Licht, Illusionen und urbaner Zauber

Licht, Illusionen und urbaner Zauber"DUMMY" im GOP Varieté Theater

Der September ist der hintertriebenste aller Monate! Gerade noch schwelgen wir in Sommerlaune, planschen nichtsahnend am Flaucher, Grillen abends wie die Weltmeister, schwitzen uns im Büro die Seele aus dem Leib. Und ZACK! Herbst. Mit einem Schlag können wir uns nicht mehr auf schier endlose Sommerabende verlassen. Mit einem Schlag ist es draußen grau, kalt und garstig und wir brauchen schnell adäquates Ersatzprogramm. Zum Beispiel: Kultur. Aber bitte was Lockeres. Dennoch mit viel Stil! Die Lösung hat drei Buchstaben: GOP.

Das Varieté Theater gibt es in München und in sechs weiteren deutschen Städten, zusätzlich gerade temporär auch in Hamburg. Obwohl es den Münchner Standort an der Maximilianstraße schon ganze 10 Jahre gibt, haben es noch nicht alle Münchner unmittelbar auf dem Schirm. Das muss sich unbedingt ändern, finden wir. Denn kurzweiliger und trotzdem nachhaltig faszinierend kann ein Abendprogramm kaum sein.

Varieté - was ist das eigentlich?

Varieté ist per Definition eine abwechslungsreiche Show aus Akrobatik, Kleinkunst und Tanz. Der Clou im GOP: Man sitzt nicht steif in Stuhlreihen, sondern an Tischen und darf nebenher Snacks snacken und Drinks drinken. Und kann sogar ein 3Gang-Menü optional dazu buchen. 

Jede GOP-Show ist um ein bestimmtes Thema choreografiert und läuft jeweils 2 bis 3 Monate in einem der deutschen Theater. In München ist das derzeit die neue Show „DUMMY“. Der Trailer auf der Homepage haut uns schon vor dem realen Besuch schier von der Couch! Total modern, fast edgy. Vom etwas kitschigen Zirkus-Glitzer, den der Varieté-Unwissende vielleicht vermuten würde, keine Spur.

Phantastisch! Wir werfen uns also in Schale und machen uns auf ins Lehel. Wir gönnen uns mal so richtig und dinieren vor der Show im direkt angeschlossenen Restaurant „Leander“. By the way: Das hätten wir auch direkt am Platz im Saal tun können, "Show&Menü" nennt sich das im GOP dann. Hier wie dort, das 3-Gänge-Menü schmeckt uns sehr gut und ist selbstverständlich ideal getimt, sodass wir pünktlich zu Showbeginn mit Vino versorgt an unserem Platz sitzen. 

Licht aus... Spannung steigt... Bühne frei! Und sofort werden wir überrascht! Hier glitzert in der Tat gar nichts kitschig umher. Im Gegenteil. Das Bühnenbild erinnert eher an einen Berliner Szene-Club. Schwarz, clean und mit urbanen Schriftzügen versehen. Und bildet so den perfekten Kontrast für eine wahrhaft fulminante Show, die sich nun entspinnt...

„Wer ist Puppe, wer ist Mensch? Was ist echt und was ist Illusion? Wie ist die Beziehung des Lebendigen zum Artifiziellen?“

GOP Varieté Theater

Das „Echte“ sind die grandiosen Artisten, die Illusion, die geradezu magische Inszenierung. Faszinierende Lichtprojektionen reagieren immer anders auf jede Bewegung der Darsteller, verzerren oder verwischen sie, erschaffen artifizielle Welten. Wir sind begeistert, überrascht, verwirrt, verzaubert. Irgendwann geben wir es auf, das alles verstehen zu wollen. Fast wie im Rausch. Wir fühlen uns wie Teil eines abgefahrenen Musikvideos. Aber das hier ist alles live!

Auch die Musik ist live! Wieder halb echt, halb technisch und artifiziell in die Audio-Ebene der Show eingebettet. Eine junge Cellistin, die über Loops aus einem einzelnen Instrument eine ganze neue musikalische Welt entstehen lässt. Und der Künstler Reecode, der mit seinem Synthesizer so perfekt klangvoll-sphärischen Elektro zaubert, dass wir erst nach der Hälfte der Show realisieren, dass er sogar die Vocals selbst und live integriert.

Bei soviel Staunen kommt die Pause gerade recht, in der wir einmal Luft holen, die Gläser auffüllen lassen und uns über diverse Ah-und-Oh-Momente austauschen können. Besonders die vielen außergewöhnlichen Luft-Nummern (Trapez-Ring/Lampenschirm/hängende Schaufensterpuppe) bleiben uns noch lange im Kopf. Und den weiblichen Zuschauern im Speziellen schon auch irgendwie der entblößte, überirdische Oberkörper des Equilibristen...

Unmöglich (und sowieso sinnlos) hier sämtliche Highlights aufzulisten. Wir können euch einfach nur raten: schaut es mit euren eigenen Äuglein an! Unsere auf SCHÖN gefilterte sozial-mediale Umwelt macht uns zunehmend immun gegen echte Faszination. Im Gegensatz zu allem Virtuellen aber – das nehmen wir aus diesem Traum-haften Abend mit – öffnet analoger Kulturgenuss das Herz. Gerade wenn er die Grenzen zur Illusion derart gekonnt verwischt.

Kleine Checkliste, für die die's selber erleben wollen...

  • Ticket pure!

    Kostet euch von Mi. bis So. immer das gleiche: 44 Euro.

  • Show und Menü!

    Ein 3Gänge-Menü im Vorstellungssaal am eigenen Tisch serviert bekommen - dafür zahlt ihr Mi. bis Fr. 70 Euro, Sa. und So. nur 64 Euro. Die passende Weinbegleitung kann optional dazugebucht werden.

  • Show und Wunschmenü!

    Ebenfalls ein 3Gang-Menü, aber a la Carte, im Restaurant oder am Tisch im Vorstellungssaal - kostet euch an allen Tagen 78 Euro p.P. Auch hier: Weinbegleitung gibt's optional dazu.

  • Programmcheck & Tickets!

    Könnt ihr auf der GOP Website checken.

Pics by Thomas Tomski.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem GOP München entstanden.

Verena Schindler

Gut ist, was neu ist! Verenas Augen und Ohren sind permanent im Aufnahmemodus. Als Designerin freut sie sich über alles, was das als spießig verurteilte München auf der Skala der hippen Städte etwas steigen lässt. Zum Reizflut-Ausgleich: einen Cappuccino in der Sonne – very Munich... Die Welt sehen?! Unbedingt! Woanders leben? Auch cool. ABER: keine Berge sind keine Option.