Lost Weekend

Lost WeekendViel mehr als ein Café

Schon gewusst? Das Univiertel war um 1900 eine Weltstadt der Bohème! Wie in den damaligen Szene-Städten Paris oder Berlin bevölkerten auch hier Künstler, Intellektuelle und Aufrührer die Cafés der Maxvorstadt, um diverse geistige Revolutionen anzuzetteln. Zwei dieser Cafés existieren sogar heute noch (Alter Simpl und Cafe Altschwabing), so richtig revolutionär gehts dort mittlerweile aber auch nicht mehr zu. Doch ein junger Hupfer tritt in jene unangepassten Fußstapfen: das Lost Weekend.

Als ziemlich ungewöhnlicher Mix aus Coffeeshop, Coworking Space, Buchladen und Veranstalter diverser Events hebt es sich deutlich von der übrigen Münchner Café-Landschaft ab. Geht damit aber nicht im Geringsten hausieren! Der ahnungslose Kaffee-Suchende betritt ein ziemlich hippes, mit ziemlich vielen MacBooks vollgestopftes Großraum-Studenten-Café, bestellt an der Theke einen handelsüblichen Cappuccino und ZACK! In die Falle getappt ...

Wir haben keine normale Milch.

Wie?

Wir sind ein veganes Café. Sojamilch in Ordnung?

Keine normale Milch?

Nein. Vegan.

Okay, dann nehm ich ... hmm ... was habt ihr denn? ... ach, dann probier ich mal Vanille-Sojamilch.

Geht doch! So easy bringt man Menschen dazu, mal keine Kuhmilch zu trinken: einfach kein großes Brimborium drum machen. Ist Inhaberin Lissie wichtig. Deswegen steht auch nirgends fett „vegan“. Mit Geschmack überzeugen, nicht mit Ideologie. Geschmacklich am überzeugendsten findet sie persönlich Hafermilch.

Unseren Kaffee bestellen wir zwar in der Soja-Variante, sind aber auch hin und weg! Insbesondere der Dirty Chai, ein Nelken-intensiver Chai Latte mit Espresso-Shot, wärmt die Seele. Vor allem, wenn man wie gefühlt 99% der Anwesenden die ruhige, irgendwie "akademische" Atmosphäre schätzt bzw. schätzen muss, um noch was für Uni/Arbeit zu tun.

Um die ökologisch korrekte und geschmacklich absolut umwerfende Verköstigung kümmert sich Salvatore von der Plant Kitchen, um die geistige Erbauung do you read me?! aus Berlin. Die statten nämlich den integrierten Buch- & Magazinladen aus, der bei der Gründung des Cafés Auflage war, um der Historie der Lokalität gerecht zur werden.

Der Kontext LMU ist für Lissie auch der Grund, warum sich das Lost Weekend nicht einfach vervielfältigen lässt. Ihr ist sehr viel an seinem eigenständigen Charakter gelegen. Und der definiert sich auch wie oben erwähnt über die vielen Events, die hier laufend stattfinden. Ob Open Stage Poetry, Jam Session, Buch-Lesung, Film-Screening oder politischer Vortrag plus Diskussion – alles, was im Lost Weekend stattfindet, lässt sich auf einen Nenner bringen: Beteiligung erwünscht! Hier gibts Denkanstöße satt. In einer Zeit der sanften Berieselung ganz schön aufrührerisch ...! Gute, alte Univiertel-Tradition. Reloaded.

  • Kaffee

    Taranto von Supremo, würzig, weich, schokoladig. Batchbrew: 2,50 Euro.

  • Kaffee-Begleitung

    Ein fettes, saftiges Stück Carrot Cake (2,90 Euro). Wahlweise ein veganes Sandwich (4,90 Euro).

  • Lieblingsplatz

    Der Streber am Gemeinschaftstisch. Der Tagedieb auf der Fensterbank.

  • Café-Begleitung

    MacBook. Mit Ladekabel.

Verena Schindler

Gut ist, was neu ist! Verenas Augen und Ohren sind permanent im Aufnahmemodus. Als Designerin freut sie sich über alles, was das als spießig verurteilte München auf der Skala der hippen Städte etwas steigen lässt. Zum Reizflut-Ausgleich: einen Cappuccino in der Sonne – very Munich... Die Welt sehen?! Unbedingt! Woanders leben? Auch cool. ABER: keine Berge sind keine Option.