark in seinem Studio in Neuhausen © Geheimtipp München

Hier singt er die Vocals eigener Tracks ein... © Geheimtipp München

...und komponiert am E-Piano © Geheimtipp München

Das Ergebnis verzaubert. © Geheimtipp München

Der Durchbruch

2011 begeisterte sich ein Musiklabel für Mark und seine Stimme. Doch melodischer Techno? Nope. Sie wollten Mark mehr als Sänger platzieren - "Wie Andreas Bourani oder so!“ - war die Idee. Mark stimmte zu, schließlich hörte sich alles richtig und plausibel an. Doch zufrieden war er nicht - auch, als zwei Electronic Deep House Nummern mit seiner Stimme erfolgreicher waren als er bis dato mit seiner eigenen Musik. Sogar im Radio war er nun regelmäßig zu hören. 

Was willst du wirklich?

Es folgten Auftritte bei großen Festivals wie Sonne Mond und Sterne. Doch dass Erfolg nicht immer gleich mit Glück einhergeht, musste Mark dabei nach und nach feststellen: „Für mich hat sich das nicht gut angefühlt, ich habe gemerkt: Das ist nicht das, was ich machen will.“ Deswegen traf er nach zwei Jahren die Entscheidung, den kommerziellen Markt, dem damit einhergehenden Geld und dem Ruhm den Rücken zu kehren - zurück zum elektronischen Underground. Unter seinem Label veröffentlicht er 2018 den Track "Clocks". Er ist mit über 10 Millionen Plays der erfolgreichste Soundcloud-Track der Welt im Bereich Melodic Techno. Doch der Neustart gestaltete sich zunächst schwer...

Ein Hoch auf das Leben! © Geheimtipp München

Das Streben nach Glück

„Es war so ein bisschen der Sprung ins kalte Wasser - aber: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Nicht nur Marks Umsätze brachen ein, auch seine Bookings. Viele Veranstalter wollten ihn nicht mehr buchen, als er ihnen sagte, er spiele nun wieder Techno. Und auf den wenigen Veranstaltungen, auf denen er noch spielte, erwarteten Booker und das Publikum seine kommerzielle Musik. „Ich habe schon versucht der breiten Masse meinen Underground-Sound aufzuzwingen.“ Einige feierten das, der Großteil allerdings nicht. 

Für diesen Moment lebt man - den Moment des vollkommenen Glücks.

Mark Tarmonea, Producer und DJ

Angekommen

Seine Entscheidung bereut Mark bis heute nicht. Ganz im Gegenteil - er hat endlich zu sich selbst gefunden. Auch mit seiner Musik. „Musik hat ja immer was mit der persönlichen Entwicklung und innerer Befriedigung zu tun und einfach zu sehen, dass es andere Menschen glücklich macht.“ Demnächst erscheint sein Projekt "Prelusion" unter dem Label 3000 Grad, an dem er lange mit seinem befreundeten Producer Yannek Maunz gearbeitet hat. Mark ist erwachsen geworden, widmet sich endlich dem, was ihm immer schon gefallen hat: Der tiefgründigen, elektronischen Musik. „Für diesen Moment lebt man, den Moment des vollkommenen Glücks. Wenn man 80 Jahre alt ist und sagen kann: Weißt du noch damals? Das war mega! Dafür mache ich Musik." Alles auf neu. Zurück in die Startlöcher. Denn das Beste kommt erst noch.

Pic's by Miles Köhler und Anna Pauels

Anna Pauels

Anna – unsere Wahlmünchnerin fällt nicht nur durch feuerrote Haare, sondern auch durch mehrere Tattoos und Piercings auf. Sie liebt das Extreme und weiß nicht nur in Sachen Körperkult, wo der Bär steppt - sondern auch, in welchen Münchner Clubs und Bars. Ganz getreu dem Motto: Wer aus der Reihe tanzt, hat mehr Platz zum Tanzen.