Liebe in Zeiten von Corona

Liebe in Zeiten von CoronaMünchner Erfahrungsberichte Single- vs. Couple-Life

Die Welt teilt sich in Singles und Couples – mehr denn je wird uns das durch den Shutdown bewusst. Die Pärchen fragen sich: „Sperren wir uns zusammen ein oder schlagen wir uns nach eine paar Wochen auf 50 Quadratmetern wohl die Köpfe ein?“ Und die Singles? Bei denen laufen Apps wie Hausparty, Zoom, Skype und Co. heiß und sie waren nie so froh wie heute, dass sie ihre alten Kuscheltiere aus Kindertagen doch noch nicht eingemottet haben. Aber wie genau fühlt man sich als alleinstehender Münchner gerade, wenn man auf die eigenen vier Wände beschränkt ist? Welche kleinen Alltagsproblemchen beschäftigt ein Paar, das sich wochenlang die geliebte, aber eben auch verdammt kleine 1-Zimmer-Bude teilen muss? Und wem geht es vielleicht besser? Unsere Autorinnen Sarah und Steffi wissen es ganz genau.

Der Single: "Alles meins! Auch die Couch." © unsplash

Süßes Single Life? - Sarah knows best!

"Der Single-Lifestyle ist für mich auch Neuland, denn bis Anfang des Jahres war ich in festen Händen. Deswegen hatte ich ziemlich Bammel vor dem Shutdown, denn es gibt Phasen, in denen ich immer noch etwas trauere. Normalerweise ziehe ich dann mit meinen Mädels los. Naja, was soll’s. Es gibt also die melancholischen Momente, in denen ich im Bett sitze und mit den Tränen ringe. Es gibt aber auch die Momente, in denen ich zu meiner „Guilty Pleasure Playlist“ durch die Wohnung tanze. Und die werden von Tag zu Tag mehr durch diesen staatlich verordneten Entzug. Danke erstmal an dich, Corona!"

Ihr wollt auch zu Guilty Pleasure Songs tanzen? Sarah teilt ihre Schätze mit euch

Will you be my quarantine?

"Ein Bissl Panik hatte ich auch davor, dass ich nun wieder wie eine Irre anfange, auf Tinder, Bumble und Co. alles zu wischen, was mir unter die Finger kommt. Aber meine Finger sind derzeit noch ruhig. Dating ist aktuell ja eh nicht drin. Und ich bin über WhatsApp etc. eh schon überfordert, mit allen meinen Freunden in Kontakt zu bleiben. Warum sich also noch einen Kerl ans Bein binden? Was mir aber unglaublich fehlt, ist körperlicher Kontakt. Deswegen haben meine beste Freundin und ich uns auch dazu entschlossen, dass wir ab jetzt Quarantäne-Besties sind. Und so setzen wir uns jeden Samstag- und Mittwochabend mit einem Glas Wein auf die Couch, schauen einen Film und kuscheln. Who told you, you need a boy for this?"

Festival-Camping mit Freunden - auch darauf freut sich Sarah (r.) nach dem Shutdown © Sarah Langer

Und nach dem Shutdown? Wird gedatet!

"Alles in Allem muss ich sagen: zumindest einen guten Aspekt mag die Sache haben. Denn so "gesund" bin ich noch nie aus einer Beziehung gegangen. Wo ich mich früher direkt ins Dating-Game zur Ablenkung gestürzt habe, bin ich nun dazu verdonnert, die Situation mit mir alleine auszumachen. Und wenn das Leben da draußen wieder losgeht, bin ich frei, happy und ready für das nächste Abenteuer. Also, wer hat Lust? Und jetzt gebe ich an Steffi weiter. Wie geht's dir denn eigentlich mit deinem Boy in eurer kleinen, schnuckeligen Wohnung?" 

Steffi und die Liebe auf 26,5 Quadratmetern

"Liebe in einer Schuhschachtel, ist das möglich? Gute Frage. Gerade sind wir mittendrin in diesem unfreiwilligen Experiment und stehen im Wechselbad der Gefühle. Ein Stadium zwischen "Glücklich, dass wir uns haben" und "geh mir bitte nicht auf den Keks".  Aus dem Weg gehen ist bei einer 1- Zimmer-Wohnung ja nicht drinnen. Schlafzimmer, Küche, Büro - das ganze momentane Leben spielt sich in einem Raum ab. Während sich mein Berufsleben in ein 100% Home-Office gewandelt hat und ich um 9 Uhr morgens schon im Meeting stecke, schläft mein Liebster einen Meter weg von mir noch selig im Bett. Aber das mag ich. Und beruhigt mich auf eine Art. Weil er einfach süß dabei aussieht. Wieso war ich gestern nochmal sauer auf ihn?... Egal, schon vergessen!"

Schlaf-, Wohnzimmer, Büro & Küche in einem: Was als Übergangslösung galt, ist dank Corona erst einmal Dauerzustand. © Stefanie Manna

Neben dem ICH gibt es auch ein WIR und umgekehrt

"Doch was macht diese Zeit eigentlich mit unserer Beziehung? Das ist schwierig zu beantworten, weil es neben dem "uns" auch noch den eigenständigen Menschen gibt, der ja auch gerade ganz schöne struggel hat. Ein emotionales Auf- und Ab bei beiden von uns. Zwischen der Unsicherheit, was als nächstes passiert (gespickt mit Neugierde) und diesem beklemmenden Gefühl der Freiheitsberaubung (klar, es ist gerade nötig, keine Frage, aber ihr wisst was ich meine). Zugegeben, ich bin momentan unausgeglichen, launisch, nervig und übersensibel. Dauerhaftes Perioden-Feeling irgendwie. Emotionale Achterbahnfahrten. Was sehr untypisch ist für mich. Und was ich selbst auch ultra anstrengend finde. Denn normalerweise sind wir da in umgekehrten Rollen. Er ist der Blues-Man, ich die Miss Sunshine. Was ist da nur los?" 

Mehr denn je sitzen Steffi und ihr Liebster in einem Boot. Nur taugte ihnen das Boot in Kolumbien mehr. © Stefanie Manna

Eigentlich lieben wir uns doch nur

"Was wir Gott sei Dank schon immer praktizieren (und das ist in einer 1-Zimmer Wohnung auch die einzige Lösung): über alles reden. Und das machen wir auch jetzt. Wie wir uns gerade fühlen und was wir besser machen können. Unsere Insider-Aussage: "Eigentlich lieben wir uns doch nur." Kombiniert mit einem Schmunzeln bei dem Wort "eigentlich" und dem befreienden Lachen danach und schon liegen wir uns auch wieder glücklich in den Armen. Dann werden die essentiellen Themen besprochen: Welchen Disney-Film wir am Abend ansehen möchten zum Beispiel (in Zeiten der Krise geben die uns nämlich das behütete Kindheitsfeeling zurück). Was wir Leckeres kochen möchten und wie viele Klopapierrollen wir noch haben. Dann schalte ich das Lied "We know the way" aus dem Disney Film "Vaiana" ein, das ich (während ER Augen rolllt) in Dauerschleife höre. Und ohne Witz auswendig kenne. Polynesisch? Easy! Wir lachen, er schnappt sich meine Hand, zieht mich hoch und wir tanzen über das Parkett. Grinsen uns an. Sind einfach nur glücklich, dass wir uns haben und finden, dass 26,5 Quadratmeter völlig ausreichen, um wunderbar miteinander zu tanzen. Und das ist doch, wenn wir mal ehrlich sind, das Wichtigste, oder?!"

Steffis Feel-Good-Tipp: Holt eure Trommeln raus und singt mit - tut gut!

Der Corona-Blues

Kollektiv Kolumne #10: Zwischen Aufbruchseuphorie und 7 Jahre Regenwetter

Bilder aus dem Privatarchiv der Autorinnen & - thanks to Corona - von Unsplash.

Dieser Beitrag ist auf redaktioneller Ebene entstanden.

Sarah Langer

Sarah ist ein echtes Münchner Kindl. Heißt: „Gmiatlichkeit” hat für sie oberste Priorität. Ihr Herz schlägt für Electro-Funk-Musik und Weinschorle. Bar oder Berge, Currywurst oder Salat, Hund oder Katze – festlegen gehört definitiv nicht zu ihren Stärken. Dafür aber Kreativität, Lebensfreude und ein guter Schuss Sarkasmus.