Maria Stuarda

Maria StuardaVorhang auf für Stolz, Macht und zwei Rivalinnen

Die Uraufführung von „Maria Stuarda“ des italienischen Opernkomponisten Gaetano Donizetti fand 1836 in Mailand statt. Mehr als 180 Jahre später sitzen wir im neu renovierten Gärtnerplatztheater und lauschen der Premiere in München. Hauptpersonen sind zwei Rivalinnen, die den Kampf des Stolzes und der Macht gegeneinander ausführen: Elisabeth I, Königin von England. Und Maria Stuart, Königin von Schottland. Einige von uns haben das ursprünglich von Schiller geschriebene Drama vielleicht in der Schule gelesen... Der Deutsch Leistungskurs lässt grüßen. Das heißt aber leider nicht unbedingt, dass davon allzu viel hängen geblieben sein muss... Absolut zu Unrecht, wie uns jüngst klar wurde, als wir der Premiere der Oper Maria Stuarda im Gärtnerplatztheater beiwohnen durften. Denn der historische Hintergrund zweier kämpferischer Frauen liefert die perfekte Basis für die emotionale, bild- und stimmgewaltige Inszenierung auf der Bühne.

Sieben prunkvolle Kronleuchter werden von der Decke herabgelassen. Der gesamte Saal ist still, voller Neugier auf das, was kommt. Eine anmutige majestätische Frau betritt die Bühne. Es ist Elisabeth I, Königin von England. Ihr Volk kniet ehrfurchtsvoll auf dem Boden und schaut zu ihr auf. Ihr Gesang in Kombination mit der musikalischen Begleitung ist gewaltig und beeindruckend zugleich. Auch, wenn nicht jeder geneigte Zuhörer die Sprache verstehen kann - alle Gesänge: auf Italienisch. Aber es gibt einen Obertitel. Gott sei Dank.

Wir befinden uns in England, im 16. Jahrhundert – die aufwendigen Kostüme und majestätischen Gestalten auf der Bühne sind so gekonnt in Szene gesetzt, dass das selbst dem wenigen klar werden dürfte, der den Inhalt des Klassikers noch nicht kennt. Saal und Kulisse des Gärtnerplatztheaters können kaum passender sein: Die Farben Gold und Rot dominieren den Saal. Wir fühlen uns in die damalige Zeit hineinversetzt. Erst als wir uns nach rund 1,5 Stunden in der Pause einen Weißwein gönnen, kommen wir so langsam zurück nach München in 2018. Der Wein: natürlich auch Italienisch. Der perfekte liquide Übergang zur zweiten Hälfte der Vorführung. 

Zurück also zum Stück. Die Story von Elisabeth und Maria ist verzwickt: Maria, die schottische Königin wird von ihrem Volk verstoßen und lebt seitdem in Gefangenschaft. Zugleich erhebt sie aber Ansprüche auf den englischen Thron. Wäre das nicht Grund genug für Rivalitäten zwischen den beiden Frauen, kommt noch ein Mann ins Spiel: Graf von Leicester, Elisabeths Favorit. Er ist allerdings unsterblich in Maria verliebt und versucht daher, zwischen den Gegnerinnen zu vermitteln und Elisabeths Mitleid mit der verstoßenen Maria zu bestärken. Kein falscher Ansatz: Denn Elisabeth ist unsicher und kämpft mit ihrem Gewissen: Eigentlich hat sie ihr Ziel erreicht, Maria hat sich schuldig gemacht. Sie könnte sie bestrafen. Sie könnte ihr Todesurteil unterschreiben. Aber sie zögert.

Die Situation eskaliert, als die beiden Frauen das erste und einzige Mal aufeinander treffen: Maria zeigt sich stolz. Anstatt um Gnade zu bitten, beleidigt sie ihre königliche Cousine. Kommt uns irgendwie bekannt vor, aus der heutigen Welt. Politische Konflikte: Zwei Personen, die beide Anspruch auf den Thron haben. Keiner will nachgeben. Machtkämpfe - ein Thema so alt wie die Menschheit. Und so ist auch die Kernhandlung dieses Stücks in gewisser Weise zeitlos.

Wie geht’s nun weiter? Nach langem Zögern entscheidet Elisabeth: Maria soll sterben. Nicht zuletzt, weil sie so wütend ist: Über das hochmütige Verhalten ihrer Gegnerin und über die heimliche Beziehung zwischen Maria und Graf Leicester. Der Mann, der eigentlich für sie bestimmt war. Die sonst eher kühle Elisabeth wird emotional - eine Entwicklung, die die Macher gekonnt auch ins Bühnenbild übertragen haben. Die Farbwelt  passt sich immer wieder an die auftretenden Personen an. Zu Beginn eisblau angehaucht und somit kühl wie Elisabeth. Sobald Maria Stuart die Bühne betritt, ändern sich Hintergrund und Beleuchtung in warmes, goldiges Licht. Ein Farbton, der sich mit Marias Innerstem deckt. Die Gegensätze der beiden Protagonistinnen werden dem Zuschauer also sofort deutlich. Selbst wohl dem ein oder anderen Opern-Neuling, der im Publikum sitzt...

Wie es ausgeht, könnt und solltet ihr selbst herausfinden. Eines sei verraten: Es gibt kein „Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende.“ Aber wir sind ja hier auch nicht bei Grimms Märchen. Wer bisher mit Oper wenig am Hut hatte, für den ist „Maria Stuarda“ ein guter, „softer“, aber trotzdem erinnerungswürdiger Einstieg in die Materie. Das Thema hat Aktualität: Stolz, Macht, Rache und – nicht zu vergessen – auch Liebe und Eifersucht spielen eine bedeutende Rolle. Wer neugierig geworden ist und auch jetzt so schnell wie möglich „Oper-Luft“ schnuppern möchte: Es gibt noch mehr als fünf Vorstellungen bis Ende Mai. Termine und Tickets findet ihr hier.

Pics by Christian POGO Zach.

Lena Weber

Jede Frau ist für gutes Essen anfällig. Das hat Casanova schon damals erkannt. Und es trifft bei Lena zu 100 Prozent zu. Wenn es ums Schlemmen und Schnabulieren geht, ist sie immer mit von der Partie. Mehr als 5 Jahre Mannheim und die Nähe zur Pfalz haben sie geprägt – vor allem die Vorliebe für Wein. Als Neumünchenerin ist Lena nun neugierig darauf, die Gastrowelt der Biermetropole zu entdecken.